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Twinspirits: Legacy

Sehr gutes Drittwerk, bei dem die letzten fünf Tracks, die als 30-minütiges Ganzes fungieren, besonders hervorstechen
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 60:56
Release: 18.02.2011
Label: Lion Music

Es mag vielleicht nicht ganz fair sein, dass der Name Dream Theater immer wieder fällt, wenn eine Band daherkommt, die einen Sound spielt, der Prog Rock, klassischen Heavy Metal und technisches Gefrickel vereint – aber Fakt ist nun einmal, dass die New Yorker Pioniere auf diesem Gebiet waren und sind, weswegen sich jede Combo, die in diese Richtung tendiert, diesen Vergleich gefallen lassen muss.

Auch die Italiener Twinspirits haben sich dieser Spielart verschrieben, allerdings muss man sagen, dass sie definitiv eine der Bands eben jener Kategorie sind, die eine Daseinsberechtigung haben und nicht lediglich wie eine bloße gesichtslose Kopie wirken, auch wenn das Traumtheater und die ebenfalls eine Koryphäe auf dem Gebiet des Progressive Metal darstellenden Symphony X immer wieder durchschimmern. Mehr noch: Twinspirits legen mit „Legacy“ eine wirklich starke Scheibe vor, die zeigt, dass die Band trotz ihrer mehr als offensichtlichen Einflüsse um Eigenständigkeit bemüht ist und vor allem gutes, abwechslungsreiches Songwriting an den Tag legt. Das Album ist bereits das dritte in der Diskographie der Formation, nachdem man 2007 mit „Music That Will Heal The World“ das Debüt vorlegte und zwei Jahre später den in den Medien durchaus wohlwollend aufgenommenen Nachfolger „The Forbidden City“ nachschob.

Und selbst wenn einem diese beiden Platten nicht bekannt sein sollten, macht „Legacy“ auch so schon nach einem Hördurchgang deutlich, dass das Quintett über exzellentes handwerkliches Können verfügt und dass hier keine Anfänger herumfuhrwerken. Am klarsten kommt dies mittels der letzten fünf Stücke zum Vorschein, die eine Einheit und somit quasi ein ganzes 30-minütiges Mammutstück bilden – wer denkt da nicht an Epen à la „A Change Of Seasons“ (Dream Theater) oder „The Divine Wings Of Tragedy“ (Symphony X)? So manche Nachwuchs-Prog-Combo – voller Tatendrang, ihren Vorbildern nachzueifern – versucht schon mal, sich eines solchen Megaepos bereits auf ihrem Debüt anzunehmen, verliert dabei aber leicht mal den roten Faden, sodass nachvollziehbares Songwriting auf der Strecke bleibt. Nicht so im Falle von Twinspirits: Zwar hatten die Jungs schon auf ihren Vorgängerscheiben eine ganze Reihe nicht gerade kurzer Tracks am Start, doch ließ man sich Zeit, um mit einer ambitionierten Komposition dieses ausufernden Kalibers aufzuwarten.

Die fünfteilige, musikalisch insgesamt recht düstere „The Endless Sleep“-Suite, die textlich eine Fantasystory behandelt, in der sich der Hauptcharakter mit einem übernatürlichen Wesen konfrontiert sieht, das ihm erklärt, er spiele in einer Art zweitem Leben nach seinem Tod eine wichtige Rolle als Messias des zweiten Milleniums, ist tatsächlich sehr durchdacht und nicht eine bloße Aneinanderreihung von Ideen, um einen möglichst langen Track zu haben und auf Teufel komm raus „proggy“ zu wirken. Eingeleitet wird die Suite von einem zweiminütigen Vorspiel, das ausschließlich orchestral dargeboten wird und bei dem bereits einige Motive auftauchen, die auch später wieder verwendet werden – hier zeigt sich also gleich, dass die Jungs Ahnung davon haben, wie man ein solches Opus aufbaut. Im Folgenden wird alles geboten, was das Progger-Herz begehrt: Vom an Symphony X zu „V“-Zeiten erinnernden „What Am I Supposed To Do“ über den verfrickelten Titeltrack „Legacy“, der zahlreiche Breaks zu bieten hat, das dramatische, einfach nur hammermäßige „I’m Leaving This World“ (Killer-Chorus!) bis hin zum bombastischen, deutlich positiver tönenden Finale „Tell Me The Truth“ – absolut beeindruckend, was die Band zu bieten hat.

Dabei sollen die vorigen sechs Stücke hier gar nicht unter den Tisch fallen, die etwas kompakter und dennoch ebenfalls recht progressiv ausgefallen sind. Der Midtempo-lastige Opener „Senseless“ vereint sämtliche Prog-Tugenden in acht Minuten, die mit starken Refrains gesegneten „Pay For Their Art“ (hier will man ganz offensichtlich der Internet-Community, die sich für lau via Torrent und Konsorten Alben herunterlädt, ins Gewissen reden; da haben die Jungs ja auch nicht unrecht) und „Slave To This World“ dürften die wohl eingängigsten Songs geworden sein, und „Don’t Kill Your Dreams“ scheint etwas kitschig zu beginnen, entpuppt sich letztlich aber als solide Halbballade mit coolen Einfällen wie einer lässigen Slide-Gitarre.

Ein weiterer Pluspunkt von Twinspirits ist außerdem noch ihr Frontmann. Irgendwie existieren eine ganze Menge Prog-Bands, die unfassbar begabte Instrumentalisten in ihren Reihen haben, aber mit einem durchschnittlichen Sänger bestückt sind – auch das ist bei dieser Combo anders: Mit dem Schweden Göran Nyström, der sich seit 2008 im Line-Up befindet, hat man einen absoluten Volltreffer gelandet, da seine Stimme grundsätzlich melodisch klingt, aber in entscheidenden Momenten auch die nötige, rockige Power besitzt. Er trägt auf jeden Fall seinen Teil dazu bei, dass das übrigens sehr amtlich produzierte „Legacy“ verdiente 8,5 Punkte einfährt.

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