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Unisonic: Ignition

Diese EP lässt auf ein großartiges Debütalbum hoffen
keine Wertung
Genre: Power Metal, Melodic Metal
Spielzeit: 18:40
Release: 27.01.2012
Label: earMUSIC/Edel

Viele Freunde hat sich Ex-Helloween-Goldkehlchen Michael Kiske in den letzten Jahren in der Metalszene nicht gerade gemacht. Viele fühlten sich persönlich angegriffen, nachdem der einst so beliebte Sänger mit zweifelhaften Aussagen plötzlich gegen die Hartwurst-Community wetterte, und auch wenn er später zurückruderte und erklärte, er habe teilweise übertrieben und sei missverstanden worden, wirkte es nicht sehr konsequent, dass er trotzdem noch zahlreiche Gastauftritte bei Metalprojekten und -bands wie zum Beispiel Avantasia absolvierte. Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden: Man kann argumentieren, dass Kiske wenigstens kein angepasster Mitläufer ist und sich nichts sagen lässt, dennoch geht auch mir das unerträgliche, schwarz-weiß gepinselte Moralapostel-Getue und das selbstgerechte Gelaber des inzwischen Fleischmütze tragenden Hamburgers gehörig auf den Keks. Allerdings lässt sich nicht leugnen, dass man dadurch nur umso gespannter sein durfte, was der Querkopf denn nun mit seiner neuen Combo Unisonic auf die Beine stellen würde. 

Vor ein paar Monaten stieg dann auch noch sein früherer Helloween-Weggefährte Kai Hansen in die Band ein, was natürlich einem Paukenschlag gleichkam. Doch hört man sich das Material des außerdem aus Gitarrist Mandy Meyer (u.a. Ex-Krokus), Bassist Dennis Ward und Schlagzeuger Kosta Zafiriou (beide auch bei Pink Cream 69 aktiv – der Ex-Band des jetzigen Kürbiskopf-Fronters Andi Deris) bestehenden Quintetts an, verwundert die Entscheidung des Gamma Ray-Chefs nicht allzu sehr. Denn völlig egal, was man von Kiskes Ansichten hält: Das Material der Vorab-EP „Ignition“ ist bärenstark und lässt auf ein richtig fettes Debütalbum (das im März folgen soll) hoffen. 

Der selbstbetitelte Opener ist ein Power-Metal-Hammer vor dem Herrn: temporeich, mitreißend – einfach geil! Schon wenn man den Song das erste Mal hört, verspürt man das akute Bedürfnis, aufzuspringen, wild Luftgitarre zu spielen und den völlig simplen, aber eben total ohrwurmigen Refrain mitzuschmettern. Da haben die Kollegen wirklich eine Granate am Start, die live garantiert abräumen wird wie nichts Gutes. Auch das Midtempo-lastigere „My Sanctuary“ weiß trotz des wenig einfallsreichen Titels zu gefallen, denn auch dieses Teil rockt super eingängig durch die Botanik, ohne sich jedoch schon nach ein paar Durchgängen abzunutzen.

Als dritter Track liegt eine Demoversion von „Souls Alive“ vor, das laut Info ebenfalls auf der Debütscheibe landen soll und etwas melancholischer wie auch Hard-Rockiger daherkommt. Mit einer spacigen Passage gegen Ende, die nachvollziehbar in den Kontext eingebettet wurde, präsentiert sich das Stück sehr facettenreich und kann somit ebenfalls voll und ganz überzeugen – natürlich ist hier der Sound, da es sich eben um ein Demo handelt, weniger knackig als bei den zwei vorangegangen Tracks, aber das nur am Rande.

Abgerundet wird „Ignition“ von einer Live-Version des alten Helloween-Klassikers „I Want Out“ und natürlich darf man sich die Frage stellen, ob die Welt die drölfzigste Version dieses Liedes wirklich braucht, aber auf der anderen Seite ist es eben auch eine unsterbliche Hymne, die gerade live immer wieder bockt und das Publikum stets zu frenetischem Mitsingen animiert. Außerdem zeigt sich hier insbesondere, dass Michael Kiske es stimmlich immer noch absolut auf dem Kasten hat (live ist das schließlich immer noch eine andere Geschichte als auf Platte), so dass man sich um die künftigen Konzerte der Band wahrlich keine Sorgen zu machen braucht, zumal alle, die die Gruppe schon on stage gesehen haben, begeistert waren.

Junge, Junge, ich muss gestehen, dass ich nicht gedacht hätte, dass mich das Zeug derart von den Socken hauen würde. So sehr eine neuerliche Zusammenarbeit von Hansen und Kiske auch aufhorchen ließ – man ist ja gerade bei solch spektakulären Wiedervereinigungen aufgrund vieler schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit meist doch eher skeptisch. In diesem Fall jedoch handelt es sich glücklicherweise nicht um pures Namedropping. „Ignition“ macht seinem Namen alle Ehre – es zündet und die Weichen für ein hoffentlich tolles Debüt sind gestellt. Eine Wertung verkneife ich mir dennoch, denn da es sich um drei Tracks handelt, die sowieso auf der ersten Full-Length erscheinen sollen, plus eine Live-Performance, würde das wenig Sinn ergeben. Warten wir lieber erst einmal ab.

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