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TWINS: soon

Insgesamt noch zu unruhig
Wertung: 6,5/10
Genre: Post-Hardcore, Noise Rock, Indie Rock, Screamo
Spielzeit: 28:48
Release: 14.02.2020
Label: Through Love Records

TWINS sind eine ungewöhnliche Band. Man muss sich nur mal anschauen, aus welchen Zutaten das Debütalbum „soon“ zusammengefrickelt wurde: Es treffen sich Indie und Noise, Screamo und Post-Hardcore, gespielt von vier Herrschaften, die zum Teil bereits mehrjährige, zum Teil überhaupt keine Banderfahrung vorweisen können. Entsprechend ist „soon“ eine Platte geworden, die man keineswegs als „leichte Kost“ bezeichnen sollte, viel zu steinig ist der Weg, den die Musiker auf einer knappen halben Stunde Spielzeit beschreiten.

Wer Tanzbares sucht, ist hier größtenteils verloren, denn TWINS haben ein Händchen dafür, in scheinbar geradlinige Songstrukturen abseitige Arrangements einzuweben, Tempowechsel gibt es zuhauf, Genremix sowieso, da mutet ein Track wie „Maps“ wie die bandeigene Blaupause an, finden sich hier doch noisig-getriebene Gitarren im direkten Vergleich mit dem gegen Ende hin sehr überraschenden Klargesang, der choral untermalt wird und direkt mal einen dicken Kloß in den Hals pumpt. Das hätten sich TWINS gerne noch deutlich öfter trauen dürfen, vielleicht hat man ja diesbezüglich bei der nächsten Scheibe etwas mehr Glück.

Dass unspektakuläre Songtitel wie „House 1“ den Stücken Unrecht tun, kann man dann beispielsweise beim massiven „Bathroom“ feststellen, das mit ordentlich bratenden Gitarrenwänden Punkte sammeln kann. „Dogears“ mit seiner jazzigen Kante kommt da beinah schon gefällig durch die Boxen, auch hier darf der Hörer sich wieder am (wenn auch schüchternen) Klargesang ergötzen. Stücke wie „Cockroaches 2“ starten mit schön düsterem Post-Hardcore/Indie-Einschlag und erwartungsgemäß aggressiv-rauem Gesang, driften aber allzu bald in noisig-chaotisches Gefrickel ab, sodass die Konzentration sich recht zügig zu verabschieden droht. Intelligent platzierte Gitarrenspielereien greifen dann zwar nochmals nach der Aufmerksamkeit des Hörers, aber auch der eingefügte deutschsprachige Part kann da keine Struktur mehr aufzeigen und klingt, im Gegenteil, eher wie bei unzähligen anderen Bands, die einen ähnlichen Stil praktizieren.

Gleiches gilt dann dummerweise auch für „Library“, das allein für den Titel schon ein halbes Pünktchen einsacken kann und mit starkem Post-Hardcore-Gesang startet, dann aber wieder in die eher noisigen Gitarrengefilde abdriftet – wobei hier noch ein bisschen deutlicher als bei „Cockroaches 2“ der rote Faden erkennbar bleibt und sich der Track gerade noch so auf die Anspieltippsliste retten kann.

„soon“ ist sicherlich ein ambitioniertes Debütalbum, das mit einigen spannenden Passagen daherkommt, die aber zu großen Teilen nicht konsequent weiter verfolgt werden. Zu groß scheint TWINS der Anspruch, möglichst viel in einem Song unterzubringen, da bleibt der rote Faden auch schon mal auf der Strecke. Sicherlich für Szenefans ein interessanter Tipp, insgesamt aber noch ein bisschen zu unruhig und zerfahren.

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