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Uli Jon Roth: Under A Dark Sky

Wie eine Reise in eine andere Welt
Wertung: 8/10
Genre: Symphonic Orchestra Hard Rock
Spielzeit: 63:38
Release: 19.09.2008
Label: Steamhammer/SPV

Da ist er wieder, unser Uli Jon Roth. Hat er dieses Jahr doch in Wacken einen Gastauftritt mit Avantasia gehabt, so steht er nun mit seiner neuen Scheibe vor der Tür und bittet um Gehör. Warum nicht, der ehemalige Gitarrist der Scorpions, welcher von 1973 bis 1978 dort die Gitarre bearbeitete und auch heute noch damit wirbt, ist wahrlich kein Schlechter. Aber die heutige Musik hat nicht mehr viel mit den Scorpions gemeinsam und der wirkliche Erfolg stellte sich erst nach seiner Zeit dort ein. Keine Ahnung, warum man auf dieser nun 30 Jahre vergangenen Zeit herumreitet, das hat er eigentlich gar nicht nötig, dafür ist er zu gut.

Die Spannung wird von der ersten Sekunde an aufgebaut und hochgehalten. Das leicht beängstigend wirkende Intro von „S.O.S.“ sorgt für einen gewissen orchestralen, melodramatischen Rahmen. Über Kopfhörer klingt das Ganze, welches mit vielen kleinen Details ausgestattet ist, sehr gut, wenngleich schnell feststeht, dass dies sicher keinerlei Scheibe zum Nebenbei-Hören ist. Der Opernanteil ist hier aber wohl eher echt, als einfach nur ein Aufspringen auf den durch Paul Potts angefachten Erfolgszug. Nein, hier fühlt man die Verbundenheit, auch wenn mir der Gesang teilweise nicht so recht munden will.

Ohne Unterbrechung geht es zu „Tempus Fugit“ über, welches den eingeschlagenen Weg konsequent weitergeht. Nicht schlecht, aber irgendwie kommt Uli nicht so wirklich vor und man fragt sich schon fast, ob man vielleicht die falsche Scheibe eingelegt hat.

Dies ändert sich dann mit „Land Of Dawn“, welches aus drei Teilen besteht. Mark Boals (ex- Malmsteen, Royal Hunt) teilt sich hier die Vocals mit Liz Vandall (ex- Sahara). Und so leid es mir auch tut, Mark wirkt hier absolut nicht authentisch, man hört zu jeder Zeit raus, dass es sich um eine Projektarbeit zu handeln scheint. Liz liefert mit ihrem Gesang neben der brillianten Gitarrenarbeit vom Meister und den wunderschönen Melodien was anderes ab. Nur so gerät der Song mit seinen wunderschön verträumten Mittelteil „Land Of Dawn“ zu einem kleinen Highlight, eben mit diesem kleinen Makel. Marks Gesang passt sich dann glücklicherweise etwas an und gerät deutlich feinfühliger im Schlusspart „Lion Wings“.

„The Magic Word” ist dann das erhoffte starke Stück, welches auch mal richtig deutlich die Gitarre in den Vordergrund rückt. Der tiefe Gesang von Liz weiß mehr als nur zu überzeugen. Bester Old School Hardrock mit gewissen Symphonic-Charme. Klasse Solo, welches da rausgehauen wird. Mehr davon, bitte.

„Inquisition“ ist eigentlich nur ein kurzes aber gute Instrumental, bevor es dann mit „Letter Of The Law“ in die Vollen geht. Etwas abgehackt, aber mit viel Charme und sehr gut ausarrangiert geht der Song, zwar klassisch beeinflusst, aber dennoch schön rockig von dannen. Uli begibt sich auch mal ans Mikrofon und zeigt, wenn auch recht zaghaft, dass er eigentlich viel mehr von seiner Stimme auf dem Album hätte einbringen sollen.

„Stay In The Light“ sammelt weiterhin Punkte und ist wieder etwas verträumter angelegt. Der Rhythmus sorgt für gefälliges Kopfnicken und die Stilwechsel sorgen für ausgesprochene Kurzweile. Immer wenn es dann ruhiger wird und Uli seine Gitarre sprechen lässt, wird es richtig warm ums Herz.

„Benediction“ wird dann einfach genial verträumt vom Skyorchester und Uli`s Skyguitar dargeboten. Sehr, sehr stark, das Ganze, man wird irgendwie in diese sehr gefühlsbetonte Welt der Musik reingesaugt und entflieht dem Alltag. Und das Ganze mit einer wohligen Wärme, die das Herz umschmeichelt. Das können nicht viele, ohne dass es extrem aufgesetzt wirkt. Aber man muss sich halt die Zeit und die Muße nehmen, um sich konzentriert auf die Musik einzulassen.

„Light & Shadows“ beginnt dann schon fast mit hypnotischen Zügen. Liz zaubert mal wieder Vocals aus der Kehle, dass man einfach nur schwärmen kann. Uli und Gwen Adams sorgen für die weiteren Gesangsparts. Schade, dass die Instrumente etwas zu verhalten eingesetzt sind, sonst wäre hier sicherlich ein weiteres Highlight entstanden. Nur beim Solo stellt sich Uli ins Rampenlicht und zeigt, wie es geht.

Das Ende setzt dann das Zwölf-teilige Epos „Tanz In Die Dämmerung“, bei dem einzelne Parts (z.B. „Destination Twilight“, „Searchlights From Hell“), einfach nur genial hervorstechen, aber dann auch wieder von weniger überzeugenden Passagen („Morgenrot“, „Seelenschmerz“) ausgebremst werden. Trotzdem ein sehr passender, allumfassender Abschluss für dieses sehr vielfältige Album. Es ist immer wieder schön, wenn Uli zwischendurch mal seine Gitarre, nur von Celli begleitet, erklingen lässt und irgendwie altbekannt geglaubte Melodien anstimmt, welche aber nur eine gewisse Ähnlichkeit zu den Originalen aufweisen.

Fazit: Ein wirklich gutes, orchestrales Album, welches zu Beginn und zum Ende hin vielleicht etwas zu stark vom Orchester überrollt wird. Leider wird es nicht die verdiente Anerkennung bekommen, da es doch eher schwere Musik geworden ist. Nichts, was man im Kaufhaus spielen könnte oder gar würde. Nein, hier sollte man sich mit seinem Lieblingsgetränk in Ruhe zurücklehnen und am besten über Kopfhörer hören, um jedes unpassende Geräusch der Aussenwelt auszublenden. Man versinkt stellenweise in der erschaffenen Klangwelt.

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