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Urfaust: Der freiwillige Bettler

Originelle Combo, originelle Platte
Wertung: 8/10
Genre: Black Metal, Doom, Ambient
Spielzeit: 45:51
Release: 28.01.2011
Label: Ván Records / Soulfood

An Urfaust ist so einiges ungewöhnlich: Ungewöhnlich ist der Name der Band, der – wie man sich denken kann – von Goethes gleichnamigem Werk inspiriert ist, ungewöhnlich ist die Vorgehensweise, deutsche Songtitel, aber niederländische Texte zu kreieren, ungewöhnlich sind die Orte, an denen die Holländer ihre Musik aufnehmen – gerne „bucht“ man aus atmosphärischen Gründen statt richtigen Studios schon mal Kirchen oder Bunker – und (der entscheidendste Punkt): Ungewöhnlich ist auch das musikalische Schaffen der Gruppe selbst. Einordnen lässt sich das Ganze jedenfalls nur schwerlich, man bewegt sich zwischen Ambient, Doom und Black Metal, wobei nicht nur der Sound und die Kompositionsweise, sondern vor allem auch die zwischen verzweifeltem Schreien und elegischem Klargesang pendelnden Vocals viel zur Eigenständigkeit und Originalität beitragen.

„Der freiwillige Bettler“ ist nach einigen Splits und EPs in den letzten Jahren das dritte Full-Length-Album der Niederländer nach dem 2005 erschienenen Werk „Verräterischer, nichtswürdiger Geist“, sowie dem ein Jahr zuvor herausgebrachten „Geist ist Teufel“ – die Jungs haben offenbar eine Schwäche sowohl für doch reichlich abgefahrene deutsche Titel, als auch für Geister und Mysteriöses. Das trägt jedenfalls gut dazu bei, dass die Band eine geheimnisvolle Aura umgibt – ähnlich ihren Landsleuten von The Devil’s Blood, bei denen Drummer VRDRBR (heißt „Verderber“, nur ohne Vokale) bereits als Gastmusiker in Erscheinung trat. Dazu passt außerdem ziemlich gut, dass man sich auch für die neue Platte auf einen Bauernhof beziehungsweise in einen Bunker zurückzog, wie auf der Rückseite der CD zu lesen ist. Der Klang des Albums ist dadurch tatsächlich irgendwie anders als auf Alben, die standardmäßig im Studio aufgenommen wurden, ziemlich rau, mit Ecken und Kanten versehen und sehr erdig, aber dennoch durchschlagskräftig und vor allem wesentlich bassbetonter als die meisten anderen, traditionell höhenlastigen Produktionen des Genres.

Vom ersten bis zum letzten Track zieht sich eine sehr beklemmende Atmosphäre durch die Platte, die es für den Hörer zur Pflicht macht, sich „Der freiwillige Bettler“ beim Hören ganz und gar zu widmen – Mucke zum Nebenbei-dudeln-lassen ist das hier auf jeden Fall nicht und durch das häufig sehr monotone Riffing und den wehklagenden, oft etwas pathetischen Gesang bestimmt alles andere als leicht verdaulicher Stoff. Auf der anderen Seite darf man sich dank dieser Merkmale auf die Fahnen schreiben, eben sehr außergewöhnlich und eigenständig zu klingen. Der Opener „Vom Gesicht und Rätsel“ walzt sich äußerst heavy und mit dröhnendem Bass dahin, in der Mitte ertönen recht spacige Ambient-artige Klänge, die sich gut einfügen und die seltsame Stimmung noch unterstreichen. Der sich anschließende Titelsong ist noch um einiges langsamer gehalten, mutet sogar schon wie ein feierlicher Trauermarsch an. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass es hier einen kleinen Ausflug in die Funeral-Doom-Ecke gibt – wenngleich der Sound immer noch alle Urfaust-Charakteristika aufweist, einschließlich des so schmerzvoll und verzweifelt klingenden Gesangs, der hier schon sakrale Züge annimmt.

In „Das Kind mit dem Spiegel“ wiederum wird dann der Kreischgesang eingesetzt, der von einer einfachen, aber sehr effektiven Hauptmelodie begleitet wird; hier werden nun Suicidal-Black-Metal-Gefilde gestreift – meine Güte, das ist schon verdammt depressiv und garantiert nichts für Leute mit psychischen Problemen, die könnten noch auf dumme Gedanken kommen.

Aber im Prinzip gilt das sowieso für die gesamte Platte, die definitiv eine von der Sorte Alben ist, auf die man sich einlassen und für die man in der Stimmung sein muss. Schafft man es, in den Urfaust-Kosmos einzutauchen und dort zu verweilen, sieht man sich mit einer faszinierenden, interessanten und sehr homogenen Scheibe konfrontiert, die trotz der Monotonie innerhalb der Stücke durchaus als abwechslungsreich bezeichnet werden darf, auch wenn sich das nach einem Hördurchgang vielleicht noch nicht so deutlich zeigt. Der Gesang ist sehr vielfältig, wenn auch nicht sonderlich textverständlich – allerdings ging schon länger das Gerücht um, die Holländer hätten gar keine Lyrics; womöglich ein Grund, weswegen sie sich genötigt sahen, dieses Mal welche im Booklet abzudrucken. In jedem Fall sollte jeder Interessierte an depressiver und/oder schwarzmetallischer Musik dieser wirklich originellen Combo eine Chance geben!

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