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Uriah Heep: Outsider

Es fehlt an wirklich zündenden Hits
Wertung: 7/10
Genre: Classic Hard Rock
Spielzeit: 50:41
Release: 06.06.2014
Label: Frontiers Records (Soulfood)

Erst im letzten Jahr hatte die Rocklegende Uriah Heep einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen, als ihr Bassist Trevor Bolder am 21. Mai 2013 seinem Bauchspeicheldrüsenkrebsleiden erlag – es war nach Gary Thain († 1975) und David Byron († 1985) insgesamt der dritte Todesfall eines Mitglieds in der Geschichte der Band.

Wer aber nun gedacht hat, dies würde die englische Truppe dazu veranlassen, das Handtuch zu werfen, sieht sich getäuscht: So bitter es sich anhört, aber nach so vielen Jahren muss man irgendwann eben leider mit solch schmerzlichen Verlusten rechnen und Heep haben sich offenkundig zum Ziel gesetzt, sich nicht davon aus der Bahn werfen zu lassen. Vielmehr wartet man in Form von „Outsider“ mit dem bereits 24. Studioalbum auf (am Bass ist nun Dave Rimmer zu hören), welches allerdings bedauerlicherweise nicht an das Niveau der beiden bisher in diesem Jahrtausend veröffentlichten Studioscheiben („Wake The Sleeper“/ 2008 und „Into The Wild“/ 2011) anknüpfen kann. 

Mit jenen Platten hatten die Hard Rocker bewiesen, dass sie trotz nicht mehr taufrischen Alters keineswegs zur Tattergreis-Brigade gehören, sondern noch sehr gut wissen, wie man amtlich rockt. Nachdem Deep Purple im letzten Jahr in Form von „Now What?!“ eher mäßig überzeugten (auch wenn ein Großteil der Kritiker dies anders sehen mag) und Black Sabbaths „13“ dank verhunzter Rick-Rubin-Produktion auch nicht unbedingt Bäume ausriss, ziehen die Altrocker-Kollegen von Uriah Heep in Sachen mäßiger neuer Output aber nun dummerweise nach.

Natürlich rührt dieser Eindruck nicht daher, dass auf „Outsider“ keinerlei Neuerungen, Experimente oder sonstige Überraschungen zu finden wären – wer das nach 23 Alben noch erwartet, glaubt wohl auch an den Osterhasen und den Weihnachtsmann. Der Fan bekommt im Prinzip eine typische Heep-Platte vorgesetzt, mit wummernden Hammond-Orgel-Teppichen, Harmoniegesängen und vielen Melodien – allerdings kann das Songwriting nicht stetig überzeugen, irgendwie fehlt, gerade verglichen mit dem direkten Vorgänger, oftmals der Esprit und die letzte Durchschlagskraft.

Dabei geht es mit dem Opener „Speed Of Sound“ wirklich gut los; die von Ferne heranrollende Orgel versetzt einen gleich in die richtige Stimmung und die anschließenden Riffs und Melodien tönen frisch und machen Laune. Das sich anschließende „One Minute“ (für das sogar eine deutsche Version aufgenommen wurde) beginnt ebenfalls vielversprechend, das melancholische Pianointro ist mal was ganz anderes und könnte Auftakt für eine richtig ergreifende Ballade sein, doch weit gefehlt: Ein sehr harscher und letztlich misslungener Break lässt die Nummer schnell zum Standard-Rocker mutieren. Schade, da wäre mehr drin gewesen!

Bei „The Law“ ist der Refrain dann an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten, lediglich die sehr Heep-typischen „Ohoho“-Gesänge, die hier tatsächlich sehr gut platziert wurden, reißen es noch so ein bisschen raus. Genauso „Is Anybody Gonna Help Me?“, das zweifellos seine Momente hat und mit seinem episch angehauchten Midtempo durchaus zu gefallen weiß – aber auch dieser Chorus ist nun wahrlich nicht die Wucht in Tüten.

Uriah Heep haben auf „Outsider“ eine ganze Latte von Stücken, die zwar irgendwo zu gefallen wissen, denen aber am Ende des Tages doch die letzte Überzeugungskraft fehlt. Zu den genannten gesellt sich beispielsweise noch „Jessie“ hinzu, das zwar wiederum einen recht brauchbaren Refrain, der sich gut im Gehörgang einnistet, sein Eigen nennt, aber Leute – der Anfang klingt ja fast wie ein Aufguss von „Smoke On The Water“! Das soll jetzt wohl hoffentlich ein Scherz sein! Ein weiteres Exempel ist auch „Looking At You“, das das Dilemma des gesamten Rundlings ganz gut zeigt: Die einen werden den Refrain dieses Tracks hymnisch und Mitsing-kompatibel nennen, für die anderen ist das wohl schon zu viel Tralala.

Will heißen, es kommt auch auf die Perspektive an, mit der man an „Outsider“ herangeht: Gemessen an der eigenen Vergangenheit und den vielen Großtaten, die sich in der Heep-Diskographie tummeln, ist das sehr wenig, für sich als Rockalbum ist das Ganze aber immer noch okay, zumal – damit hier nicht der Eindruck einer total miesen Platte entsteht – erwähnt sei, dass „Rock The Foundation“ tatsächlich einen ganz guten Mitsing-Chorus besitzt und der flott preschende Titelsong sowie „Can’t Take That Away“ sehr schön grooven. Des Weiteren ist die Produktion knackig, aber nicht zu modern ausgefallen (das würde der Combo auch nicht gut zu Gesicht stehen) und Bernie Shaw singt weiterhin sehr überzeugend. Doch wie man es auch betrachtet: es fehlen die wirklich zündenden Hits. Und das war noch auf der vorigen Langrille auf jeden Fall anders. Weil man der Scheibe jedoch nicht absprechen kann, dass sie irgendwo trotzdem ganz gut rockt, sind mit knapper Müh und Not noch sieben Punkte drin.

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