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Vader: Solitude In Madness

Fast durchweg hohes Tempo – Vader gehen weiter back to the roots
Wertung: 8/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 29:29
Release: 01.05.2020
Label: Nuclear Blast

Woher Vader-Bandboss Piotr „Peter“ Wiwczarek seinen Faible für Re-Recordings hat – diese Frage hat sich wohl so mancher Fan der polnischen Death Metal-Legende gestellt. „Dark Age“ von 2017 war eine Komplett-Neueinspielung des Debüts „The Ultimate Incantation“, etwas Ähnliches gab es bereits in Form von „XXV“ – überflüssig wie nur sonst was, braucht absolut kein Schwein. Das neue Album „Solitude In Madness“ ist jedoch glücklicherweise wieder ein regulärer Output, der dem Vorgänger „The Empire“ insofern folgt, als dass man das Ganze spielzeittechnisch erneut sehr kompakt gehalten hat; mit nicht einmal einer halben Stunde Dauer unterbietet die Scheibe sogar noch die vorige Platte. Und doch gibt Peter zu Protokoll, man habe so lange im Studio gearbeitet wie noch nie zuvor an einem Album, was seinen Perfektionismus und seine Ambitionen deutlich vor Augen führt.

Ansonsten geht man noch ein Stück weiter back to the roots und kredenzt eine Scheibe, die vor allem auf schnelle Songs setzt, die rasch auf den Punkt kommen und mit Spielzeiten von zum Teil unter zwei Minuten an Punk oder Grindcore denken lassen. Natürlich aber wird hier old-schooliger Death Metal gezockt, wie man es von den Polen gewohnt ist. Etwas wirklich Neues wird wie fast zu erwarten war nicht aufgetischt, so räumt auch Peter selbst ein, dass sie sich teilweise an ihrem 2000er Album „Litany“ orientierten, aber „natürlich mit besserem Sound“.

Ein bisschen schade vielleicht, wo doch gerade das noch nicht so weit in der Vergangenheit zurückliegende „Tibi Et Igni“ viele interessante Ideen abseits des Todesstahl-Standards beinhaltete, aber selbstverständlich ist das Dargebotene alles andere als schlecht. Technisch sind die Jungs sowieso über jeden Zweifel erhaben, was sich sowohl im ultrapräzisen Drumming und Riffing als auch in einigen exquisiten, halsbrecherischen Gitarrensoli widerspiegelt. Scott Atkins’ Produktion (ja, in dieser Beziehung haben die Jungs tatsächlich mal was Neues gewagt, nachdem sie zuvor stets mit den Wiesławski-Brüdern in deren Hertz Studio zusammenarbeiteten) sorgt für einen klaren und modernen, aber nicht übertrieben sterilen Sound, der die elf kurzen Todesmetall-Eruptionen knackig einfängt.

„Shock And Awe“ ist ein recht passender Titel für das Eröffnungs-Gemetzel, bei dem es mit Doublebass und In-your-face-Klampfen sofort brutal zur Sache geht. Der Übergang zum ebenfalls sehr flotten „Into Oblivion“ ist nahtlos – das erste Mal halbwegs durchschnaufen kann man erst bei „Incineration Of The Gods“ (Pluspunkt für den Titel), das mit deutlich mehr Groove um die Ecke walzt, während das folgende „Sancitification Denied“ ein paar Rhythmuswechsel zu verzeichnen hat und deswegen ein wenig vertrackter als das Gros des restlichen Materials wirkt. Die beiden letztgenannten Stücke gehören mit jeweils dreieinhalb Minuten Länge im Übrigen schon geradezu zu den Longtracks des Albums, ähnlich wie das bockstarke und relativ abwechslungsreiche „And Satan Wept“ sowie die Abschlussnummer „Bones“, welche zunächst schleppend beginnt, bevor in der zweiten Hälfte dann aber auch hier wieder kräftig das Gaspedal bemüht wird.

Lyrisch wird wieder einmal das Thema „Mensch und Technologie“ durchgekaut und wie wir durch soziale Abstumpfung und die vielen Maschinen, die uns umgeben und von denen wir uns abhängig gemacht haben, immer einsamer werden – daher auch der Albumtitel. Auch wenn da was dran ist – irgendwie nervt die Leier langsam ein wenig, weil jeder Musiker meint, sich dieser Thematik immer und immer wieder annehmen zu müssen; als wenn es keine anderen spannenden Themen mehr geben würde.

Insgesamt ist „Solitude In Madness“ ein kompositorisch grundsolides Vader-Album, das in der Mitte seine besten Momente hat und exzellent produziert und performt wurde, auch wenn ich nie ein großer Fan von superkurzen Alben mit EP-Länge sein werde. Zumal es sich bei „Dancing In The Slaughterhouse“ um ein Cover der ebenfalls aus unserem Nachbarland stammenden Acid Drinkers handelt und die Songs „Despair“ und „Emptiness“ bereits auf der „Thy Messenger“-EP vom letzten Jahr zu finden waren. Gerade letzteres ist mit seinen fantastischen Sololicks und dem geilen, thrashigen Riffing eines der klaren Highlights der Platte. Das ist alles in allem zwar ein bisschen wenig wirklich neues Material, aber hauptsächlich zählt schließlich Qualität vor Quantität und wen so etwas ohnehin nicht stört und außerdem keine großen Innovationen braucht, sondern schlicht schön knallenden Death Metal, kann – wie bei Vader eigentlich ja immer – problemlos zuschlagen.

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