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Übergas: Wir Sind Ready To Fight

Knüppeldicker Metal mit deutschen Texten
Wertung: 7.5/10
Genre: Metal/Crossover
Spielzeit: 51:32
Release: 01.10.2010
Label: Kirchhoff Recordings/Intergroove

Kann es für einen Musikjournalisten etwas Schöneres geben, als sich im Opener einer Platte direkt mal nach allen Regeln der Kunst beleidigen zu lassen? Nun, offen gestanden: ja. Aber da Übergas aus Hamburg offenbar einen kolossalen Hass auf genannte Berufsgruppe haben, muss man sich eben mit Zeilen wie „Du bist so cool, hast du auch Abitur?/Deine Artikel sind ja Leidenschaft pur!“ und „Mach du erstmal Musik und ich schreib dann mal“ arrangieren. Achja, die armen, unverstandenen Künstler. Warum verschicken die überhaupt noch Promoexemplare?

Jedenfalls sitze ich jetzt da, ausgestattet mit einer angeborenen Deutschrockallergie, und darf mir „Wir Sind Ready To Fight“ zu Gemüte führen – immer unter dem Damoklesschwert der ebenfalls im Opener ausgesprochenen Drohung: „Wir hätten Lust, bei dir vorbeizuschaun/und dir mal eben auf die Fresse zu haun.“ Na toll.

Zum Glück alles halb so wild, denn wie Übergas in „Das Beste Aus Zwei Welten“ treffend bemerken: „Wir sind besser als du glaubst.“ Tatsächlich hat das Trio qualitativ wirklich was auf dem Kasten, weshalb man ihnen das offen zur Schau getragene, übergroße Ego gerne verzeiht. Die bretternden Riffs, die die Band ihren Songs als Fundament spendieren, sprechen eine deutliche Sprache, drücken aggressiv nach vorne und unterstützen die rotzig vorgetragenen Texte aus Feder und Kehle von Fronter Krispin Kirchhoff hervorragend. Der nimmt in seinen Aussagen kein Blatt vor den Mund, was ihn hin und wieder in Onkelz'sche Pathosgefilde abdriften lässt, im Großen und Ganzen aber mit erstaunlich wenig Fremdschämen über die Bühne geht.

Zwar geht einem die aufwändig nach außen gekehrte, plumpe Gewaltbereitschaft, die hin und wieder in den Lyrics auftaucht,  irgendwann auf die Nerven. Mit Songs wie „Wir Feiern Uns Selbst“ und „Lustig“ finden sich aber auch einige zynische Alltagsbeobachtungen, die durchaus amüsant aufgegriffen und verarbeitet werden.

Die wirkliche Stärke von „Wir Sind Ready To Fight“ ist aber ganz klar in der Instrumentalarbeit zu suchen. Die vielseitige, aus Heavy Rock, Thrash Metal und Crossover zusammengeklaubte Riffarbeit baut in Verbindung mit energisch und unnachgiebig dreschenden Drums ein Maximum an Druck auf, was bestens zur Harte-Jungs-Attitüde der Band passt. Textzeilen wie „Ich glaube nicht an das und dies/Ich glaube nur an böse Energie!“ erhalten eben erst durch die bitterböse Gitarrenwand im Hintergrund ihren echten Inhalt. „Böse Energie“ geht aber ohnehin als Paradebeispiel für einen durch und durch gelungenen Übergas-Song durch, denn auch in Sachen Songwriting hat man hier mit einem schleppenden Lärmsolo-Part und dynamischen Spielereien mehrere Asse im Ärmel.

Insgesamt kann „Wir sind Ready To Fight“ ein paar Highlights und ansonsten viel eher unauffälliges Mittelmaß aufweisen. Das generelle Konzept „Hartmetall plus deutsche Texte“ geht grundsätzlich auf, jedoch nicht ganz ohne Längen: „Unsere Wege“ und „Diese Nacht“ können nur eingeschränkt gefallen und „Am Ende Bleibt Euch Nichts“ schielt für meinen Geschmack ein Stück zu stark in Richtung Onkelz.

Und dann ist da noch „Immer“. Nach zwölf harten, kompromisslosen Brechern packen Übergas eine mit Synthiestreichern überfrachtete Ballade ans Ende der Tracklist, in der Krispin seinem heranwachsenden Sohn in kitschigen Bildern mitteilt, dass er „immer für dich da“ ist. Nicht nur, dass der Track absolut schmalzig geraten ist; er fügt sich auch äußerst schlecht ins Gesamtkonzept ein. Aber gut, Rockballaden sind ohnehin immer hochgradig Geschmacksfrage und die Einsicht, dass derselbe Mann, der eben noch in „Zahltag“ den über Leichen gehenden Schuldeneintreiber gemimt hat, auch in zärtlichen Tönen über seinen Spross singen kann, nimmt der Platte vielleicht ein bisschen von ihrer etwas aufgesetzten (textlichen) Härte.

Unterm Strich steht mit „Wir Sind Ready To Fight“ eine musikalisch gelungene und textlich geschmacksabhängige Deutsch-Metal-Platte in den Regalen, mit der Fans härterer Klänge einige schöne Stunden verbringen dürften. Ob es auch für die Verwirklichung der von der Band initiierten „Mission Platin“ reicht, bleibt abzuwarten.

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