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Unherz: Unherzlich Willkommen

Das haben andere schon besser hinbekommen
Wertung: 4/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 41:33
Release: 27.08.2010
Label: Massacre Records

Gleich zu Beginn sollten wir uns eine Frage stellen: Braucht die Welt eine weitere Deutschrock-Combo mit heiserem Gesang, die ihre Songs auf drei bis vier Akkorden aufbaut und mit schlechten Wortspielen daherkommt? Ich würde sagen nein, aber über Geschmack kann man ja nun bekanntlich streiten, bis man schwarz wird. Worüber man allerdings nicht streiten muss, ist die Ausrichtung der Pfälzer Unherz – das Quartett rockt sich nämlich querbeet durch die deutschsprachige Metal- und Rockszene, sei es angelehnt an die Böhsen Onkelz, Frei.Wild oder Pissmark. An erstgenannte Bands reichen die Vier nun wirklich nicht heran, mit den Österreichern könnten Unherz es schon eher aufnehmen, denn ebenso wie Pissmarks „Der Frömmler“ bietet auch das Debütalbum „Unherzlich Willkommen“ eher wenig Abwechslung. Stumpf könnte man es nennen, aber das wäre im ersten Absatz doch etwas verfrüht.

Wie auch die Kollegen von Frei.Wild, so haben die Deutschrocker sich ebenfalls in der vergangenen Fußball-WM laustark für ihre Mannschaft eingesetzt – „Zwanzigzehn“ heißt der Song, im Text schallt es uns wunderbar pathetisch entgegen: „Zwanzigzehn wird unser Jahr, zwanzigzehn Süßafrika, wir holen uns den Weltpokal“. Schade, dass das nicht geklappt hat, aber Unherz sind ja nicht die Einzigen, die sich diesbezüglich in überstürzter Euphorie gewälzt haben. Abgesehen davon ist der Song natürlich relativ einfach gehalten und lässt sich auch nach dem drölfzigsten Bier noch wunderbar mitgrölen – an dieser Stelle ist es Zeit für eine Beichte: nach Power Metal sind derlei Fußballsongs tatsächlich mein zweitliebstes „Genre“.

Dass die Jungs auch sonst noch einiges zu sagen haben, was nicht zum Thema Fußball gehört, versteht sich von selbst. Als „Sünder Vor Dem Herrn“ bezeichnet Sänger Sänger Felix sich und seine werten Kollegen, denn „so leben wir ganz ungeniert“ – das gab’s doch schon mal so ähnlich. „Die Bestie“ beschäftigt sich einmal mehr mit der alles andere als legalen sexuellen Ausrichtung diverser Priester, bevor bei „Therapie“ wieder – richtig – gegröhlt wird. Dafür überrascht „Die Zeit Heilt Alle Wunden“ aber mit einer ziemlich gänsehäutigen Stimmung, zu der auch die raue Stimme ausnahmsweise passt, ohne fad zu wirken. Gutes Stück, nur schade, dass es mit „Amok“ recht platt weitergeht, obwohl das Gitarrenintro recht spannend daherkommt und auch die folgende Einspielung einer Berichterstattung zum Amoklauf ganz gut passt. Der Rest – naja. Diverse Amokläufe wurden schon besser vertont, der Refrain kann aber immerhin halbwegs überzeugen.

 „Verschenkte Jahre“ gerät insgesamt fad, vom Refrain her erinnert der Song zu sehr an die Onkelz, das täuscht aber nicht im Geringsten darüber hinweg, dass ab jetzt nichts sonderlich Originelles mehr auf auf den Hörer wartet. Der Pyromanie-Track „Inferno“ hat zwar einen sehr interessanten Text, der versumpft aber völlig in 08/15-Gitarren und dem üblichen „Ich rauche drei Schachteln Kippen am Tag“-Gesang. Schade, denn aus dem Thema hätte man sicher noch einiges herausholen können. Die bandeigene Hymne „Unherz“ bestätigt nur noch den Eindruck, dass die Band irgendwie nicht so richtig aus dem Quark kommt, erinnert sie doch an „Gehasst, Verdammt, Vergöttert“ von einer uns nicht unbekannten ehemaligen Deutschrockcombo, deren Name hier nicht noch mal genannt werden muss.

Überhaupt bekommt man beim gesamten Album den Eindruck, als hätten sich Unherz etwas zu sehr an den alten Helden orientiert – und dabei geraten sie dem Niveau derselben nicht mal annährend in die Quere. Dass hier das erste Album vorliegt, kann als Entschuldigung nicht gelten, zumal mit „Inferno“ und „Die Zeit Heilt Alle Wunden“ durchaus eigenständige Kompositionen vorhanden sind, die nur noch einer optimalen Umsetzung bedürfen. Der Rest der Platte fällt aber, gelinde gesagt, eher mau aus und schafft es deswegen leider nicht übers Mittelfeld hinaus.

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