Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Undertow: Don´t Pray To The Ashes...

Geniale Songs im thrashigen Alternative-Gewand
Wertung: 8.5/10
Genre: Alternative Metal
Spielzeit: 51:17
Release: 15.01.2010
Label: Prevision Music

Seit mehr als 16 Jahren, nämlich seit Ende 1993, sind die süddeutschen Undertow nun schon in musikalische Aktivitäten verstrickt, haben in dieser Zeit konstant alle zwei bis drei Jahre ein Album aus dem Ärmel geschüttelt und es so bisher immerhin auf fünf Veröffentlichungen gebracht. Damit haben die Schwaben nicht nur länger durchgehalten als manch andere Band, sie haben auch konstant ihr Liedgut unter den Menschen verstreut. Das sechste Werk „Don´t Pray To The Ashes…“ steht seit Januar in den Läden – was kann man also von einer Combo erwarten, die schon im Jahr 2000 auf der „The South Shall Rise Again“-Tour mit Bands wie Soilent Green und Crowbar unterwegs war, ihre Labelkollegen von End Of Green supporten durfte und eine komplette Europatour mit Pro-Pain bestritten hat?

Richtig, einiges. Das Trio aus Drummer Rainer, Bassist „UnderTom“ und Sänger und Gitarrist „Joshi“ schreddert so ordentlich drauflos, dass das Prädikat „Alternative Metal“ fast schon wie eine Verarsche rüberkommt. Dabei verlieren die Drei allerdings fast nie ihren Sinn für eindringliche Melodien und geniales Riffing. Die Schwaben feuern aus allen Rohren und wälzen sich geradezu in einprägsamen Arrangements und teils recht thrashigen Songs.

Einer dieser Brocken wird dem irritierten Hörer direkt nach dem kurzen Intro um die Ohren gehauen: „The Bitter Taste“ entpuppt sich mit seinen schreddernden Gitarrenwänden als straighter Arschtritt-Metal, etwas zu sehr Old School für meinen Geschmack, aber durchaus zu dem einen oder anderen alkoholischen Getränk zu genießen. Mit „Art Of Falling“ wird der Alternative Metal geradezu auf ein neues Level gehoben: Joshi klingt teilweise stark nach Chad Gray von Mudvayne, der Song schlägt ungefähr in die Richtung der Amis, haut aber durchaus etwas mehr rein.

Mit einem leicht an Pantera erinnernden Gitarrenintro startet gleich darauf „Still Waiting“, das sich als ein absolut genialer Song entpuppt: Der hypnotische Gesang in den Strophen steigert sich zu purer Verzweiflung im Refrain und ganz ehrlich, hier wäre es sogar egal, wenn jemand im Hintergrund Akkordeon spielen würde – der Gesang ganz alleine macht dieses Stück aus, die Instrumentals sind nur nettes Beiwerk. Dabei ist es faszinierend, dass Joshi durchaus nicht jeden Ton hundertprozentig trifft und sein Gesang trotzdem nahezu perfekt klingt (zum Beispiel beim leicht thrashigen „Threedouble Chime“).

Wenn man schonmal auf so berühmte Kollegen wie End Of Green zurückgreifen kann, nutzt man das natürlich aus; Undertow krallten sich Sänger und on-stage-trotz-Rauchverbot- Raucher Michelle Darkness (der neben End Of Green auch bei seinem Zweitprojekt BuryMeDeep düster-depressive Klänge verbreitet) für den Song „Beyond Dreaming“ – heraus kommt ein gotisch angehauchtes Klavierintro, bevor nach der ersten Strophe, die Michelle und Joshi sich gesanglich teilen, überraschend dominante Drums auftauchen, die das Ganze stellenweise fast in Depressive Suicidal Black Metal abgleiten lassen. Eine etwas experimentelle Nummer, die zum Glück völlig eigenständig klingt und nicht, wie zuerst befürchtet, ein schieres Abkupfern bei End Of Green bedeutet.

Zum Schluss wird nochmals die Thrash-Keule ausgepackt; ich schaue konsterniert auf die Anzeige, sehe knapp 13 Minuten und wundere mich über ein so lang geratenes Thrash-Stück. Doch weit gefehlt: Während Joshi auf dem schnellsten Song der Platte heiser vor sich hin schreit und seine Gitarre misshandelt, herrscht nach knapp drei Minuten plötzlich Schweigen. Minutenlang passiert gar nichts, dann wird die elektrische gegen die Akustikgitarre eingetauscht, ein Barhocker herangezogen (stellt man sich zumindest vor) und ein langsamer Song vorgetragen, der von der Dynamik her ein bisschen an Staind erinnert. Einen besseren Abschluss für eine solche Platte kann es kaum geben: Undertow gehören mit ihrem neuen Album für mich definitiv zu Überraschungen des Jahres!

comments powered by Disqus

Fantastisches Open-Air, bei dem alle um die Wette strahlen

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging