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Unisonic: Unisonic

Die Erwartungen waren hoch und können zumindest fast erfüllt werden
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Rock
Spielzeit: 50:07
Release: 30.03.2012
Label: earMUSIC/Edel

Bereits vor dem Release des vorliegenden, selbstbetitelten Debüts von Unisonic wurde die Band über den grünen Klee gelobt; überzeugende Liveauftritte und die Appetizer-EP „Ignition“ bescherten der Combo ohne Ende Vorschusslorbeeren, doch so richtig ein Urteil bilden kann man sich doch erst anhand des sehnlich erwarteten Full-Length-Debüts – schließlich ist es größere Kunst, über die gesamte Distanz eines Albums zu überzeugen, als lediglich mit einer 20-minütigen EP. Und zwei Dinge seien gleich vorweggenommen. Erstens: Es ist nicht durch die Bank alles Gold, was glänzt, und zweitens, an alle, die es immer noch nicht begriffen haben (und davon scheint es mehr als genug zu geben): Auch wenn sich Szeneurgestein Kai Hansen mittlerweile bei Unisonic eingeklinkt hat – diese Band hat von Anfang an deutlich gemacht, dass sie keinen Metal im Stile von Helloween, Gamma Ray oder sonst wem spielt; hier ist melodischer Rock angesagt, mal härter, mal softer, mal mit Blick Richtung AOR.

Dies wird über die volle Spielzeit eines Albums noch wesentlich deutlicher als auf der EP. Wer mit der falschen Erwartungshaltung an die Scheibe herangeht und noch beim formidablen Opener „Unisonic“ (der auch „Ignition“ eröffnete) ordentlich am Jubeln ist, wird beim Rest sicherlich bitter enttäuscht sein. Der Titelsong ist nämlich der klar härteste Song und noch am ehesten Metal-affin – ein geiler Arschtreter, der auch nach zehn Durchläufen nichts an Klasse einbüßt und absolut mitreißt –, doch für die folgenden Tracks sollte man schon kein ach so truer, Scheuklappen tragender, humorloser, verbohrter Spießermetaller sein, sonst wird einem das nichts geben.

Tatsächlich muss man sagen, dass Unisonic die besten Stücke bereits auf der EP verwurstet haben, denn neben dem Titelstück stechen auch auf dem Album „Souls Alive“ (überragender Chorus) und „My Sanctuary“ (rockt einfach fantastisch und markiert einen brillanten Ohrwurm) klar hervor. Irgendwie dämpft diese Erkenntnis den Enthusiasmus ein wenig, aber nichtsdestotrotz sollte man natürlich auch den anderen Titeln eine Chance geben.

Von diesen stellt sich „Never Too Late“ ganz eindeutig und sehr schnell als größter Hit hervor. Dieser Track kann wohl nur von Kai Hansen stammen, besitzt er doch diese typisch aufmunternden, fröhlichen Melodien mit leichtem Helloween-Flair (da blitzt es eben doch mal auf) und eine fast schon unverschämte Eingängigkeit, schafft es aber trotzdem noch gerade so, die Grenze zum Seichten zu umgehen. Auch „I’ve Tried“ mit seinem lässigen Groove in der Strophe und dem erneut starken Refrain, das melancholisch angehauchte „Renegade“ sowie insbesondere das etwas düsterere, recht Riff-betonte und epische Züge tragende „King For A Day“ (punktet zudem mit einem unheimlich coolen Break in der Mitte) sind auf der Habenseite zu verbuchen.

Ein paar Durchhänger – Totalausfälle wäre zu hart formuliert – gibt es aber eben leider auch zu verzeichnen. Vor allem die abschließende Ballade „No One Ever Sees Me“ ist schon arg kitschig geraten und über Songs der Marke „Star Rider“ und „Never Change Me“ lässt sich zumindest streiten. Ersteres kann man zwar hymnisch nennen, und die Vorstellung, dass die Leute, wenn das Stück auf Konzerten gespielt wird, die Fäuste in die Lüfte erheben, ist keinesfalls völlig abwegig, doch etwaige Stimmen, die den Chorus als etwas Standard-mäßig und nicht sonderlich einfallsreich einordnen, wären sicherlich nicht ganz im Unrecht. Letztgenannte Nummer wiederum ist wieder so ein etwas fröhlicherer Song und sicherlich sehr catchy, aber genauso vorhersehbar. Trotzdem ist zum Beispiel das Ticken der Uhr in der Mitte eine ganz witzige Idee.

Alles in allem zeigt der Daumen aber nach oben. Michael Kiske singt immer noch hervorragend und die instrumentalen Qualitäten der Herrschaften dürften ebenfalls hinlänglich bekannt sein – es gibt auf jeden Fall einige ziemlich fette Gitarrensoli zu hören und die Spielfreude ist definitiv greifbar. Auch kann wohl niemand behaupten, „Unisonic“ sei nicht abwechslungsreich, ob man die Scheibe nun gut findet oder nicht. Wer den Musikern im Vorfeld zugehört hat und es gebacken kriegt, trotz der Verbindung Kiske/Hansen Helloween auch mal auszublenden, hat bestimmt seinen Spaß mit der Platte. Übrigens sei allen Kaufinteressierten empfohlen, sich die limitierte Auflage zu ergattern, da hier mit „Over The Rainbow“ ein weiterer, in der Promoversion nicht enthaltener Track zu finden ist, der zweifellos die deutlich bessere Ballade im Vergleich zu „No One Ever Sees Me“ darstellt.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“