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Vader: The Empire

Etwas kurz, aber macht Laune
Wertung: 8/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 33:06
Release: 04.11.2016
Label: Nuclear Blast

Eigentlich war es doch nur eine Frage der Zeit: Wenn eine Band sich nach einem gewissen berühmt-berüchtigten, mit Beatmungsgerät ausgestatteten Charakter aus der erfolgreichsten Weltraumsaga aller Zeiten, der noch dazu für ein bösartiges, faschistoides Regime arbeitet, benennt, musste es doch irgendwann sein, dass eben jene Formation ein Album mit dem Titel „The Empire“ veröffentlicht.

Mit „Tibi Et Igni“ hatte die polnische Death-Metal-Institution 2014 das vielleicht beste und vielseitigste Album ihrer Karriere abgeliefert, sämtliche Experimente und Schlenker mit Tuchfühlung in Richtung anderer Stilrichtungen haben absolut ins Schwarze getroffen – an dieses Meisterwerk heranzureichen, scheint kaum realistisch, es zu überbieten gar ein Ding der Unmöglichkeit. Zunächst fällt die – auch im Vergleich zum Vorgänger – extrem kurze Spielzeit auf; rund 33 Minuten sind heutzutage ja schon eher eine EP mit Überlänge. Da werden Fans natürlich umgehend an die Vader-Frühwerke à la „Litany“, „Revelations“ oder „Black To The Blind“ denken – letzteres ist sogar lediglich knapp 29 Minuten lang.

Wer jedenfalls erwartet, dass Piotr Wiwczarek und seine Kumpanen den mit „Tibi Et Igni“ beschrittenen Pfad weiter verfolgen, sieht sich getäuscht. Stattdessen knallen einem die Polen vornehmlich recht old-schoolig kurze, knackige Abrissbirnen zwischen Thrash- und Death Metal vor den Latz, keine davon erreicht die Fünf-Minuten-Grenze, großartige Experimente der Marke „Hexenkessel“ oder „The Eye Of The Abyss“ werden diesmal nicht gewagt. Old-School-Maniacs wird es freuen, jene, die den Vorgänger besonders frenetisch bejubelten (so wie meine Wenigkeit), sind zunächst vielleicht ein wenig enttäuscht.

Immerhin ist bei einer solch kurzen Spieldauer und stilistisch homogenem Songwriting der Intensitätsfaktor umso höher und selbstverständlich ist die Band zu routiniert und musikalisch bzw. handwerklich zu beschlagen, um hier irgendwelchen Einheitsbrei abzuliefern. Außerdem kann die Truppe mit einer sehr transparenten Produktion aufwarten, die modern und klar tönt und trotzdem immer noch den richtigen Spirit transportiert – das ist neben den logischerweise besseren technischen Fähigkeiten der Protagonisten einer der Unterschiede zu den genannten alten Platten der Jungs aus unserem östlichen Nachbarland.

Ohne große Kinkerlitzchen geht es direkt mit „Angels Of Steel“ los, dessen Riffs von Beginn an keinen Zweifel aufkommen lassen, dass hier Todesstahl alter Schule zelebriert wird und wenn Peters unverkennbare Stimme einsetzt (nach wie vor einer der markantesten und besten Shouter der Szene, denn so akzentuiert und textverständlich brüllen nur wenige), weiß spätestens jeder, dass hier Polens Todescombo Nummer eins durch die Botanik wütet – ja, selbstverständlich trotz Behemoth. Obwohl kaum zweieinhalb Minuten lang, passiert hier doch eine Menge – clevere Tempowechsel, halsbrecherische Gitarrensoli und Breaks inklusive. Sie wissen eben, wie es geht; stumpfes Geprügel ist aber nun wahrlich nicht das Ding dieser Truppe, was beim nunmehr elften regulären Studioalbum aber auch nicht wirklich befürchtet werden musste.

Der ebenfalls sehr starke Zweittrack „Tempest“ fällt in eine ähnliche Kategorie, bevor „Prayer To The God Of War“ mit erheblicher Thrash-Schlagseite um die Ecke düst. Wie schon beim Vorgänger („Triumph Of Death“) zählen die thrashigen Nummern mit zu Vaders besten, einfach ein endgeiles Hauptriff, bei dem das Rübeschütteln ganz automatisch vonstatten geht. Das folgende „Iron Reign“ bietet dann ein bisschen Verschnaufpause, ist das Stück doch mehr im Midtempo gehalten – andererseits zwingt einen das recht klassische Mainriff letztlich eh wieder zum munteren Headbangen.

Das kompositorisch wahnsinnig hohe Niveau dieser vier Tracks wird im weiteren Verlauf zwar nicht mehr ganz erreicht, kann aber zumindest fast gehalten werden. Das ebenfalls eher getragene Finale „Send Me Back To Hell“ beispielsweise bietet erneut ein sehr fettes, eingängiges Hauptriff. Wie angedeutet, kann „The Empire“ trotzdem nicht an seinen Vorgänger heranreichen, aber Laune macht die Scheibe auf jeden Fall. Ein produktionstechnisch hervorragend in Szene gesetztes, wenngleich für meinen Geschmack etwas kurzes Vergnügen, aber alte Death-Metal-Hasen werden sicherlich selig sein, kurze Alben ist man halt von früher gewohnt.

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