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Ulman: Electrokustica

Überraschender Stilmix
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk/Pop/Crossover
Spielzeit: 48:34
Release: 09.03.2009
Label: Westpark Music

Seit nunmehr zwölf Jahren spielt die Familienband Ulman der drei Brüder Uhlmann ihre Vision von Folk und hat inzwischen schon einige Erfolge verbuchen können. Wie andere Musik aus diesem Genre klingen Stücke des Quartetts nämlich nicht, vielmehr wird versucht, eine Synthese aus zahllosen Stilrichtungen zu erschaffen.

Dabei hat die Band kein Problem damit, neben klassischen Instrumenten wie Bratsche, Drehleier und Flöten auch moderne Elemente wie Schlagzeug und elektronische Klänge zu verwenden. So aufwendig und unrealisierbar dieser Genremix aus Folk, Rock, Hip Hop, Jazz und zahlreichen anderen Richtungen auch klingt, so überraschend gut funktioniert er in der Praxis. Das Ergebnis fällt dabei sehr poppig aus und überzeugt durch seine Eingängigkeit. Trotzdem bieten die Stücke ein hohes Maß an Abwechslung, denn die Überraschungen, die in jedem der Songs auftauchen, sind einer der größten Trümpfe Ulmans. Teilweise ändert ein Track vollkommen unewartet seine Ausrichtung, das Tempo oder sogar sein Genre und das oft mehrmals im gleichen Song. Bei dem anderen Trumpf handelt es sich um das hohe technische Können der Musiker, denn jedes der Instrumente wird souverän und äußerst beeindruckend gespielt.

Durch diese gewaltige Genre-Vielfalt ist es auch ein wenig schwer, das Album in seiner Gesamtheit zu erfassen, denn jeder Song steht für sich. So werden bei „Fast TP“ folkige Klänge mit elektronischer Untermalung kombiniert, wodurch das Ergebnis schon fast wie der Soundtrack zu einem Fantasy-Rollenspiel klingt. Andere Stücke wie „Diegos Polska“ halten vollkommen unewartete Elemente bereit: So wartet der mittelalterlich anmutende Song plötzlich mit Uriah Heep-mäßigen Chören auf und wechselt von diesen fließend zurück zur ursprünglichen Richtung.

Diese spaßigen Wechsel beherrschen Ulman perfekt und scheuen sich auch nicht, sie oft einzusetzen. Mit „Wieder Sehen“ hat die Band beispielsweise einen Song im Reportoire, der geschickt Hip Hop-Elemente wie Sprechgesang und einen groovenden Beat mit klassischen Instrumenten verbindet. Freunde härterer Klänge werden mit „Modal Scales“ zufriedengestellt, denn hier gelingt es, ähnlich wie Coppelius ohne Gitarre einen harten Sound zu erzeugen, der sich in diesem Falle mit schwermütigen Mittelalter-Sounds abwechselt.

Gesang gibt es auf dem Album hin und wieder auch zu hören, allerdings führt dieser bis auf wenige Ausnahmen eher zu Minuspunkten. Verbunden mit den eher banalen Texten, in denen häufig nur einfache und ein wenig (gewollt?) lächerliche Phrasen wie „Elend und Blut, das ist nicht gut“ gesungen werden, hat der mehrstimmige Gesang trotz gelungener Hooklines einen gewissen Nerv-Faktor, auch wenn man das ganze eventuell als Geschmackssache abtun könnte. Gelungener sind da schon die kurzen Rap-Sequenzen oder der ein wenig an Faun erinnernde weibliche Gesang in „Elins DnB“.

„Electrokustica“ ist ein rundum gelungenes Folk-Album geworden, das jedem offen eingestellten Musikkonsumenten zumindest ein Reinhören wert sein sollte. Durch das hohe Maß an Abwechslung macht die CD lange Spaß, zudem merkt man den Musikern trotz allem technischen Können an, dass sie große Freude an ihrer Musik haben und liebend gerne experimentieren, ohne die ursprünglichen Musikrichtungen jedoch zu verspotten. Gegen Ende lässt die Platte zwar ein wenig nach und geizt mit Überraschungen, was man jedoch aufgrund der vorherigen Stücke, die allesamt frisch und abwechslungsreich klingen, gerne verschmerzt. Ein paar bessere Texte und passenderer Gesang würden der Musik Ulmans zwar nicht schaden, da die Band ihre Musik aber eh eher auf Spaß als auf Tiefgründigkeit ausgerichtet hat, bleibt ein positiver Gesamteindruck zurück.

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