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Ultimatum: Into The Pit

Old-School-Thrash mit christlichen Texten
Wertung: 7/10
Genre: Thrash Metal, Speed Metal
Spielzeit: 44:45
Release: 29.02.2008
Label: Retroactive Records

Es ist für einen sehr religionskritischen Atheisten wie mich nicht gerade einfach, ein Album einer Band zu besprechen, die mit christlichen Texten aufwartet, in denen immer wieder penetrant wiederholt wird, wie Jesus sämtliche Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, für uns am Kreuz gestorben ist und dass wir nicht nur auf die böse Wissenschaft hören dürfen und mehr Glauben zeigen müssen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass fast alle Bands, die sich das Christentum auf ihre Fahnen geschrieben haben, darauf aus sind, zu missionieren und anderen ihren Glauben einzubleuen.

Hinzu kommen in der „Thank you“-Liste auch noch peinliche Grüße an „all the military men and women putting their lives on the line to give us our freedom“. Wie können bitte Leute, die einer Religion angehören, wo es heißt “Du sollst nicht töten” und in der man die andere Wange hinhalten soll, wenn man auf die eine geschlagen wird, sich in irgendeiner Form mit dem Militär solidarisieren? – Will mir nicht in den Kopf, aber das ist wohl die typisch amerikanische, verachtenswert radikale Auffassung von Christentum.

Man muss auf der anderen Seite sagen, dass es natürlich zahlreiche Black-Metal-Bands gibt, die in textlicher Hinsicht nicht gerade zimperlich vorgehen und wenn die einen – teilweise in übelstem Schüler-Englisch und auf einem im Keller anzusiedelnden Niveau – über den zwiefach Gehörnten keifen, warum sollen die anderen dann nicht Songs über den angeblichen Sprössling des Herrn zum Besten geben? Derartige Elemente im Black Metal sind allerdings wohl eher als Rebellion denn als Missionierung anzusehen und im Metal geht es (oder ging es zumindest mal) doch schließlich auch um Rebellion. Von daher wirkt es auf mich schon irgendwie lächerlich, wenn jemand den Versuch startet, elektrisch verstärkte Gitarren und angestaubte Moralvorstellungen unter einen Hut zu bringen...

Trotzdem will ich im weiteren Verlauf dieser Rezension mal großzügig über die Lyrics hinwegsehen (mal abgesehen davon, dass ich da schon ganz andere Bands in christlichen Kreisen erlebt habe, die viel schlimmer und peinlicher waren) und zu dem Thema kommen, um das es bei der Besprechung eines Metal-Albums in erster Linie eigentlich geht: die Musik! – Die ist nämlich gar nicht so übel. Ultimatum spielen sehr Old-Schooligen Thrash, der stark in die Exodus-Richtung geht. Hier gibt es keine nervigen Hardcore-, Metalcore- oder was auch immer für überflüssige Elemente, keine Trend-Anbiederungen, übertriebenen Crunch-Sound und ähnliche Klang-Verbrechen. Hier wird gut gerockt, durch etliche Tempo- und Rhythmuswechsel einigermaßen Abwechslung erzeugt, es ertönen jede Menge filigraner Gitarrensoli (so muss das sein!), sehr häufig auch im Wechselspiel, ganz klassisch im Sinne von Maiden und Priest, obwohl bei Ultimatum im festen Line-up an sich nur ein Gitarrist – Robert Gutierrez – verzeichnet ist; allerdings wurden für zusätzliche Soli, sowie Keyboards, Backing Vocals und teilweise Drums ein paar Gastmusiker ins Studio geholt.

Schon der Opener „One For All“ jedenfalls zeigt, in welche Richtung es geht: Man startet mit einem sehr schnellen Riff, darüber erklingt eine Lead-Melodie, der anschließend einsetzende, schön dreckig herausgerotzte Gesang wird begleitet von einem äußerst Headbang-kompatiblen, typischen Midtempo-Riff und in der Mitte des Stückes wird dann das Tempo wieder angezogen und es kommen die erwähnten Gitarrensoli.

„One For All“ würde ich auch bereits als das beste Stück des Albums bezeichnen, hier sind die Trademarks, welche die CD auszeichnen, gleich in bester Manier zusammengefasst; die Struktur ist nachvollziehbar und sehr gut durchdacht, der Track ist abwechslungsreich und mit äußerst coolen Riffs ausgestattet.

Dieses Niveau kann man zwar nicht konstant halten, doch auch die weiteren Stücke können sich durchaus hören lassen: „Deathwish“ zum Beispiel ist ein hauptsächlich im Midtempo gehaltener, düsterer Stampfer, welcher zwar an sich lediglich auf einem relativ simplen Riff basiert, aber durch die Gitarrensoli und Läufe aufgelockert wird und des weiteren einen guten hymnenartigen Mitsing-Chorus beinhaltet.

Bei „Exonerate“ wiederum geht es in Sachen Geschwindigkeit ordentlich zur Sache, „Blood Covenant“ lebt von den sehr verspielten Gitarren, die teilweise sehr schön harmonisch zusammengeführt wurden und „Heart Of Metal“ ist textlich wohl so was ähnliches wie „Whiplash“ von Metallica: Eine Hymne an den Metal. Natürlich klischeehaft, werden einige sagen, aber bis auf die Zeile „feel the power rush flow from the heavens“ wenigstens frei von religiösem Firlefanz.

Das Maiden-Cover „Wrathchild“ fügt sich ganz gut ins Gesamtbild ein und die weiteren Stücke „Transgressor“, „Blink“, „Blind Faith“ und „Game Over“ schlagen selbstverständlich in die gleiche Kerbe wie die bereits oben erwähnten Songs: Gutes Headbanger-Rübe-abmontier-Futter, das zwar technisch versiert vorgetragen wird und wie erwähnt durch Tempo- und Rhythmuswechsel einigermaßen Abwechslung bietet, dennoch hätte man vielleicht gut daran getan, nicht jeden Song mit schnellem Riffing beginnen zu lassen; so hätte man das ganze Paket sicherlich noch etwas innovativer gestaltet, trotz der angesprochenen Abwechslung erzeugenden Tempo- und Rhythmuswechsel innerhalb der Songs selbst. Zumindest das ruhige, instrumentale „Into The Pit“ (übrigens doch ein ziemlich passender Titel zu unserer Internet-Seite...) lässt einen zwischendurch etwas durchpusten.

Fazit: Dennoch: Auf jeden Fall guter Stoff für Freunde des Old-School-Thrash. Ich finde zwar immer noch, dass christliche Texte und Metal nicht zusammenpassen, aber wem das egal ist, wird sicherlich gut zu der Mucke abgehen können.

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