Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Uriah Heep: Living The Dream

Starkes Alterswerk, das einfach Spaß macht!
Wertung: 8,5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 52:26
Release: 14.09.2018
Label: Frontiers Music

49 Jahre gibt es Uriah Heep nun schon und mit „Living The Dream“ erscheint das nunmehr 25. Studioalbum der englischen Hard-Rock-Legende. Im Vergleich zum unfassbaren Output von Frank Zappa zwar noch vergleichsweise wenig, am allgemeinen Standard gemessen aber natürlich absolut beeindruckend, noch dazu wenn man bedenkt, dass die Band zwischen 1998 und 2008 kein neues Material veröffentlicht hatte. Wahrscheinlich werden die Briten noch rocken und zocken, wenn die ganze Welt zur Hölle fährt, und selbst die zähesten Kollegen aus der Szene überleben.

Das Schöne an der ganzen Sache ist, dass die alten Herren immer noch Relevanz besitzen, spürbar Freude am Musikmachen haben und nicht irgendwelchen halbgaren Plunder herausbringen, nur um die Rentenkasse aufzufüllen. Sicherlich ist auch Heep bewusst, dass die besten Zeiten vorbei sind, doch hat man stets das Gefühl, dass sie das gar nicht kümmert – wenn man sich nicht ständig Gedanken darüber macht und in Nostalgie schwelgt, entsteht wohl auch besseres Songmaterial, als wenn man sich selbst immer nur an der eigenen glorreichen Vergangenheit misst.

So macht auch „Living The Dream“ wie schon die drei zuvor in diesem Millennium veröffentlichten Alben jede Menge Spaß und klingt frisch und unbekümmert. Genauer gesagt, macht es sogar noch mehr Laune als das 2014 erschienene „Outsider“, das zumindest nicht ganz so zwingend war – das Songwriting ist wieder auf einem höheren Niveau angesiedelt und zündet einfach besser.

Der Opener „Grazed By Heaven“, den die Rockopas vorab vorstellten, konnte bei den meisten Fans kräftig Punkte einsammeln und ließ auf einen starken Output hoffen. Mit Schmackes tönt die Nummer aus den Boxen und fegt mit ihrem unwiderstehlichen Drive die abermals nicht dolle letzte Purple-Platte mit einem Wisch davon. Natürlich erfindet sich die Formation dabei mitnichten neu, es gibt inklusive hymnischem Refrain mit Mehrstimmigkeit und wummernder Hammondorgel im Gegenteil alle Trademarks auf dem Silbertablett serviert, doch genau das wollen die Leute hören und wenn man es gut macht, ist die Hard-Rock-Welt ja auch völlig in Ordnung. Beweisen muss diese Band nun wirklich niemandem mehr etwas.

Der folgende Titeltrack spielt sich dann in eher schleppenden Regionen ab und glänzt insbesondere im groovigen Breitwand-Chorus (einmal mehr der größten Pluspunkt) mit ordentlich Bombast – ein Begriff wie „episch“ mag überstrapaziert sein, passt hier jedoch einmal mehr wie Arsch auf Eimer, vor allem auch beim feierlich mit Kirchenorgel ausklingenden Endpart. Bei der Instrumentalpassage in der Mitte indes wird das Tempo angezogen und die Spielfreude der Protagonisten ist quasi greifbar.

Dies ist ohnehin ein auffälliges Merkmal der Platte: Die Herrschaften hatten anscheinend Bock auf ausgiebiges Zelebrieren von Instrumentalparts – und das glücklicherweise niemals so, dass es redundant erscheinen würde. Beim sechsminütigen, mörderisch geil fetzigem „Take Away My Soul“ mit erneutem Killer-Refrain wird in den letzten drei Minuten gerockt und soliert, dass es eine wahre Pracht ist; nicht nur Mick Box an der Gitarre und Keyboarder Phil Lanzon spielen sich hier in einen Rausch, auch Bassist Dave Rimmer tut sich mit einigen supersmoothen Basslicks hervor. Überragende Nummer, die live erst so richtig ihre Wirkung entfalten dürfte.

Auch beim Achtminüter „Rocks In The Road“, der simpel mit einem typischen Rockriff beginnt und einige der bekannten Heep-„Ahaha“-Chöre bietet, wird sich Zeit genommen, wobei der orientalisch angehauchte Instrumentalpart bedächtig aufgebaut wurde und somit weniger Jam-, sondern mehr Prog-Charakter innehat als das erwähnte „Take Away My Soul“ – überflüssig ist allerdings auch hier keine einzige Note.

Das mit Tempowechseln und viel Dynamik ausgestattete „It’s All Been Said“ geht ebenfalls in die progressive Ecke, während „Waters Flowin’“ das Ganze mit luftigen Akustikgitarren und Percussion etwas auflockert und mit seinem balladesken, aber sehr fluffigen Charakter und folkigem Flair die vielzitierte willkommene Abwechslung bietet. Alles in allem ist die zweite Hälfte der Scheibe nicht ganz so stark wie die erste ausgefallen, da „Goodbye To Innocence“ und „Falling Under Your Spell“ nicht ganz diese herausragende Qualität besitzen, doch auch diese kürzeren Nummern sind zumindest mehr als nur Füllmaterial und mit Sicherheit keine Ausfälle. Und das finale „Dreams Of Yesteryear“ markiert einen gelungenen Abschluss – basierend auf einer hübschen Melodie, die in eingängiger Manier am Ende von der Gitarre variiert wird; besser kann man ein Album kaum ausklingen lassen, denn jene kleine Tonfolge will den Kopf anschließend überhaupt nicht mehr verlassen.

Man kann nur ehrfürchtig den Hut ziehen, denn wer hätte gedacht, dass Uriah Heep noch einmal solch eine Leistung abliefern würden? „Living The Dream“ übertrumpft sogar noch die letzten drei guten bis sehr guten Alben und wird in der riesigen Discographie definitiv eine der Platten sein, die man als Fan gerne öfter mal auf den Teller legt, und die sich durchaus mit dem einen oder anderen Klassiker messen kann. Instrumental und spielerisch top, klasse produziert und von Fronter Bernie Shaw gewohnt souverän eingesungen. Muss man haben!

comments powered by Disqus

Erneut eine eindrucksvolle Bewerbung um den Titel „Konzert des Jahres“

Vom pinkfarbenen Cover hin zum Boxen

Das Wandern ist des Metallers Lust

Refuge, Teutonic Slaughter und Kadaverficker beim Saunafest