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Untoten: Best of

Ein recht ausgewogenes Potpourrie
Wertung: 99/10
Genre: Gothic Rock/Punk, Dark Wave, Chanson, Avantgarde
Spielzeit: 73:40
Release: 16.03.2007
Label: Grafenwald Verlag

Nachdem Untoten - Mastermind David. A. Line bereits Ende 2005 mit seinem Electro-Indstrial Soloprojekt Soko Friedhof ein “Best of“ - Werk auf den Markt brachte, folgt nun auch knapp 1 1/2 Jahre später eine Werkschau des eigentlichen Hauptprojektes Untoten.

Ebenfalls ganz simpel als “Best of“ deklariert, vollzieht das nun vorliegende Gesamtwerk einen recht interessanten Querschnitt aus weit über 11 Jahren „untoter Musikgeschichte“. Allerdings haben Greta Csatlos und David A. Line hierbei doch deutlich weniger Wert darauf gelegt, nur die reinen Club-Hits auf diesem Sampler zu verewigen als viel mehr den enormen musikalischen Facettenreichtum des Duos zu reflektieren.

So offenbart das “Best of“ - Album neben so bekannten und beliebten Klassikern wie “Gothic Years“ (1998), “Absence of Light“ (2000) und “The Look of Blasphemie“ (2001) auch eher untypische und fast schon skurril anmutende Exponate aus der mannigfaltigen Schaffensperiode der Berliner Untoten. Als ein solches Beispiel wäre hier z.B. das kurze (aber dafür äußerst gänsehautfördernde) Hörspiel “Die freudlose Gasse“ genannt, welches seinerzeit auf dem 1999 erschienen Kultalbum “Schwarze Messe“ erstmals zu hören war. Oder auch die frühen Düsterpunk-Revuen “Kiss your Heart out“ und “Sperm Finger“ (jeweils vom ´97er Release “Kiss of Death“) finden ihren wohlverdienten Platz auf dieser Compilation.

Natürlich werden innerhalb der 17 Songs umfassenden Tracklist auch einige Songs jüngeren Datums ihr Stelldichein geben. So befinden sich mit “Raben“, “Herz der Finsternis“, “Alexanderplatz“, “Des Raben Flug“, “Cynthia“ und “Hexenfieber“ gleich sechs poetische Werkstücke aus der überragenden “Grabsteinland“ - Trilogie (2003 - 2005) auf diesem “Best of“ ein. Aber auch von ihrem letztjährigen Monumentalwerk “Die Blutgräfin“ steuerte man die beiden Kompositionen “Blutrot, die Liebe“ und “Saat des Bösen“ bei.

Als besonders reizvoll erweisen sich indes auch die beiden bisher unveröffentlichten Stücke “Morbid Lover“ und “Angel“. Erstgenanntes Dark Wave - Konglomerat stammt nämlich aus der finalen Produktionsphase des 2000er Albums “Vampire Book“, fand aber letztendlich dennoch leider keine Verwendung darauf. Somit kann man sich auf “Best of“ das erste Mal von den gruselig-schönen Seiten dieses „erotischen Totentanzes“ überzeugen. Noch älter ist allerdings der abschließende “Angel“, denn diese äußerst unterhaltsame Symphonie aus Jazz- und Rockmusik entstand seinerzeit von Gretas und Davids ehemaliger Schülerband red 33 und offenbart wahrlich ungewohnt „swingige“ Seiten der beiden Kreativköpfe. Sprich, ein definitiv uneingeschränkter Anspieltipp für alle Experimentierfreudigen und Nostalgiker (zumal die formidable Klangqualität absolut nichts zu Wünschen übrig lässt)!

Fazit: Kurz gesagt bietet “Best of“ so gesehen für jeden etwas. Natürlich hätte der geneigte Fan sicherlich noch gerne solche Highlights wie “Neue Heimat“, “Lilith“, “Black Blood“, “Bite me (Take me to the Limit)“ oder “Darkroom“ auf diesem prallgefüllten Sammelsurium wiederentdeckt. Oder auch gerne noch ein bis zwei rare Avantgarde Old-School-Smasher mehr, wie beispielsweise den kongenialen “Kiss of Death“ (welchen es ja bisher leider nur auf dem ersten Teil der legendären “Extreme Jenseitshymnen“ - Reihe zu genießen gibt).

Aber dennoch: Mit “Best of“ haben die Untoten einen recht ausgewogenen Potpourrie aus hypnotischen Gothic-Rock, klassischen Dark Wave, schmuddeligen Düsterpunk und eleganten Chansons zusammengestellt und passgenau angefertigt. So bildet “Best of“ letztendlich auch einen eleganten Brückenschlag zum nächsten Untoten - Studioalbum “Die Nonnen von Loudun“, welches pünktlich zum Jahresende in allen gut sortierten Plattengeschäften zu finden sein wird.

Allerdings gibt es dennoch einen kleinen Wermutstropfen zum Abschluss: Leider wurden in der finalen Tracklist der CD die beiden Songs “Hexenfieber“ und “Gothic Years“ in ihrer ursprünglichen Reihenfolge vertauscht. So ist “Hexenfieber“ nun in Wirklichkeit die Nummer 9 in der Playlist und “Gothic Years“ steht stattdessen auf der achten Position.

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