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Undertow: Bipolar

Eine dringende Empfehlung für - eigentlich jeden
Wertung: 9,5/10
Genre: Metal
Spielzeit: 46:32
Release: 07.07.2022
Label: El Puerto Records

Fast 30 Jahre als Band, das muss man erst mal schaffen – Chapeau an dieser Stelle an die Herren aus Heidenheim, die im fernen Jahre 1993 auszogen, sich aktiv in der Metal-Community zu beteiligen statt nur vor der Bühne zu stehen.

Mit „Bipolar“ steht nun die neunte Full-Length-Scheibe der Band kurz vor der Veröffentlichung, der letzte von uns unter die Lupe genommene Output „Don‘t Pray To The Ashes...“ ist immerhin auch schon zwölf Jahre alt (Asche auf unser Haupt), in der Zwischenzeit haben die Süddeutschen mit „In Deepest Silence“ und „Reap The Storm“ ja nochmal zwei Alben rausgehauen. 2010 gab es bei uns schon an der Spitze kratzende 8,5 Punkte – mit ihrer groovig-düsteren Mischung diverser Metalstile konnten Undertow schon damals punkten.

Auch heute lässt sich das Quartett nicht gerne in Schubladen stecken, aber man muss es auch gar nicht mehr versuchen. Metal, ja, und wenn man sich vor allem in den düstereren Subgenres wohlfühlt, ist man hier zumindest mal gut beraten. Nicht umsonst wurde „Bipolar“ (erneut) von End Of Green-Sänger Michelle Darkness abgemischt.

Entsprechend des Titels der neuen Scheibe bilden gleich die ersten beiden Tracks zwei Seiten einer (musikalischen) Medaille: Einerseits leitet „When Tears Became Scars“ die Platte direkt mit Klavierklängen und einer bedrückenden Atmosphäre ein, woraus sich schließlich eine fast neunminütige, am ehesten an Doom Metal erinnernde Nummer schält, komplett mit rauem Klargesang von Fronter Joschi und basslastiger Bedrohlichkeit. Die erste Single „On Fire“ kommt da einem Schlag in die Fresse gleich: rasante Gitarren und galoppierendes Schlagzeug, keifige Vocals und bei all dem ein fast ohrwurmiger Refrain – so richtig gerechnet hatte man damit jetzt nicht, was den Track nur umso geiler macht. Wer aber meint, dass hier noch stumpf drauflos geknüppelt wird, sollte sich auf jeden Fall bis zum letzten Songdrittel gedulden, wo ein cleveres Melodie-Intermezzo nochmals die Aufmerksamkeit fesselt – und auch ein bisschen Gänsehaut produziert.

Neben „On Fire“ haben Undertow noch ein ganzes Paket an unterschiedlichsten Abrissbirnen in petto: Während „Call Of The Sin“ oder auch „Unstoppable“ ziemlich old school drauflos brettern (vor allem letzteres mit sehr beeindruckendem Schlagzeugspiel), wälzt sich „The Longest Breath“ zäh wie Schleim durch die Boxen und begräbt der Einfachheit halber alles unter sich, was sich ihm in den Weg stellt, wobei zwischendurch immer wieder Fahrt aufgenommen wird, um auch die letzten Widerständler niederzumähen.

Verschnaufpausen kann man aber auch von den weniger flotten Stücken nicht erwarten. Unfassbar gut alleine schon, wie eindringlich die Vocals in „Shadows“ gestaltet sind; von Flüstern bis zu heiserem Gesang ist alles dabei, steigert sich stetig und gibt dem Track so eine nur umso drängendere Komponente. „I Remain“ bildet dann ein nahezu perfektes Finale mit einem in Akustikgitarren gekleideten Song, der eine gewisse Grunge-Kante aufweist und nur noch mal zeigt, was für einen abwechslungsreichen Sänger Undertow da in vorderster Front stehen haben. Die Gänsehaut macht hier Überstunden.

Toll, wie eine Band nach 29 Jahren Schaffensphase noch die Leidenschaft aufrecht erhalten kann und sich trotz des sehr weitgefassten Genreprädikats nicht in Stilkombinationen verliert. Undertow sind straight, aber auch hymnisch, fast episch teilweise, vor allem in den ruhigeren Songs. „Bipolar“ wird seinem Titel mehr als gerecht. Die Platte ist schon vorbestellt – danke für diese Musik!

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