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Unheilig: Grosse Freiheit

Ein großartiges Konzeptwerk
Wertung: 9.5/10
Genre: Electro Pop/Neue Deutsche Härte
Spielzeit: 66:32
Release: 19.02.2010
Label: Vertigo Records

Der Trend zur Kommerzialisierung ist überall zu spüren und selten zu leugnen. Wie viele Bands, die in der Vergangenheit Erfolge in der alternativen Szene feiern konnten, scheinen nun auch Unheilig ihre Musik weiter für die Massen zu öffnen. Dies jedenfalls könnte man dem Grafen nach kurzem Hören des neuen Albums „Grosse Freiheit“ vorhalten – der Sound ist weicher, wärmer und damit massentauglicher geworden, was auch durch die gute Chartplatzierung der ersten Singleauskopplung „Geboren um zu leben“ unterstrichen wird.

Doch nicht immer ist so eine Entwicklung negativ zu sehen – im Falle von Unheilig ist die Soundentwicklung gelungen, da es eine Sammlung qualitativ hochwertiger Songs mit viel Ohrwurmpotential ist.

„Grosse Freiheit“ stellt für Unheilig ein Konzeptalbum dar – die Texte der meisten der 14 Songs (plus zwei Bonustracks in der Limited Edition) sind zumindest in irgendeiner Weise mit dem Meer und der Seefahrt verbunden. Und genau dieses Konzept wird nicht nur textlich, sondern auch musikalisch sehr gut umgesetzt:

Die „Grosse Freiheit“ ist im kompletten Album durch sehr offene, weitläufige Klänge spürbar, die einen großen Raum simulieren. Angefangen beim als Intro fungierenden „Das Meer“, welches bei über dreieinhalb Minuten Länge mehr als die erste Hälfte lang instrumental gehalten ist, wobei auch z.B. entfernte Nebelhörner von großen Schiffskreuzern eingesetzt werden, um den Effekt zu verstärken. Mit Textzeilen wie „Komm geh mit mir zum Meer um in die Welt zu sehen“ wird dabei gleichzeitig textlich ein Zyklus eingeleitet, der mit dem letzten regulären Song „Neuland“, welcher rein instrumental in Szene gesetzt wird, in der musikalischen Gestaltung dem Intro auch sehr ähnelt und deshalb nicht ohne Grund nach den Bonustracks kommt, ein Ende findet.

Die restlichen Stücke, die zwischen diesen beiden Tracks stehen, befinden sich in einer sinnvollen, abwechslungsreichen Reihenfolge und sind ohne wirkliche Ausnahme hörenswert, wobei es auch dort natürlich herausscheinende Songs gibt.

So etwa „Für Immer“, die zweite Single, die aus dem Album ausgekoppelt wurde – durch ein gesteigertes Tempo und einen leicht erhöhten Anteil der Neue Deutsche Härte-Einflüsse zieht dieser Track den Hörer stark mit und lädt in den Refrains zum Mitgehen ein – trotz der vielleicht eher traurigen Thematik des Textes.

Einer der stärksten Ohrwurmkandidaten auf „Grosse Freiheit“ ist jedoch das Lied „Fernweh“: Dieses ist nicht nur dem Titel nach für ein Seefahreralbum überaus passend, stellt das Fernweh (im romantischen Sinne) doch eine der Hauptmotivationen zum Seefahren dar. Auch ist die musikalische Umsetzung hochklassig – die sphärischen Strophen mit einem dezent und spärlich, aber sehr effektiv eingesetzten E-Piano-Effekt stehen im starken Gegensatz zum eher rockigen, eingängigen Refrain und machen das Stück so zu einem absoluten Höhepunkt auf dem Silberling.

Alles in allem sind Unheilig mit „Grosse Freiheit“ zwar massentauglicher und damit auch kommerzieller geworden, allerdings trübt dies nicht die Qualität der Songs. Zwar hat das Album einen eindeutigen Anfang und ein eindeutiges Ende, diese hängen aber auch zusammen, was ein mehrmaliges Hören der CD sehr leicht macht – auch ein neues Land will man schließlich irgendwann wieder verlassen. Für mich persönlich ist die Platte eine der besten dieses Jahres bis jetzt – reinhören sollte man auf jeden Fall.

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