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Unisonic: Light Of Dawn

Sowohl Totalausfälle als auch geile Hymnen
Wertung: 6.5/10
Genre: Hard Rock/Melodic Metal
Spielzeit: 59:50
Release: 01.08.2014
Label: earMUSIC

Zwei Jahre nach ihrem von der Kritik größtenteils sehr positiv bewerteten selbstbetitelten Debüt legen Unisonic mit ihrem Zweitling „Light Of Dawn“ nach. Damals hatten Gitarrist Kai Hansen und Frontmann Michael Kiske allzu euphorische Stimmen, denen, nachdem bekannt geworden war, dass die beiden ehemaligen Helloween-Recken nach längerer Zeit wieder zusammen in einer Band spielen würden, bereits speediger Kürbiskopf-Metal in den Ohren klingelte, gedämpft und klargestellt, dass man mit Unisonic eben gerade nicht diese Richtung einschlagen, sondern sich vielmehr in hardrockige Gefilde begeben wolle.

Dass Herr Kiske nicht immer so ganz konsequent in seinen Entscheidungen herüberkommt, dürfte nach den endlosen Querelen und Diskussionen um seine mehr als fragwürdigen Äußerungen über die Metalszene vor einigen Jahren ja nichts Neues sein – und wenn man sich auf „Light Of Dawn“ den Opener „Your Time Has Come“ anhört, muss man einfach zwangsläufig an Helloween denken: Harmonik, Melodieführung und Riffing erinnert frappierend an die Hamburger Metal-Institution. Mit einer kleinen Portion Sarkasmus könnte man konstatieren, dass das Vorhaben, eben nicht nach Helloween zu klingen, anscheinend doch recht schnell wieder aufgegeben wurde. Zugegeben, man kann seine Vergangenheit eben nicht leugnen und es soll nicht bestritten werden, dass sich so etwas beim Songwriting sicher auch einfach mal ergibt, dennoch bleibt je nachdem ein amüsiertes Schmunzeln oder auch ein fader Beigeschmack. Letzterer allerdings eher deswegen, weil der Song leider äußerst vorhersehbar und schlussendlich wenig spannend geworden ist. Wenn man schon doch phasenweise nach den Kürbisköppen klingt, sollte wenigstens inspiriertes Songwriting vorliegen, was hier bedauerlicherweise nicht der Fall ist. 

Sicherlich gab es auch auf der Debütscheibe den einen oder anderen leichten Durchhänger, auf dem Nachfolger ist dieses Phänomen jedoch deutlich ausgeprägter vorhanden – leider muss man sogar von einigen Totalausfällen sprechen. War der Opener zumindest noch Durchschnitt, handelt es sich beispielsweise bei „Not Gonna Take Anymore“ um eine vollkommen einfallslose Nummer mit Standard-Singalong-Passagen, die am Ende des Tages eher zum Gähnen als fröhlichen Mitmachen animieren.

Am schlimmsten sind allerdings die beiden Balladen: „Blood“ ist ein regelrecht ekelhaft gottesfürchtiger und schleimiger Track geworden, den man kaum zu Ende hören mag und der zweifellos Wasser auf die Mühlen der Kiske-Kritiker sein wird, und „You And I“ ist nicht nur vom Titel her ebenfalls erschreckend ideenlos und furchtbar kitschig.

Doch „Light Of Dawn“ ist, was die Qualität des Songwritings anbelangt, zum Teil eine Platte der krassen Gegensätze, denn neben diesen Stinkern gibt es zum Glück auch ein paar richtig geile Kompositionen, die sich zumindest anschicken, mit bärenstarken Nummern à la „Unisonic“ oder „My Sanctuary“ vom Debüt zu konkurrieren. In erster Linie sticht das wahrhaft großartige „Night Of The Long Knives“ hervor, das spritzig und mit einem hymnischen Refrain ausgestattet daherkommt und unglaublich Spaß macht. Ebenfalls ganz stark: das vielfältige „Find Shelter“ sowie die mit melancholischem Unterton versehenen Midtempo-Nummern „When The Deed Is Done“ (herrlich ätherische Gesangslinien) und „Exceptional“ (toller Chorus und fetter Bass-Groove). 

Mit dem reichlich Dampf machenden „Throne Of The Dawn“ findet sich ein weiterer sehr spielfreudiger und live garantiert gut Stimmung verbreitender Song in der Schnittmenge zwischen Hard Rock und melodischem Metal (das Hauptriff könnte glatt von Tony Iommi geschrieben worden sein), während „For The Kingdom“ zwar ein großartiges Legato-Mainriff und allgemein eine klasse Strophe besitzt, der Refrain aber wiederum einfach zu austauschbar ist – sehr schade.

Insgesamt eine zweischneidige Angelegenheit: Gleich drei Totalausfälle sind schon ziemlich viel Holz, auch wenn dem gegenüber ein paar wirklich geile Stücke stehen. Der Rest („Manhunter“, „Judgement Day“) ist halt irgendwie okay, aber auch nichts übermäßig Besonderes – man muss also zwangsweise irgendwo im Bereich um sechs Punkte herum landen. Positiv angemerkt sei noch, dass Michael Kiske nach wie vor mit einer unglaublichen Stimme gesegnet ist. Wahnsinn, wie hoch der Kerl immer noch kommt und wie sauber er auch schwierigste Passagen meistert. Das muss einfach auch sein größter Kritiker neidlos anerkennen.

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