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VA: Wir müssen hier raus – Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser

Eine Hommage, die ihren Namen zu Recht trägt
Wertung: 9/10
Genre: Punk, Rock, Indie, Pop
Spielzeit: 78:43
Release: 20.11.2020
Label: Unter Schafen

Wenn es darum geht, der einflussreichsten deutschen Punkrockband der Siebziger Tribut zu zollen, kann man sich kaum einen Grund vorstellen, die Einladung auszuschlagen. Und so kamen sie alle: Beatsteaks, Fehlfarben, Slime, Fettes Brot, Wir Sind Helden – ein bunter Querschnitt durch die deutschsprachige Popkultur, garniert mit einer hübschen Vinylveröffentlichung, und fertig ist „Wir müssen hier raus – Eine Hommage an Ton Steine Scherben und Rio Reiser“.

Zusammengekommen sind 21 Songs, darunter Originale von den Scherben und Reiser selbst, sowie eine ganze Latte unveröffentlichter Coverversionen, unter anderem eine Hammerversion des Klassikers „Jenseits von Eden“ von Erregung öffentlicher Erregung (allein mit dem Namen sollte man es auf jeden Sampler zum Thema deutschsprachige Musik schaffen). Bunt gemischt springen die Tracks zwischen Punk, Rock, Indie und sogar New Wave/Electropop und bieten damit ein grandioses Potpourri. Auch einige Überraschungen werden auf „Wir müssen hier raus“ abgebildet: Da ist die absolut fesselnde Pianoversion von „Der Krieg“, vorgetragen von Rio Reiser himself; die altehrwürdigen Fehlfarben prügeln sich punkig verrotzt durch „Nicht nochmal“; und selbst wer kein Fan von Wir Sind Helden ist, muss eingestehen, dass Judith Holofernes die Liveversion von „Halt dich an deiner Liebe fest“ mit viel Leidenschaft darzubringen versteht.

Die Sterne können dann zwar „Wenn die Nacht am tiefsten“ nicht ganz so überzeugend darbieten, was vor allem am Autotune liegen mag (obwohl der Song nach einiger Zeit eine gewisse Anziehungskraft auszuüben vermag), damit stehen sie aber nicht alleine da: Ausgerechnet dem Übersong „Mein Name ist Mensch“ wird dann von Das Bierbeben-Sängerin Julia nicht wirklich Rechnung getragen, zu dünn kommt ihr Stimmchen durch die Boxen – schade, denn gerade „Mein Name ist Mensch“ gehört sicherlich zu den bekanntesten Stücken von Ton Steine Scherben. Auch die Wahl auf „Für immer und dich“ gestaltet sich ein bisschen fragwürdig, ist aber auch Geschmackssache: Jan Delay gehört zweifelsohne zu den bekanntesten deutschen Musikern, die Stimme ist und bleibt aber äußerst gewöhnungsbedürftig.

Großartige Coverversionen werden aber unter anderem von Fettes Brot dargeboten, die sich an einer groovigen Version von „Ich bin müde“ versuchen, „S.N.A.F.T“ bekommt durch die Kollegen von Beatsteaks noch mal einen richtig punkigen Dreh und was Ken mit seiner leicht nöligen Version von „Wir müssen hier raus“ nicht schafft, das gelingt dann der 23-jährigen Lina Maly im „Zauberland“: Gänsehaut pur zu verschaffen. Mit sehr reduzierter Instrumentierung kommt die Stimmung der jungen Sängerin optimal zur Geltung und verpasst dem Song ein völlig neues Gesicht, das den Text nur umso eindringlicher widerspiegelt.

Viele unterschiedliche Künstler und Stile versammeln sich auf „Wir müssen hier raus“, geblieben ist der Geist von Ton Steine Scherben und Rio Reiser. Textlich über alle Zweifel erhaben, entfalten die Songs auch ohne die markante Stimme des Fronters einen unfassbaren Sog, der teils gerade durch moderne Interpretationen noch verstärkt wird. Jeder Fan der Band sollte diese Veröffentlichung sein Eigen nennen, ebenso jeder, der sich für die Einflüsse der deutschen Musikszene interessiert – sei es Pop, Punk, Rock oder Electro.

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