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UDO: REV-Raptor

Schön, dass man sich auf U.D.O. verlassen kann
Wertung: 8.5/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 51:10
Release: 20.05.2011
Label: AFM Records

Die Metal-Szene wird von Mitläufern, Nachahmern und Originalen geprägt, und das auch schon seit den ersten Werken weit zurück in den Achtzigern. Udo Dirkschneider gehört ohne Frage zu den prägenden Originalen, und seit 1987 verwöhnt er immer wieder die teutonischen Edelstahlseelen auf diesem Globus. Und ist es wirklich schon wieder zwei Jahre her, dass U.D.O. mit „Dominator“ ein wiederholt erfolgreiches Album betourten?

Nun, im Mai 2011 dürften sich für U.D.O. insofern die Maßstäbe verändert haben, dass Accept aus dem Stand fetten Erfolg mit der Reunion einfahren konnten und sich Udo Dirkschneider so immer wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert sieht.

Spannend war da im Vorfeld die Frage, wie denn U.D.O. mit einer möglicherweise veränderten Erwartungshaltung umgehen würden, ob sie einen modifizierten Sound bevorzugen oder aber resignierend ein Pflichtscheibchen einspielen. Den Metalzahn kann man dann auch gleich getrost ziehen: U.D.O. bleiben U.D.O. – true bis in die Tarnbuchse, dem eigenen Sound treu. Natürlich werden einige Nörgler einmal mehr den Gitarrensound bemäkeln – zu clean, zu überproduziert, zu wenig erdig und zu viel Studioverbesserei. Die Fans aber werden durchweg aufschreien und rufen: Ja, genau so lieben wir doch unsere U.D.O..

Welche Marschroute U.D.O. denn vorziehen, machten sie ja schon auf der Anfang April veröffentlichten EP „Leatherhead“ deutlich. Der EP-Titeltrack ist natürlich ebenfalls auf „REV-Raptor“ zu finden – ein schwergewichtiger Teutonenstampfer mit Hymnenqualität für den nächsten Pommesgabelrausch – und auch „Rock´N´Roll Soldiers” wuchtet wie schon auf der EP mit brachialer Machart – typisch U.D.O.

Schon allein an diesen beiden Beispielen kann man die Zeitlosigkeit der Songs festmachen – U.D.O. spielen genau das was die Fans haben wollen – nur keine großen Experimente, sondern lieber gewohnte Kost wie eh und je – nur auf einem Niveau, das viele Bands nimmer erreichen werden.

Mit hohem Gitarrenbratfaktor und vor allem einem Edelstahl-Gitarrensolo hämmert der Titeltrack „REV-Raptor“, Udos Vokalwaffe schneidet noch immer und ist wie scharf wie sonst auch in mehr als drei Dekaden puren Metals – ein Statement an die eigene Bodenständigkeit und die pure Negation aller Trendanbiederei. Auch „Renegade“ gehört zu den empfehlenswerten Midtempo-Stampfern, ein Riff nach dem anderen tönt im Dauerfeuer, die Drums hämmern sich direkt durch ins Epizentrum Hypothalamus, „Terrorvision“ holzt gleich so fett durch das Unterholz wie eine wild gewordene 2000 PS-Walze, und auch „Motor-Borg“ legt mit knackigem Up-Tempo-Beat die typische U.D.O.-Messlatte noch ein Stückchen höher.

Doch U.D.O. stehen auch immer wieder für sanftere Töne, und davon gibt es dann auch etwas auf „REV-Raptor“ zu hören. Das eher balladesk arrangierte und selbstreflektierende „I Give As Good As I Get“ lahmt allerdings, kommt trotz des gefühlvoll schmachtenden Gitarrensolo nicht wirklich aus den Hufen, und zum ersten Male wird die Magie des Albums ein wenig getrübt. Das ebenfalls schleppende „Days Of Hope And Glory“ hat dagegen schon mehr Biss und trumpft mit einem Refrain auf, der perfekt zum Mitsingen geeignet ist.

Auch 2011 stehen U.D.O. für hymnenhafte und teutonische Metalstampfer, lassen jedwede Trendanbiederei links liegen und kopieren zum Glück auch nicht das Accept'sche Erfolgsrezept. Zwar haben sie mit dem balladesken „I Give As Good As I Get“ eher banale Langeweile vertont, doch die Smasher „Renegade“, „REV-Raptor“ oder auch „Terrorvision“ ballern jeglichen verkrusteten Schmalz au den Gehörgängen und dürften sicherlich bald auf jeder U.D.O.-Setlist stehen. Schön, dass man sich auf U.D.O. verlassen kann.

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