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Übermutter: Unheil!

Lucilectric goes Industrial
Wertung: 8.5/10
Genre: Industrial-Metal
Spielzeit: 44:11
Release: 04.04.2008
Label: Roadrunner Records

Erinnert sich noch jemand unter euch an Lucilectric? Die ewig schaukelnde, einstige Popgöre, welche 1994 mit ihrem unsäglich dahin geträllerten „Mädchen“ die Chartspitzen eroberte? Dass sie sich ausgerechnet in industrielle Gefilde begibt, hätte zu jener Zeit wohl niemand auch nur im Ansatz gedacht. Und doch: Lucy van Org, Anno 2008, zeigt sich mit ihrer „post-feministischen FeMetal“ - Truppe Üebermutter deutlich gereift und in völlig neuem Klanggewand. Und wie schon zu Zeiten von Lucilectric hat Lucy van Org immer noch sichtlich Spaß daran, mit ewigen Klischees und wahnwitzigen Provokationen zu spielen.

Zudem handelt es sich um ein in jeder Hinsicht hervorragend durchgestyltes und perfekt promotetes Projekt, welches sich konzeptuell ganz der „Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft“ unterwirft. Und da es thematisch nicht gerade zimperlich zugeht, fällt auch die musikalische Umsetzung dementsprechend brachial aus, untermalt von Lucy van Orgs pathetisch-kräftigem Gesangsorgan, welches durch ein Nina-Hagen-haftes „Rrrrrr“ besticht. Von Kindesmissbrauch über sexuelle Unfreiheit bis hin zur Degradierung der Frau als reines Lustobjekt, ist „Unheil!“ ein gesellschaftskritischer Rundumschlag, der durch seinen bitterbösen Sarkasmus zu überzeugen weiß und vielfach interpretiert werden kann.

Musikalisch ist eine Anlehnung an die unsägliche „Neue Deutsche Härte“ unverkennbar. Kein Wunder also, dass durchwegs Parallelen zu Rammstein zu erkennen sind, zumal Übermutter auch durch die lyrisch ausdrucksstarke und metaphorisch dichte Bildsprache auffallen. Im Einklang mit dem verstörend wirkenden Textkonzept, liefert die Truppe passenderweise ein martialisch inszeniertes musikalisches Grundgerüst. Knüppelharte, meterhohe Gitarrenwände treffen auf ein peitschend vorantreibendes Schlagzeug, gepaart mit undurchschaubaren, kühlen Synthies, die auch den ein oder anderen Ohrwurm-Charakter für sich beanspruchen können. Das lyrisch recht derbe und mit schwarzem Humor nur so gespickte „Heim und Herd“ z.B. ist in dieser Hinsicht besonders hervorzuheben, welches sehr deutlich die hervorragenden Gesangskünste von Lucy van Org zur Geltung bringt. Die Vielseitigkeit ihrer 3-Oktaven umfassenden Stimme zeigt sich auch in der Ballade „Wein mir ein Meer“. Mal wunderbar sanft und einfühlsam, mal bretthart und kräftig und manches Mal auch herrlich schräg. Hier vergebe ich einen ganz klaren Pluspunkt.

Weniger überzeugen können die Songstrukturen, welche alle nach demselben Schema aufgebaut und deshalb arg berechenbar daherkommen. Neben absolut eingängigen und mit hohem Widererkennungswert versehenen Songs, gibt es zudem auch einige Stücke die kompositorisch nicht ganz auf der Höhe sind. So wirkt „Mutterherz“ stellenweise noch ein wenig unausgegoren und nicht zu Ende gedacht, kann aber durch einige schmucke Effekte und eine hohe Spannungslinie dennoch überzeugen.

Gut, über das Artwork und die martialische Präsenz der Gruppe kann man sicherlich streiten und hier werden sich wohl die Geschmäcker spalten, aber letztlich bewerte ich nur die musikalischen Qualitäten und die treffen genau meinen Geschmack. Und auch wenn es das alles schon gegeben haben mag, so ist es doch das überaus interessante Grundkonzept und die durchdachte Produktion, die mich zu solch einer hohen Bewertung verleiten lassen. Üebermutter ist intelligente Unterhaltungskost, die jedoch mit Sicherheit polarisieren wird.

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