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Umbra et Imago: Opus Magnus

Gelungener Schwanengesang läutet das Ende einer Ära ein
Wertung: 9.5/10
Genre: Gothic Rock
Spielzeit: 54:04
Release: 02.07.2010
Label: Indigo

Nach zwei Dekaden angefüllt mit Fetischismus, Dekadenz und Provokationen hat nun das Schicksal auch vor der Gothic-Rock Formation Umbra et Imago nicht Halt gemacht. Zwar lösen sich Umbra nicht auf, wie Mozart, Sänger und Kopf der Band, ausdrücklich den überall aufkeimenden Trennungsgerüchten widerspricht, doch wird es nach eigenen Angaben kein weiteres Album aus der Klangschmiede von einer der wohl polarisierenden Bands überhaupt mehr geben.
Mag der Albumtitel „Opus Magnus“ („Großes Werk“) zwar ein wenig blasphemisch klingen, doch werden Umbra den hohen Erwartungen, welche der Titel suggeriert, durchaus gerecht:

Bereits das erste Lied, „Ohne Dich“, erweckt ein erhebendes Gefühl beim Hörer; denn obwohl Liebeslieder eher untypisch für die hardrockerischen Umbra sind, so wirkt dieses Lied so,  als hätten Umbra in den vergangenen Jahren nie etwas anderes getan, und fügt sich somit nahtlos in das große Umbra-Puzzle, welches nun seinen Abschluss finden soll. Vom Rhythmus her dem ersten Stück nicht ganz unähnlich, wirkt auch „Perfect Baby“ wie ein Kunstwerk, an welchem jahrelang gebastelt wurde, um es nun in seiner Perfektion dem wartenden Publikum darzubieten.  
Einen ganz anderen Takt schlägt jedoch Lied Nummer drei, „Depressionen“, an: Hier fühlt man sich wieder ganz in die guten alten Zeiten zurückversetzt, in denen die Texte sich an der Grenze zum Index bewegten und der Refrain von melancholischen Chören intoniert wurde. Scheinbar hat man hier frei nach dem Motto „Back to the Roots“ gehandelt, und dabei gelingt es trotz der langen Zeit und den vielen durchgemachten Veränderungen von Umbra, den Hörer mit hartem, rhythmischem Gesang und treibenden Gitarren zu überzeugen.

„Gebet Nr. 1“, welches paradoxerweise erst an vierter Stelle zu finden ist, wirkt wie ein Hilfeschrei Mozarts an die Gesellschaft; „Liebeslied“, welches vielleicht die grandioseste musikalische Untermalung auf dem ganzen Album hat, wirkt leider ein bisschen kitschig; „Is this Love“ ist nach dem eher mäßigen „Kokain Song“ sehr gelungen und „Ignoranz“ erinnert wieder sehr an die Anfangswerke von Umbra.
Das gesamte Album nur kurz zu umreißen scheint unmöglich, denn jedes Lied erzählt eine andere Geschichte und ist auch musikalisch einzigartig auf dem Album vertreten. Ähnlichkeiten mögen zwar auftauchen,  doch werden diese gekonnt durch textliche Vielfalt neutralisiert.

Nach elf wirklich sehr gelungenen Stücken (von denen keines eine Spiellänge von weniger als vier Minuten hat) schließt das „Große Werk“ mit dem von Goethe geschriebenen aber von Umbra vertonten „Wanderers Nachtlied“ ab, und übrig bleibt der Eindruck von einem Album, welches zu recht die zwei Dekaden von Umbra et Imago kredenzen darf.

Abschließend lässt sich also sagen, dass der Schwanengesang von Umbra et Imago sowohl textlich als auch musikalisch außergewöhnlich gut gelungen ist und die Erwartungen von dem Titel nicht nur erreicht, sondern gar übertroffen werden. „Opae Magnae“, „größtes Werk“, wäre wohl passender gewesen, doch ist das Puzzle um Umbra nun komplett geschlossen und man kann mit Stolz sagen, dass jedes Stück an der richtigen Stelle sitzt und es eines der größten und glanzvollsten „Puzzles“ überhaupt ist!

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