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Unherz: Die Wahrheit liegt dazwischen

Erstaunlicher Fortschritt!
Wertung: 7.5/10
Genre: Deutschrock
Spielzeit: 43:56
Release: 24.08.2012
Label: Massacre Records

Die Deutschrocker Unherz aus Kaiserslautern sind ja bei ihrer vorletzten Scheibe „Unherzlich Willkommen“ nicht gerade gut weggekommen in der The-Pit.de-Redaktion. Der Zwischensilberling "Herzschlag" von 2011 erreichte uns hier zwar leider nicht, aber für den Vorgänger gab es läppische vier Pünktchen, allein der Titel ließ schon das Grauen lebendig werden und platte Texte in Kombination mit lahmem Riffing machten nicht gerade Lust auf mehr. Vor nicht allzu langer Zeit sah die Schreiberin dieser Zeilen die Jungs allerdings live, in recht kleinem Rahmen, und nach anfänglicher Langeweile und Skepsis konnte die Truppe um Sänger und Gitarrist Felix mit sympathischer Verwirrung und wirklich guten Songs überzeugen. Komisch, wie die Live- und Studioeindrücke manchmal auseinander klaffen.

Mit „Die Wahrheit liegt dazwischen“ folgt nun die nächste Scheibe der Herren. Das Cover lässt diesmal ungefähr so den Kopf schütteln wie der Albumtitel von „Unherzlich Willkommen“ seinerzeit – ein spärlich bekleideter Frauenarsch, dazu halterlose Strümpfe und gehandschellte Handgelenke. Jungs, bitte – das nächste Mal einen pralleren Hintern, okay? Der hier ist zwar nett anzusehen, aber nichts zum Draufhauen (ist das hier ein Fetisch-Album? Anm. d. Red.) – das aber nur am Rande, es geht ja hier schließlich um die Musik und wir wollen uns nicht am Für und Wider von Po-Formen festbeißen.

Nach den ersten zwei Durchläufen ist einem die Kinnlade schon längst heruntergefallen – was Unherz hier abliefern hat Biss, Ohrwurmpotenzial und Herz und kommt um Längen besser daher als das Vorgängeralbum; fast könnte man meinen, dass hier eine andere Band am Werk ist. Aber nein, das rauchige Organ von Sänger Felix erkennt man natürlich wieder. Herzstück der Platte ist zumindest für mich nach dem dritten Hören „King Kongs Schwester“ – der Song an sich kommt fast ein wenig plump daher, dafür überzeugt der Text aber mit wahnsinnig skurrilem Kopfkino. Wenn man sich allein vorstellt, wie Felix, der auch nicht gerade schmal gebaut ist, von einer 180-Kilo-Frau im rosa Hemdchen vergewaltigt wird, weiß man nicht, ob man Mitleid mit dem armen Kerl haben oder ihn auslachen soll. Großartiger Song!

Der Rest von „Die Wahrheit liegt dazwischen“ gerät naturgemäß sehr viel ernsthafter und erfreulicherweise auch um einiges angepisster – das fängt schon beim Opener „Schmerz neu definiert an“, das ordentlich nach vorne zieht, und setzt sich dann fast romantisch beim grandiosen „Seite an Seite“ fort, bei dem sich dann auch schon mal eine dicke Gänsehaut einstellt.

Mit einem kleinen Basssolo startet „Paranoia“, das sich durchaus zu den heftigeren Songs des Albums zählen lässt. Biestig faucht Felix den Text ins Mikro, während sich die Gitarren im Hintergrund in bedrohlichem Riffing üben. Lückenfüller gibt es übrigens auf der Scheibe wenige bis gar keine – ein erfreulicher Umstand, wenn man sich mal ein paar der weniger einfallsreichen Deutschrock-Kollegen so anschaut. Bei „Jag mich zum Teufel“ wird direkt mit Vorurteilen aufgeräumt – wer fies aussieht, ist nicht automatisch fies, und wer sich nicht eines Besseren belehren lässt, kann die Truppe mal am Arsch lecken, denn hier lebt man sein eigenes Leben, ohne sich von anderen runterziehen zu lassen. Sollte man sich mal öfter zu Herzen nehmen.

„Leuchtfeuer“ gerät dann eine Spur zu ruhig, während das finale „Alles was ich will“ mit Akustikgitarre und den Wünschen eines echten Rockers daherkommt. Bei den Radioprogrammen der heutigen Zeit ist dieser Wunsch gar nicht mal so abwegig – richtige Rockmusik wird ja auch im 21. Jahrhundert irgendwie noch unter den Teppich gekehrt. Lustigerweise hätte der Track zumindest instrumental auch von einer Truppe wie Die Ärzte stammen können.

Man hätte es ja kaum zu hoffen gewagt, aber „Die Wahrheit liegt dazwischen“ kann die Punktezahl der letzten rezensierten Platte fast mal verdoppeln. Und das ohne großes Trara, nur mit ehrlichen Texten, die endlich mal nicht an den Plattitüden der Deutschrockszene kratzen, sondern auch wirklich hängenbleiben. Gänsehautmomente hat die Platte auch noch – 7,5 Punkte für die Wahnsinnsverbesserung!

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