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Union Youth: The Boring Years

Here we are, motherfuckers!
Wertung: 9/10
Genre: Grunge
Spielzeit: 0:0
Release: 06.06.2005
Label: Karo International Records

Wir machen einen kleinen Trip in die Vergangenheit. Drei Jahre sind vergangen, seitdem Union Youth aus Bad Bentheim über EastWest Records ihr viel umjubeltes Debüt „The Royal Gene“ veröffentlichten. Sänger Maze erzählt auf die Frage nach der anschließenden Entwicklung einfach drauf los.

„Wir haben viele Konzerte gespielt und eine lange Tour gemacht. In der Zeit haben wir dann auch schon überlegt, wann und wo wir die nächste Platte machen werden.“ Fest stand für die vier eigentlich, dass diese über dieselbe Plattenfirma veröffentlicht wird, so wie es im Vertrag stand.

Der Produzent der ersten Platte, Kurt Ebelhäuser (Blackmail, Scumbucket), schied trotz seiner, wie die Band betont, sehr guten Arbeit von vorneherein aus, „wir wollten einfach die neue Platte mit jemand anderem machen.“ So begab man sich auf eine lange Suche nach dem richtigen Mann für das Mischpult.

In Deutschland wurden sie aufgrund ihrer Auffassung von Musik nicht fündig, laut Maze ist „der ‚deutsche’ Sound einfach nicht der richtige, das ist schwer zu beschreiben, aber für uns kam einfach keiner der Produzenten in Frage, mit denen wir uns getroffen haben.“ Also ging die Suche ins Ausland, z.B. Frankreich oder auch Schweden, wo man letztlich auch den Richtigen traf.

„Plötzlich stand Michael Ilbert hier auf der Matte und hat sich zwei Tage einquartiert“. Während dieser Zeit haben er und die Band viel miteinander gesprochen und Material angehört, woraufhin der Produzent sagte, dass er das Album gerne produzieren wolle, dass man allerdings auch noch sehr viel an den Songs arbeiten müsse.

„Er hat uns echt heftig vor den Kopf gestoßen und uns oft kritisiert und als er weg war haben wir erst mal alle gedacht ‚Was für ein Arschloch’“. Allerdings mussten Union Youth nach kurzer Reflektion dessen, was in der kurzen Zeit abgegangen ist, erkennen, dass sie genau den richtigen Mann kennen gelernt hatten. Er war der, der verstand was sie wollten und der sie letztendlich noch ein gutes Stück voranbrachte, vielleicht auch weil er nicht der typische Rockalbum-Produzent ist, sondern eher in Richtung Pop tendiert. So konnten sich Ilbert und die Band in der Mitte treffen.

Kurz darauf fuhr man nach Dänemark, mit dem festen Willen, die komplette CD in nur 10 Tagen live einzuprügeln. Erst mal im Studio angekommen stellten Band und Produzent aber schnell fest, dass dieser Plan scheitern würde und so reiste man nach anderthalb Wochen wieder ab, um später immer wieder für etwa denselben Zeitraum zurückzukommen und weiter aufzunehmen, an den Stücken zu feilen und sie zu überarbeiten.

Ob sich im Gegensatz zur Produktion des Vorgängers was verändert hat? „Wir sind dieses Mal komplett anders an die Aufnahmen herangegangen, haben zum Beispiel Demos aufgenommen, die Songs noch mal beiseite gelegt und sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder überarbeitet. Bei "The Royal Gene" haben wir Songs geschrieben, aufgenommen, auf CD gepresst und veröffentlicht“, weiß Bowy zu berichten.

Für Maze war es interessant zu beobachten, „dass wir nach der Tour das Verlangen hatten, ruhige Songs zu schreiben. Da war kaum Verzerrung drin, so wollten wir es zu der Zeit haben. Aber irgendwann haben wir dann von allen Songs nur die Refrains genommen und die irgendwie zusammen arrangiert, sowohl textlich als auch instrumental.“ ‚The Boring Years’, so übrigens der Titel des neuen Longplayers, ist also sozusagen eine Refrainplatte.

„Außerdem haben wir bei vielen neuen Songs auf ganz kleine Details geachtet, Melodien reingebracht, die der Hörer vielleicht gar nicht bemerkt, die es aber für uns interessanter macht, da wir sie kennen. Das haben wir teilweise nur für uns gemacht.“

Die Fertigstellung zog sich insgesamt über ungefähr ein Jahr hin, auch bedingt durch Mazes Krankheit und einen damit verbundenen, kurzen Krankenhausaufenthalt.

Hinzu kam ein riesiger Schock für die Band: mitten in der Produktion bekamen sie einen Anruf von EastWest, der Vertrag wurde aufgelöst. Der Studioaufenthalt war noch nicht bezahlt und eine halbfertige Platte war da. Zum Glück wollte Michael Ilbert genau wie die Band die Platte unbedingt fertig stellen, und das zu den vorher ausgehandelten Bezügen. Glücklicherweise bekamen Union Youth von ihrer alten Plattenfirma eine Abfindung in ausreichender Höhe, sodass im Endeffekt alles wie geplant ablief.

Bisher also viele Veränderungen, die "The Boring Years" mit sich bringt. Das wird sich auch mit der Veröffentlichung nicht ändern, denn alle, die sich für die korrekten Texte von "The Royal Gene" (vergeblich) ein Bein ausgerissen haben, müssen dies zumindest für die neue Auskopplung nicht tun. Die Band hat sich dafür entschieden, die Texte diesmal im Booklet abzudrucken. „Wir haben uns hier manchmal vor Lachen weggeschmissen, wenn wir wieder einen von den selbst rausgehörten Texten gelesen haben, die total falsch waren. Aber genauso habe ich für mich alleine geheult, dass mir jemand zutraut, so miese Texte zu schreiben“, erinnert sich Maze. Die Ironie hat er dabei aber zum Glück nicht verloren.

Als einen Einfluss der Entstehung des zweiten Albums nennt Maze Budget die Stimmung des Ortes. Ländliche Idylle in Dänemark, ein altes Bauernhaus umgeben von weiten Ebenen, Wiesen und Weiden. „Wenn ich die Songs jetzt in Berlin aufnehmen würde, würden sie total anders klingen“.

Mit der fertigen Platte konnten sich die vier dann auf Labelsuche begeben, nachdem man den Gedanken, sie selbst zu veröffentlichen wieder verworfen hatte. Sie verschickten unzählige Demo CDs, von einigen Firmen bekamen sie dann Feedback.

Daraufhin traf man sich mit allen interessierten Parteien, die unterschiedlicher kaum sein konnten. Es meldete sich sogar das Label der Popprinzessin Sarah Connor, was allerdings für „menschlich untragbar“ befunden wurde. Wie schon beim ersten Album streckte auch dieses Mal wieder ein amerikanisches Label die Fühler mit einem „geldmäßig interessanten“ Angebot aus, was aus ähnlichen Gründen ein weiteres Mal ausgeschlagen wurde.

Das Rennen machte schließlich ‚Eat The Beat Music’, eine kleine, noch sehr junge deutsche Plattenfirma, die sich vor allem durch ihre Begeisterung für die Musik auszeichnete und mit denen die Band auf einer Wellenlänge ist. Maze freut sich, dass „wir für ‚Eat The Beat’ einfach nicht eine Band unter vielen sind, nicht die zehnte in der Hierarchie. Bei denen stehen alle Bands auf einem Level“.

Eine ausgiebige Headliner-Tour im September ist schon in Planung, „das ist echt was, worauf wir uns richtig freuen“. Zuvor werden noch einige andere Shows gespielt, unter anderem zwei Auftritte in Lingen (näheres unten).

Nach vielen Problemen im letzten Jahr scheint es um Union Youth nun also aufwärts zu gehen. Verdient haben sie es sich allemal.

"Yeah" - Der Opener des neuen Albums lässt schon mit seinem Spannung aufbauenden Beginn erahnen, was die anderen Songs bestätigen: Union Youth haben sich nicht den aufkeimenden Emo- oder Softiebewegungen angeschlossen sondern gehen direkt nach vorne. Ein melodiegeladener Kracher, dessen Refrains plötzlich und unerwartet auf einen niederprasseln.

"About This Ride" - Das eingängige Bassintro zieht sich zusammen mit den Gitarren mal mehr, mal minder hart durch den kompletten Song, für Abwechslung sorgen sowohl Maze als auch Bowy mit einem interessanten Rhythmus. Zum Ende hin wird dieses Stück ruhiger und endet mit einem gefühlvollen Gitarrensolo.

"Sweet Song" - wird durch ein, gar ans fröhliche grenzendes, Gitarrenriff bestimmt. Im Refrain kann sich einmal mehr Mazes Stimme in den Vordergrund spielen, ansonsten formieren sich die einzelnen Teile zu einem homogenen Gesamtbild, das zu Recht die erste Single darstellen wird.

"Back In The Sun" - Nicht nur der Titel dieses Stückes erinnert ein bisschen an den Soundgarden-Klassiker „Black Hole Sun“, der Refrain weist eine ebenso seichte Gesangsmelodie auf, wie sie einst Chris Cornell kreierte. Bis dahin ist dies der erste Song, der leichte Melancholie andeutet und gegen Mitte mit einem kleinen, aber feinen Fill-in überrascht.

"Dressed Like Dolls" - Wer die Entwicklung von Union Youth schon länger verfolgt und ihren Fernsehauftritt bei VIVAs „Overdrive“ gesehen hat, könnte dieses Lied bereits kennen. Das zeigt, wie viel Zeit sich der Vierer für das Album genommen hat. Aber schon damals rockte „Dolls“ das Dortmunder Publikum, sicherlich wird dieser Song auch auf den kommenden Konzerten sehr gut funktionieren.

"I Would Swear If I Could" - Der einzige Song, der komplett aus der Reihe fällt und wahrscheinlich die früheren Jonas-Fans besonders ansprechen wird. Am Anfang klingt alles noch sehr dünn, nur Akustikgitarre und Gesang, genau wie damals. Der Refrain erklingt dann atmosphärisch und wunderschön, um später in einem verträumten Gitarrensolo zu enden. Nebenbei ist dies mit 4:14 Minuten der längste Song der Platte, während sich alle anderen bei etwa 3 Minuten bewegen.

„Request“ ist vielleicht das neue „Everything Too Short“, sehr eindringlich, eine deutliche Bassline, aber nur halb so lang. Gegen Ende nimmt auch der Druck kurzzeitig ab, um Sekunden später in Schreiattacken und ein donnerndes Riff überzugehen.

"Laburnum" - Ähnlich wie „Request“ ein Midtempo-Kracher, mit einem eher ruhigen Vers und einem umso lauteren Refrain, der fließend in ein kauziges Gitarrensolo übergeht. Das Ende gerät dann nach einer cleanen Bridge eher wütend und melancholisch.

"Chinahead" - Ein weiterer Song, der auf dem Konzertmitschnitt vom Monster Mastership schon zu hören war. Hier lassen Maze Valentin, Nosse K., Orion und Bowy mit aller Macht alles raus, der Gesang klingt wie ein einziges Auskotzen, leicht paranoid angehaucht, die Gitarren geizen nicht mit Verzerrung. Hier wird sicherlich vor keiner Set Destruction mehr halt gemacht.

"Migratory Bird" - Wieder ein grobschlächtiger Zerstörer, der mit einem druckvollen Gitarrensound ein abgehacktes Riff nach dem anderen runterdonnert. Das Gitarrensolo wird diesmal mit kaputten Schreien eingeleitet.

"Straight And Narrow" - Der Schlusspunkt von "The Boring Years" ist keineswegs ruhig. Eher ist dies der heftigste Schlag in die deutsche Rockfresse, eine Kampfansage an all die verweichlichten Rocker von gestern, ein lautes ‚Here we are, motherfuckers’ ins Gesicht derer, die sie einst schmähten.

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