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V.A.: Imperative Music Volume XI

Lohnenswerte Zusammenstellung
Wertung: -/10
Genre:
Spielzeit: 76:24
Release: 01.10.2016
Label: Imperative Music

Regelmäßig hauen Imperative Music ihre Sampler heraus und haben weder Genre-technisch noch bei Ländergrenzen eigene Sperren im Kopf – es wird drauf gepackt, was gefällt, womit auch ein sehr schöner Überblick der Underground-Szenen wie hier in Brasilien, Japan, Italien, Belgien, der Schweiz, Kanada und Australien entsteht.

Den Anfang liefern die BrasilianerInnen von Semblant, die mit „Dark Of The Day“ einen Track von ihrem mittlerweile zweiten Studioalbum „Lunar Manifesto“ von 2014 beisteueren. Metal Archives spricht zwar von Gothic Metal, drin ist aber eher symphonischer Metal mit teilweise brachialen Riffs und derben Growls, die ganz im Sinne von Epica auch mit sauberem Klargesang ausgekontert werden – starke Nummer mit definitivem Gänsehautfaktor. Undead Vision langen anschließend mit „U.F.O.“ und trockenem Death Metal hin, der auch ein paar Spuren Thrash Metal intus hat. Der Song selbst kommt vom Debütalbum „Modern Slave“, ist eher im Midtempo mit fein heruntergestimmten Klampfen gehalten und fast schon minimalistisch. Zurück nach Brasilien und A Sorrowful Dream: Die zuerst zarte Akustikklampfe führt natürlich auf falsche Pfade, doomiger Death mit einigen Gothic-Anleihen bahnt sich den Weg und baut schon durch den gesprochenen Part zu Beginn reichlich Spannung auf. Geschmackssache natürlich, wie Éder zwischen kehlighohen Growlscreams und Klargesang der Marke Unheilig pendelt, während die Klampfen ein fast schon chaotisches Gewitter auf's Tableau zaubern.

Guilty As Charged kommen aus Belgien und steuern den Titeltrack ihres 2014er Debüts „Leap Of Faith“ bei. Heavy Metal mit ordentlich melodischer Thrash-Kante ist zu vernehmen, der Gesang, der sich live ein wenig zu sehr an Hetfield orientiert, ist klar und von wenig Aggression geprägt, die Hauptlast trägt hier eh die stimmige Leadgitarre, da macht man nichts falsch. Auch die fünfte Band auf der Compilation kommt aus Brasilien: Eyes Of Gaia. „Heart Never Lies“, so die Nummer, die auf deren ersten Full-Length heimisch ist, sortiert sich in den klassischen Heavy Metal mit ordentlicher Double-Bass-Power ein, der Sänger hat es mal wirklich drauf und dürfte auch jeder richtig guten US-Metal-Band gut Gesicht stehen. Metalisierter Hard Rock dröhnt bei Game Zero aus den Boxen. Wenig bissiger Gesang, der dazu gedoppelt ist, begleitet eine nette Klampfenmelodie, das Riffing aber bleibt im Standard stecken, was insgesamt dann auch bedeutet, dass man mit „The City With No Ends“ nicht wirklich viele Blumentöpfe absahnen kann.

Hardcore, da fühlen sich Public Menace aus Japan wohl, wobei sie in „Nightmare Chillin“ auch gerne ein paar Death-Metal- und Grindcorescreams einbauen, Gitarren-technisch Genre-standardisiert dann doch zu stumpf bleiben, dafür ein paar fette Gangshouts am Start haben und auch vor Downbeats nicht zurückschrecken. Die kanadischen Disgust sollten Brutal-Death-Metal-Fans auf der Pfanne haben. Gitarrensound wie bei alten Razor, dazu derbe Vocals und stumpfe Dauerwiederholung voller Aggression und Blast-Beat-Parts und zu dumpfer Produktion lassen trotzdem bei „Atheism Overcame Adversity“ aufhorchen. Zurück in Europa bei den italienischen Haniwa geht es dann wieder ein bisschen ruhiger, allerdings nicht wirklich beschaulicher zu. Grooviger Thrash mit immer wieder langgezogenen Vocals und eingängigem Arrangement findet man in „Haniwa“ vom Debüt „Helleven“ – sehr gefällig, aber eben nicht auch wirklich zwingend.

Auf zu neuen Kontinenten, Australien und Fragmenta sind an der Reihe. Grooviger Neo-Thrash mit entsprechender laut-leise-Dynamik bei „Repository Of Human Ills“ ist dran, wobei sie lange den entsprechenden Punch vermissen lassen und sich im ruhigeren Fahrwasser verirren, nur um nach der gefühlten Songhälfte dann doch Wind in den Segeln einzustreichen. Wild One aus Japan machen mit „Crawl Through Illusions“ weiter. Proggiger, Keyboard-dominierter Power Metal mit gewöhnungsbedürftiger Phrasierung beim Gesang – hier drückt sich wohl die Heimat durch – und sachter hymnischer Grundausrichtung lassen positiv verwundert die Augenbrauen hochziehen. Several Eyes aus erneut Brasilien frönen mit „Final Front“ klassischem Heavy Metal, beim Gesang ist noch reichlich Luft nach oben, vor allem, wenn die Backgroundchöre eher für Zahnschmerzen denn für absolutes Headbang-Wohlgefühl sorgen.

Die Eidgenossen haben es drauf. KOAN mixen Hardcore und Thrash Metal und kreieren durch den eigenartigen Gesang eine schöne „It Is Right“-Crossover-Mixtur über die Genregrenzen hinaus, DevilSin dagegen aus Brasilien sind nicht ganz so wagemutig und bleiben mit „Hell To Pay“ beim Heavy Metal, der eben auch unspektakulär ohne passende Achtziger-Attitüde auskommt und von unzähligen Bands genauso uninspiriert im Proberaum gezockt wird. Schlecht produziert zwar, was die Brasilianer Soulthern mit „Runaway“ da abliefern, aber Gitarren-mäßig treffen sie sicherlich  mit ihrem speedigen Heavy Metal auf breite Zustimmung, der Gesang geht dabei ein wenig zu sehr in die Stormwitch/Living Death-Ecke und ist dabei nicht wirklich prall, da rettet dann auch nicht mehr das prima Gitarrensolo.

Basilisk holen die schwarze Grobkelle heraus und bolzen mit „In Most Septile“ gar nicht mal so monoton mit tiefen blackmetallischen Vocals wie ein Tsunami – kurzweiliger Abriss mit reichlich Tempowechseln. Das Finale der Compilation ist dann wieder in brasilianischer Hand. Den Auftakt liefern Cursed Comment, die mit „Cannibal Attack“ Thrash (Annihilator lassen grüßen) und Death Metal mischen und einen Sound auffahren, den sonst noch nicht einmal Demobands auf der siebten Kassettenkopie hinbekommen – schade. Confinement dagegen kommen allein schon wegen der gelungeneren Studioarbeit besser an. Death Metal, grooviger Thrash Metal und eine teilweise entnervend agierende Gitarre sorgen für einen sehr individuellen Sound – mehr davon.

Weltenbummler, Allessammler, sich die Szene weltweit Draufschaffende haben sicherlich reichlich Spaß an dieser Zusammenstellung, man muss sich eben nur trauen, einmal mehr auch verschiedenen Genres gegenüber offen zu sein. Lohnt sich, weil schön abwechslungsreich, da findet man für sich sicherlich die ein oder andere neue Perle, ohne ständig auf YouTube herumzupendeln.

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