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V.A.: Virus World Radio – Best of Germany's Next Top Band Vol. 2

Für kleines Geld kann man schon mal zugreifen
keine Wertung
Genre: Heavy Metal bis Metalcore
Spielzeit: 76:39
Release: 09.12.2016
Label: Roll The Bones Records

Underground-Sampler haben immer einen ganz besonderen eigenen Charme, sind aber leider häufig auch überflüssig, da irgendwie alles im weltweiten Netz auch so zur Verfügung zu stehen scheint. Wenn dann wie hier auch nur bedingt ein Hauch von Exklusivität zu vernehmen ist, wird es eher schwer, die CD an den Mann zu bringen, was nicht als Goodie oder Give-away durchgeht. Auf der anderen Seite kann man sich natürlich auch locker für kleines Geld durch das Rooster von Roll The Bones Records und darüber hinaus hören – Aufgeschlossenheit für die Bands aus der zweiten oder dritten Reihe sollte da schon Grundvoraussetzung sein.

Als Opener kommt die Bielefelder Ein-Mann-Show Metalmind mit der Nummer „Nevermore“ vom zweiten Studioalbum „Destiny“ (2015) daher. Leicht hymnischer Heavy Metal ohne große Ecken und Kanten, dafür mit sachter, nur kurz etwas opulenterer Keyboard-Begleitung und schickem Klampfensolo tönen dort aus der Stadt, die es laut der Bielefeldverschwörung nicht gibt. Schon auf Vol. 1 an gleicher Stelle waren Greydon Fields aus Essen vertreten: War es damals noch „Us Or Them“, so liefern sie nun das „Hellfire“ aus und bedienen sich erneut ihres Debüts „The God Machine“ von 2015. Heavy Metal mit nur sanft angedeuteter thrashiger Schlagseite und einem latenten Grave Digger-Unterton macht Laune auf mehr, zumal auch die Produktion schön druckvoll ballert. „We Are The Force“ der modernen Power Metaller Ignition aus Duisburg gehört ganz sicher zu den Mitsinghymnen und wurde schon anlässlich der gleichnamigen 2016er EP ausführlich gelobt und gewürdigt. Die EP selbst ist nicht mehr im Handel, haben die Duisburger die Songs doch auch auf ihrem Debütalbum „Guided By The Waves“ verbraten (welches so ganz nebenbei auch auf Vinyl auf ftwctp Records erschienen ist).

SinForce aus Mettmann frönen dem Power Metal und kommen ebenfalls als Ein-Mann-Projekt von Andreas Leyer (ex-Age Of Rebellion) daher. Seine Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert, ist aber dafür auch gewöhnungsbedürftig, der Song selbst treibt schön an und dürfte Genre-affinen Fans gut ins Blut gehen. BloodVale aus Bünde stecken soundtechnisch noch in den Demoschuhen, thrashen aber riffreich mit einigen Moshparts und deuten ihr leicht amerikanisiertes Potenzial an, schöpfen es aber hier noch nicht ganz aus. Wer mehr vom BloodVale-Stoff braucht, findet diesen auf der 2015er Demo „Battle For Metal“. Die mittlerweile nicht mehr existenten Larceny aus Unterstadion in Baden-Württemberg – März 2017 schmiss man das Handtuch – haben drei Full-Length-Eisen am Start und koppelten von dem dritten Scheibchen „Into Darkness“ den Titeltrack aus. Melodic Death, der eingängig und fast schon hymnisch gerade durch den Bläser-artigen Sound im Hintergrund bombastisch daher kommt, perlt sich aggressiv in die Hirnwindungen und gehört zu den ausgereiften Songs der kompletten Compilation.

Regelmäßige LeserInnen unserer Web-Postille sind sicherlich auch schon über die Krefelder Sunchair gestolpert. „More“, gleichzeitig auch Opener auf dem neuen „Malum“-Full-Length-Album, wuselt durch das Modern Metal/Neo-Thrash-Dickicht und beweist, dass unangepasst neue Ideen auch heute noch machbar sind – Weltklasse. Genauso wenig angepasst sind auch die Siegburger Groove Thrasher Sober Truth mit ihrem Song „Black Demon“ – natürlich keine Running Wild-Adaption. 2014 hatten sie die Nummer schon auf ihrer EP „New Slavery World“ verbraten, wobei neben der thrashigen Durchschlagskraft gerade die Stimme von Gitarrist und Sänger Torsten das Alleinstellungsmerkmal unterstreicht. Exklusives Material steuern die aus Lohmar kommenden Ghost Empire bei: „Death And Despair“ ist eine von zwei im Netz herumgeisternden Nummern, die locker zwischen Hardcore-Attitüde und Thrash-Feeling pendelt und sogar vor leichten Grind-Einflüssen (was den Gesang betrifft) nicht Halt macht – vielleicht noch ein bisschen zu stumpf, aber der Fingerzeig ist schon auf hab Acht gestellt.

Aus Herne poltern About To Explode mit „Fallacy“ im Bereich Rock/Metal/Alternative und sind somit der bisherige Ausreißer auf dem Sampler. Gesanglich ist sicherlich noch ein wenig Luft nach oben, aber der Pott scheint hier wieder ein bisschen an rockiger Eigenständigkeit dazuzugewinnen. Hardrockiges mit Down Under-Atze-Datze-Rotze-Boogie ist anschließend bei Part Of The Crowd zu hören. Frontmann Martin hat entweder naturgemäß ein Reibeisen in der Kehle oder schleift mit reichlich Whisky nach, der Sound ist natürlich nicht selbstständig, dafür naturbelassen cool. Mit The Desert Company bleiben wir im tiefsten Ruhrpott, nämlich Bochum. Hard Rock im oberen Spitzensegment mit orientalischer Note und gediegen abwechslungsreichem Arrangement geht hier gleich als Anspieltipp durch. Die ebenfalls aus Bochum kommenden Lyra's Legacy führen mit dem Tastenintro zuerst in die falsche Gothic-Richtung, sind aber knietief mit (melodischem) Metal der Marke Axel Rudi Pell verhaftet, allerdings spätestens gesanglich noch meilenweit vom Vorbild entfernt.

Aus dem bergischen Wuppertal kommen die Symphonic Metaller Diversity Of Darkness mit „Never Surrender“ von der 2015er Debüt-EP „Spawn“ daher und mischen Growls mit opernhaftem Gesang; der nicht unüberhörbare Folk-Einsatz mit Flöten ist natürlich nicht jedermanns Sache, passt hier aber ganz gut ins Konzept (die Flötenmelodei erinnert dabei auch an eine Sequenz aus der Star-Wars-Saga, wenn die Ewoks die gewonnene Schlacht feiern).

Keine leichte Kost bieten auch die aus dem westdeutschen Frankfurt kommenden Sympheria, die namensgerecht mit symphonischem Metal ihre ersten Gehversuche unternehmen. Bombast, drückende Gitarren, der Anfang geht da schon voll in Ordnung, doch rund in der Summe klingt anders, auch wenn zum Refrain hin die eingängige Richtung wieder stimmt. Mohito Royal – was ein geiler Name – rocken punkig mit reichlich Siebziger-Esprit mit ihrem fast schon minimalistischen „Devil Inside“, Kreuzversuch dagegen bedienen am Schluss eine ganz andere Ecke: Goth-Electro-Rock – der Stilbruch auf der CD schlechthin, für Genrefans vielleicht essentiell, doch selbst für Germany's Next Top Band dann doch ein Griff ins Synthie-Klo.

Eine schöne Übersicht für alle, die sich mit vorwiegend Bands aus Nordrhein-Westfalen befassen wollen, die noch weit weg sind vom Sprung an die Spitze, aber eben auch immer wieder mehr als deutlich Potenzial aufblitzen lassen. Kann man für kleines Geld gerne immer wieder mitnehmen, dann hat man auch Kurzweil im Auto.

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