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Urfaust: Apparitions

Insgesamt zu viel Ambient-Gewaber und zu viele Wiederholungen
Wertung: 5/10
Genre: Ambient, Black Metal, Doom
Spielzeit: 43:41
Release: 20.02.2015
Label: Ván Records

Bei Urfaust weiß man nie, was man vorgesetzt bekommt, mit Sicherheit ist es aber immer genau das Gegenteil von dem, was man erwartet. Die Band hat schon etliche seltsame, skurrile und originelle Ideen gehabt und mit den unterschiedlichsten Combos Splits herausgebracht – wenn sich jemand partout nicht in eine Genreschublade stecken lässt, dann zweifellos diese zwei schrägen Vögel aus Holland.

Mit „Apparitions“ liegt nun ein neuer Output aus dem Hause Urfaust vor; nachdem ein Großteil der Releases meist mit abenteuerlichen deutschen Titeln versehen war, hat man sich jetzt mal wieder für englische Bezeichnungen entschlossen, wobei es auf der Scheibe ohnehin kaum Gesang mit Texten gibt. Wie bei den Niederländern üblich, ist Atmosphäre das A und O, gerade auf jener EP, bei der fast nur die Ambientschiene gefahren wird. Der erste, fast siebenminütige Track „The End Of Genetic Circles“ besteht ausschließlich aus spacigem Gewaber, das zum Chillen auf jeden Fall gut geeignet ist und bei geschlossenen Augen sicherlich schon ein bisschen das Gefühl verleiht, durch den Weltraum zu schweben. Hat was, ist aber alles andere als essentiell und kaum das Originellste, was dieses außergewöhnliche Duo bislang auf die Menschheit losgelassen hat.

Dem titelgebenden Stück hingegen wohnt eher etwas Maschinelles, Futuristisch-Kaltes inne, so zumindest muten die rhythmusgebenden Hintergrundgeräusche an, die von elegischen Gesängen und einem monotonen Schlagzeug überlagert werden. Von der Stimmung her durchaus beklemmend und wesentlich packender als die vorige Nummer. Erst bei „The Healer“ werden auch die Klampfen ausgepackt und man bewegt sich etwas mehr auf den musikalischen Pfaden, die man beispielsweise auch von der letzten Full-Length „Der einsame Bettler“ kennt: Getragenes Tempo, klagender Klargesang, abgewechselt mit Kreischen, und das Ganze in einem völlig eigenen Soundgewand.

Intensiv ist das nach wie vor, egal wie man nun zur Musik als solcher steht; man darf das langweilig und scheiße finden, man muss es nicht verstehen, sollte natürlich nur nicht an den songschreiberischen Fähigkeiten herummäkeln, denn an konventionellem Songwriting ist die Band eben auch gar nicht interessiert. Mit Sicherheit wird auch „Apparations“ wieder seine Liebhaber und Abnehmer finden, trotzdem bleibt die Frage, bei welcher Gelegenheit man sich dieses Werk bitte das nächste Mal anhören soll. Wenn man sich gerne mal was reinknallt, wäre auf jeden Fall der nächste Drogenrausch sehr empfehlenswert, ansonsten ist diese Musik nichts, das man nebenbei im Hintergrund laufen lassen würde, zum begeisterten Mitsingen taugt sie logischerweise noch weniger.

Im Übrigen wurde die Scheibe künstlich auf eine Dreiviertelstunde aufgeblasen, denn der vierte Track „The River“ besteht aus einem über zwanzigminütigen Outro, wenn man so will, dessen Basis monotone, sakral wirkende Gesänge und Geräusche bilden, immer mal wieder von einigen markerschütternden Schreien im Hintergrund durchwirkt. Spacig, atmosphärisch und beklemmend – diese Attribute kann man sicher erneut hervorkramen, aber warum die Chose nun derart langgezogen sein muss, bleibt wohl das Geheimnis von Urfaust. Ewig dauernde Soundscapes-Sequenzen, in denen immer nur dasselbe wiederholt wird und wo letztlich nichts passiert, kann ich gar nicht verknusen und deshalb gibt es hier auch kräftig Abzüge in der B-Note. So ist es natürlich nicht schwer, eine EP mit über 40 Minuten Länge zu veröffentlichen.

Wiederum haben Urfaust eine ungewöhnliche Scheibe an den Start gebracht, die so keiner erwarten konnte, die aber trotz aller Überraschung viel zu viele Längen beinhaltet und bei der einfach zu viel Ambient-Gedöns vorhanden ist, so sehr man die zwei Bandmitglieder auch dafür bewundern darf, wie einzigartig sie es prinzipiell schaffen, Atmosphäre zu erzeugen.

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