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Uriah Heep: Into The Wild

Die alten Säcke können's immer noch!
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 52:54
Release: 15.04.2011
Label: Frontiers Records

„Into The Wild“ stellt das sage und schreibe 23. Studioalbum von Uriah Heep dar, wenn man das 2009 erschienene „Celebration“, auf dem sich lediglich zwei neue Stücke und ansonsten anlässlich des 40-jährigen Bandjubiläums zwölf Neueinspielungen alter Klassiker befanden, mitzählt – eine sagenhafte Quote und eine beeindruckende Bilanz. Irgendwie waren Heep – zumindest für meine Begriffe – immer ein bisschen so etwas wie die „kleineren Brüder“ von Deep Purple, wobei der Begriff „klein“ bei einer Formation dieses Kalibers und angesichts von über 30 Millionen verkauften Tonträgern natürlich eigentlich ein Witz ist. Jedenfalls aber lässt es sich nicht leugnen, dass diese beiden Gruppen einige Parallelen aufweisen – wie die quasi omnipräsente Hammondorgel –, obwohl Purple aufgrund klar stärkerer handwerklicher Fähigkeiten immer auch musikalisch noch mehr Möglichkeiten hatten. Das Plus bei Heep und ihre große Stärke waren und sind jedoch stets ihr Gespür für große Melodien (auch nach dem Abgang von Ken Hensley) und der mehrstimmige Gesang.

Diese Faktoren treten auch auf der neuen Scheibe wenig überraschend wieder zu Tage. Der Vorgänger „Wake The Sleeper“ (an dieser Stelle wollen wir „Celebration“ dann doch mal ausklammern) war das erste Album nach einer zehnjährigen Studiopause und transportierte ein eindeutiges „Back to the roots“-Feeling: Klassischer Hard Rock à la Uriah Heep mit knackig-modernem, erfrischendem und dennoch basischem Sound – es war klar, dass man auch anno 2011 wieder dort ansetzen würde. Wer erwartet von einer Band, die nun bald 42 Jahre am Start ist – und bei der mit Gitarrist Mick Box nur noch ein einziges Gründungsmitglied dabei ist – noch riesengroße Innovationen?

So legen die Briten mit „Nail On The Head“ gleich einen saftig rockenden Opener aufs Parkett, dessen Mainriff absolut simpel gehalten ist, aber gleich dazu auffordert, die Matten (sofern beim größtenteils doch etwas älteren Heep-Publikum noch vorhanden) zu schütteln – bei der nächsten Tour ist das sicherlich eines der neuen Stücke auf der Setlist, das sich neben den zahllosen Klassikern nahtlos einreihen wird. Apropos simpel: Man bedenke, dass der größte Hit, „Lady In Black“, auch nur aus zwei Akkorden (A-Moll und G-Dur) besteht – es ist eben immer eine Frage, wie man so was macht.

Bei „I Can See You“ wird dann etwas mehr aufs Gaspedal getreten, der Refrain macht sich gut, und mit dem Titelstück wird ein absolutes Highlight serviert: Der melancholische und dennoch hymnische Chorus ist allererste Sahne und beweist einmal mehr, dass die Rockopas es immer noch drauf haben. Hier zeigt sich eben die Routine von über vier Dekaden; wer bereits derart viele Songs komponiert hat, weiß halt, wie es geht. Sicher, bei anderen Bands ist die Luft irgendwann komplett raus und man denkt sich, die sollten es vielleicht endlich bleiben lassen (ähem, Rolling Stones, hüstel...), aber bei Uriah Heep macht es immer noch Laune, zuzuhören.

Daran hat zweifellos einmal mehr auch Frontmann Bernie Shaw einen großen Anteil. Der Bursche wird dieses Jahr 55 Jahre alt und obwohl er damit immer noch neun Jahre weniger auf dem Buckel hat als Mick Box, ist er damit nun auch nicht gerade mehr ein Springinsfeld – aber Power und Leidenschaft sind zu jeder Sekunde des Albums hörbar. Von den doch recht zahlreichen Sängern, die die Briten hatten, ist der Kanadier Shaw (immerhin auch schon seit 1986 im Line-up) nach David Byron für mich der zweitbeste.

Es mag sein, dass Uriah Heep auf „Into The Wild“ hin und wieder etwas zu routiniert klingen („Money Talk“ und „I’m Ready“ beispielsweise sind schon recht austauschbar, aber völlig misslungen sind auch die nicht wirklich), aber dem gegenüber stehen mit dem wuchtigen Opener, dem überragenden Titelstück, dem mit starken „July Morning“-Anleihen versehenen „Trail Of Diamonds“, dem orientalisch angehauchten „Lost“ oder dem finalen, leicht epische Züge annehmenden „Kiss Of Freedom“ einige richtig geile Nummern. Und selbst ein an sich auch scheinbar sehr kalkulierter Track wie „Southern Star“ macht trotz – oder wahrscheinlich gerade deswegen – seiner standardmäßigen „Ohohoho“-Gesänge einfach Spaß. Ohnehin muss man einfach den Hut davor ziehen, dass diese Band nach so langer Zeit anscheinend immer noch richtig Bock hat und in der Lage ist, sich jede Menge Hits aus dem Ärmel zu schütteln. „Wake The Sleeper“ wirkte nach der längeren Pause zwar einen Tick roher und wilder, aber nichtsdestotrotz zeigen Heep erneut, dass immer noch mit ihnen zu rechnen ist – schlechter als das 2008er-Album ist die neue Langrille jedenfalls nicht, sondern ein durchaus würdiger Nachfolger.

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