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VA: Brutal Vision Sampler Vol. 4

Dystopisches Geballer Vs. utopische Melodien
keine Wertung
Genre: Heavy Metal, Death Metal, Thrash Metal, Metalcore, Modern Metal
Spielzeit: 72:40+75:42
Release: 26.11.2021
Label: Noizgate Records/Deafground Records

Vier scheint die Zahl der Stunde zu sein: Vier Jahre ist es her, dass der letzte Brutal Vision Sampler, Nummer drei nämlich, auf die Menschheit losgelassen wurde, gezündet vom Bielefelder Label Noizgate – da erscheint es nur folgerichtig, dass dieser Tage die vierte Auflage für die Fans der härteren Gangart bereit gestellt wird. Zwei CDs gibt es auch diesmal wieder, mit dabei sind alte Bekannte wie All Will Know, Burden Of Life, The Tex Avery Syndrom oder GRAI, thematisch widmen sich die Musikschaffenden dem Gegensatz der Dystopie/Utopie, was zur derzeitigen Weltlage sicherlich ganz gut passt. Damit die alten Hasen hier nicht alleine die Lorbeeren einheimsen, können auch Label-Neulinge wie die Bochumer Thrasher Cerebral Invasion auf sich aufmerksam machen – Noizgate haben sich wie gewohnt um einen abwechslungsreichen Mix bemüht.

Eine dystopische Platte muss naturgemäß mit Mir zur Feier beginnen, deren Fronterin Mara sich für das Cover wechselweise als Mad Maxine und Hippiemädchen präsentiert – gewöhnungsbedürftig startet „Totentanz“ den munteren Reigen, das vor allem beim klaren Gesang kränkelt; dystopisch, allemal. Die Finnen Leechcraft können dann den ersten Anspieltipp vermelden, auch wenn von „Slam Death Metal“ hier trotz imposanten Growls wenig zu hören ist. Dafür fährt die Truppe eine groovige Modern-Death-Schiene, die im Refrain mit erstaunlich Crossover-lastigem Klargesang veredelt wird.

Die Polen Drown My Day sind jetzt nicht unbedingt für ihre Experimentiertfreude bekannt, halten auf der neuen „Brutal Vision“ aber tapfer die Deathcore-Fan hoch und bilden damit neben Old-School-Hasen wie den Bielefeldern Charger einen ordentlich stampfenden Kontrast. Wer etwas moderneren Sound sucht, ist bei „Rabbit In My Head“ von Restructive sicherlich mehr als gut bedient, und überhaupt scheint gerade gegen Ende der ersten Platte ein Hochkaräter den anderen zu jagen: Die Frankfurter The Tex Avery Syndrome mit ihrer fantastischen Sängerin Laura ballern mal quasi aus dem Stand alles nieder, grooven dabei wie die Hölle und punkten vor allem auch mit treibenden Gitarren; im direkten Vergleich kommt das folgende „Judas“ der Modern Metaller Sudden Decay zwar etwas zäher, aber deutlich monolithischer daher, zumal hier vocaltechnisch zwischen melancholischem Klargesang und superfiesem Gekeife gependelt wird, unterfüttert von fetten Gitarren.

Groovetechnisch können die Österreicher Psycho Toaster da voll und ganz mithalten, gewinnen zudem noch den Gummibaum für den besten Bandnamen der Compilation und ein Anspieltipp-Sternchen für schön trockenen Stoner Rock mit einem Sänger, der im Refrain unfassbare Assoziationen an Pete Steele weckt – passender kann man eine Dystopie gar nicht stimmlich untermalen.

Deutlich blumiger startet die Hippie-Seite dann mit Flötenmelodei und den russischen GRAI mit ihrem Übertrack „Song Of Dead Water“, den aufmerksame Hörer bereits von der 2017er Platte „Ashes“ kennen dürften – der Song hat auch vier Jahre nach Veröffentlichung nichts von seinem mitreißenden Charme verloren und sollte zur Feier des Tages definitiv noch ein paar Mal durch die Playlist gejagt werden. „Forging The Cataclysm“ atmetet dann gar Achtzigerfeeling mit recht klassischem Melodic Heavy Metal und einer Sängerin, die man durchaus zu den angenehmeren Stimmen des Genres zählen kann, aber nicht so richtig Spannung in die Sache zu bringen vermag (Geschmackssache, ick hör dir trapsen). Auch die Kölner Disrotted haben für den geneigten Geschmack etwas zu viel klassischen Heavy Metal geatmet, da können die Regensburger alqemiste doch mit derben Breakdowns schon etwas mehr punkten, auch wenn man den Klargesang bei Abwesenheit jetzt nicht unbedingt vermisst hätte.

Endeavour hatten ihre Scheibe „Island Of Sirens“ erst im Mai veröffentlicht und dürfen hier dann den Titelsong beisteuern, der schon bei der Besprechung der Platte ordentlich punkten konnte. Den gierig flirrenden Gitarren sowie dem manisch-hysterischen Geschrei kann man sich eben nur schlecht entziehen – da spielen die Berliner selbst die besungenen Sirenen. Thematisch bleiben wir mit „The Ocean“ von Exposed To Noise bei der Nautik, wobei hier verstärkt Modern Metal geboten wird; gar nicht mal unspannend, vor allem im Refrain mit cleveren Arrangements und interessanten Vocals versehen, wobei man die Samples eine Spur dezenter hätte halten dürfen. Nichtsdestotrotz kann man hier wieder einen Anspieltipp markieren, der sich gewaschen hat.

Sehr viel ungeschliffener als die Genrekollegen GRAI, dafür trotzdem irgendwie charmant, kommt Nemoreus‘ „Mountain High“ daher, das vor allem im Refrain zum Tanze einlädt ohne sich allzu klischeehafter Arrangements zu bedienen. Traditionell verstecken die Labelmenschen ja gerne einen Nicht-Metaltrack auf dem Sampler – was bei der dritten Ausgabe noch Debby Le Pard ausführen dürfte, wird dieses Mal von der Britin Nika Timos erledigt, die mit Lolitastimme und Electrosamples zwar kein Highlight landen kann, aber einen überaus tanzbaren Song präsentiert.

Leichte Affinitäten zur Dystopie und deren hier vorstellig gewordenen Musikern mögen auffallen, prozentual kann die erste Scheibe des „Brutal Vision Vol. 4“-Samplers in jedem Fall mit deutlich mehr Anspieltipps aufwarten. Dafür hat man diesmal deutlich besser durchgemischt, waren noch beim letzten Sampler auf CD Nummer eins gefühlt mehr Core-Bands gelandet. Die vierte Ausgabe bietet ohne Zweifel wieder einen spannenden Ritt durch die Gefilde des Metal und Rock, man kann sogar einige Perlen entdecken, sei es im niederkommenden Staub des Fallout oder zwischen den bunten Blümchen auf der grünen Wiese.

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