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U.D.O.: Steelhammer

Viel gewagt, teilweise die Lorbeeren eingesackt, bei der Ballade verkackt
Wertung: 7/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 61:40
Release: 24.05.2013
Label: AFM Records

Nichts ist so beständig wie der Wandel – nun hat er auch bei U.D.O. mit aller Macht zugeschlagen, denn nachdem der langjährige Weggefährte Stefan Kaufmann aus gesundheitlichen Gründen das Metalsegel streichen musste, ist auch der seit vierzehn Jahren bei der Band aktive Gitarrist Igor Gianola verlustig gegangen. Nun ja, neue Besen und so, könnte man jetzt meinen, doch nicht immer sind solch gravierende Änderungen das Nonplusultra, zumal Stefan ja in der Vergangenheit auch für die Produktionen zuständig war.

Auffällig auf „Steelhammer“ sind sofort zwei Dinge: Zum einen ist der Sound wieder ein wenig weg von der sterilen Produktion, was man gleich am deutlich wärmeren Schlagzeug ausmachen kann, zum anderen ist die Bandbreite beim Songwriting noch ein kleines bisschen mehr ausgedehnt worden. Dabei zünden hier nicht alle Ideen wirklich, denn so manch ambitionierter Einfall ist in den Kinderschuhen stecken geblieben.

Da wäre z.B. die unsägliche Ballade „Heavy Rain“, die mit dem tasteninspirierten „Barfuß“-Start dem Titel nicht so ganz gerecht wird, hätte man doch ein wenig mehr Schwermut erwartet, auch wenn die Flöten und Geigen einen warmen Spannungsbogen anlegen. So richtig in die Hose geht dann aber der Anfang von „Devil’s Bite“, wenn U.D.O. den Atari-Computer einbauen – einfach schrecklich, nicht antiquiert, sondern schlichtweg überflüssig. Dabei sägen die Gitarren recht ordentlich, das leicht progressive Drumming sowie Udos Reibeisenstimme harmonieren perfekt und auch der Refrain mit den Hintergrundchören im klassischen Accept-Stil passen wie die Faust aufs Auge, aber nochmals: Der Atari-Sound ist einfach vollkommen überflüssig.

Mit dem Titeltrack „Steelhammer“ liefern U.D.O. aber auch genau das, wonach der Teutonenstahlfan mit Blick nach Solingen giert – eine herrlich bratende, fett sägende, gitarrendominierte Powerfausthymne allererster Kajüte, vor allem das Gitarrensolo lässt einmal mehr des Fans Mundwasser zusammenlaufen. „Metal Machine“ ist ebenfalls das, was es verspricht: Eine Riffwand mit aggressiv bratenden Gitarren, nicht zu schnell, aber immer direkt in des Metallers Magengegend, wo schon zuvor der Midtempostampfer „A Cry Of A Nation“ erste Hämatome hinterlassen hat.

Richtig stark kommen U.D.O. daher, wenn sie das Tempo deutlich mehr anziehen und wie ein feister Punch mitten ins Gesicht zielen: „Death Ride“ zum Beispiel, ganz sicher keine Ausgeburt an innovativer Stahllegierung, aber dermaßen auf den Punkt gebracht, dass der Udo-Fan freudig aus der Lederhose schnippt und wegen des ebenfalls stark davon preschenden „Stay True“ – wahre Worte übrigens – auch gleich die Kutte hinterher wirft. Mit „Basta Ya“ fügen sie einen leicht schmissigen Metalcharakter hinzu, sehr interessant auch, wie uns Udo einen auf Spanisch macht und typische Acceptsche Chöre einbaut, auch wenn ein wenig der Inhalt des sozialkritischen Textes wegen der Sprachbarriere flöten geht – aber statt „jetzt reicht es“ steht hier eher ein „mehr davon“ auf dem Notizzettel.

Und wenn U.D.O. im Vorfeld haben fallen lassen, dass die „Steelhammer“-Scheibe sehr abwechslungsreich sein soll, so wollen sie das mit dem Rausschmeißer „Book Of Faith“ wohl nochmals besonders unterstreichen. Vor dem Auge zeichnet sich ein Bild, wie Udo in James-Bond-Manier Finger schnippend über die Bühne steppt, im Hintergrund diverse Tänzerinnen mit Hut und Stock die Szenerie untermalen, bis das Orchester – Accepts „Shades Of Death“ lässt grüßen – den düsteren Riffstampfer etwas auflockert – ganz großes U.D.O.-Kino.

Viel gewagt, teilweise die Lorbeeren eingesackt, so das Fazit für U.D.O.s „Steelhammer“. Trotz oder gerade wegen der Line-Up-Wechsel haben sich einige frische Ideen eingeschlichen – besonders seien hier das starke orchestrale „Book Of Faith“ oder der spanische Leichthappen „Basta Ya“ zu erwähnen. Neben einige schnelleren Dampfhämmern der Marke „Death Ride“ oder der Powerfaust-Hymne schlechthin, „Steelhammer“, glänzen halt nicht alle Ideen bis hin zum Totalverweigerer „Heavy Rain“ – unter Strich solide bis gut, der Fan wird es mögen.

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