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Týr: The Lay Of Thrym

Objektiv betrachtet ein tadelloses Album, aber ein wenig fehlt der Spirit älterer Veröffentlichungen
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 45:56
Release: 27.05.2011
Label: Napalm Records

Zugegeben, ich habe Týr in den letzten Jahren ein wenig aus den Augen verloren und kenne eigentlich nur das famose Debüt „How Far To Asgaard“ und dessen Nachfolger „Eric The Red“. Exoten waren die Jungs irgendwie ja schon immer, denn es dürfte wohl nicht allzu viele weitere Metalbands geben, die von den Färöer-Inseln stammen, außerdem sind Týr im Folk- und Pagan-Metal-Genre ohnehin recht einzigartig und eigenständig. Wenige Combos dieser Richtung verwenden ausschließlich cleanen Gesang und weisen diese außergewöhnliche Mischung aus progressiven, folkigen und rockigen Elementen auf.

So war es zumindest früher einmal; „How Far To Asgaard“ beispielsweise enthielt allerhand progressive Elemente, die auf ihre ganz eigene Art und Weise eingesetzt wurden – fein ausgearbeitete doppelläufige Gitarrenharmonien, filigrane Soli, dazu hier und da ein Hauch von Doom-Atmosphäre, verpackt in ein Gewand aus traditionell folkigen Melodien. Führt man sich dagegen nun jedoch das neue Album „The Lay Of Thrym“ zu Gemüte, stellt man zunächst einmal etwas ernüchtert fest, dass davon leider nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist. So zumindest erscheint der erste Eindruck; erst wenn man ein bisschen mehr unter der Oberfläche kratzt, wird man entdecken, dass die Harmonics immer noch da sind, insgesamt allerdings zugunsten eines hymnischeren und simpler anmutenden Gesamtkonzepts nun deutlich weniger präsent und eher ziemlich in den Hintergrund degradiert worden sind. Das mag man begrüßen oder nicht, auf jeden Fall gebührt der Band Respekt dafür, dass sie sich im Laufe der Jahre doch deutlich geändert hat und trotzdem noch völlig problemlos unter hundert anderen Combos herauszuhören ist.

Die Melodien basieren selbstredend immer noch auf traditioneller Musik aus der Zeit der Wikinger – so jedenfalls behauptet es Bandboss Heri Joensen, denn diese Musik sei, obwohl schon gute tausend Jahre alt, nur auf Färöer wirklich erhalten geblieben, gepflegt und mündlich überliefert worden. So gesehen kann natürlich niemand so authentisch über alte Wikingergeschichten und nordische Sagen wie das Quartett aus Runavík singen. Auch textlich hat man sich wenig überraschend erneut dieser Thematik gewidmet und bezieht sich diesmal in erster Linie auf König Thrym, der dem Album den Titel gab und der Legende nach einst Thors Hammer Mjollnir stahl. Es ist schon immer wieder faszinierend, wie unglaublich viele Sagen und Geschichten aus grauer Vorzeit in jeder Kultur überliefert worden sind und dass allein in nordischer Mythologie, der sich die vier Färinger verschrieben haben, ein so großer Fundus vorhanden ist, dass der Band die lyrischen Ideen garantiert bis an ihr Karriereende nicht ausgehen werden. Das Artwork ist dementsprechend ebenfalls in gewohnt martialischer Weise gehalten.

Das ist alles schön und gut, doch ist man Anhänger älterer Outputs von Týr, mag einem „The Lay Of Thrym“, das aus acht englischsprachigen Eigenkompositionen und zwei färöischen beziehungsweise dänischen Traditionals besteht, hin und wieder etwas beliebig und mit zunehmender Spieldauer möglicherweise gar nervig erscheinen: zu viele Schunkelmelodien, zu wenig wirklich zündende Einfälle trotz zahlreicher Ohrwurmpassagen – vom progressiven Element ist nicht mehr viel zu spüren, auch wenn die handwerklichen Fähigkeiten der Protagonisten selbstverständlich nach wie vor völlig außer Frage stehen.

„Flames Of The Free“ ist allerdings ein Opener, der absolut Spaß macht: Cooles Mainriff, ein paar verspielte Sololicks, die typischen majestätischen Chöre, ein eingängiger Refrain – bei dem Stück werden die Trinkhörner vor den Bühnen in Zukunft garantiert haufenweise in die Höhe gereckt werden. Auch „Take Your Tyrant“ ist zweifellos eine Hymne vor dem Herrn (also Odin), während „Shadow Of The Swastika“ logischerweise schon durch den Titel auffällt. Es ist gut möglich, dass die Band durch die unsäglichen und völlig lächerlichen Nazi-Vorwürfe seitens der Antifa, als man sich 2008 auf einer Tour unter anderem mit Moonsorrow und Ensiferum befand, dafür inspiriert wurde.

Tatsächlich ist die Hitdichte relativ hoch, das flotte „Hall Of Freedom“ (bei dem die Doppelläufe dann doch wieder etwas stärker gefeaturet werden) besitzt eine unheimlich starke Hookline, „Fields Of The Fallen“ verbindet ein traditionelles Heavy-Metal-Riff mit einem fetten Mitsing-Refrain und sogar für einige kurze orientalische Schlenker im Solopart ist Platz. Schlecht ist hier demnach gar nichts und trotzdem fehlt irgendetwas; vielleicht ist die Angelegenheit einfach zu vorhersehbar und mitunter etwas zu geleckt für ein echtes Wikingeralbum. Außerdem kommt das Epische lediglich im Titeltrack wirklich zur Geltung, was etwas schade ist.

Objektiv betrachtet handelt es sich dennoch um ein Album, an dem es nichts Großartiges auszusetzen gibt, 7,5 Punkte sind daher immer noch drin. Übrigens gibt es auf der limitierten Auflage mit „I“ und „Stargazer“ von Black Sabbath beziehungsweise von Rainbow noch zwei Coversongs als Bonustracks, die in der Promoversion bedauerlicherweise nicht enthalten waren und auf die daher nicht näher eingegangen werden kann. Allein die Vorstellung, dass eine Gruppe wie Týr diese beiden Klassiker spielt, macht allerdings neugierig.

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