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Tverd: Follow The Sun´s Way

Russische Folklore meets Modern Art
Wertung: 9.5/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 63:41
Release: 12.06.2009
Label: Wicked Music

Die Band Tverd, die im Übrigen nach Tver, einer der ältesten Städte Russlands benannt ist, erhob sich im Jahr 2007 aus des Resten der in der Pagan Metal-Szene bekannten Band Pagan Reign. Vor zwei Jahren also war es, als sich Hauptsongwriter und Gitarrist Vetrodar nach dem Ende seiner alten Band an ein neues Projekt wagen wollte. Nachdem Vetrodar mit Alexander Ivanov (Tenor Vocals), Svetlana Lebedeva (Female Vocals), Ratibor (Gitarre), Sigurd (Bass) und Demosthen (Drums) das Line-Up komplettiert hatte, verwirklichen die sechs Bandmitglieder die Idee, in ihren Kompositionen klassischen Gesang zum Einsatz zu bringen. Dafür sind Svetlana und Alexander die ideale Besetzung, ist Svetlana doch die Leiterin des Folklore Ensembles der Uni von Tver und Alexander ist graduierter Student der Musikakademie von Gnesin. 

Dem Material der “Follow The Sun´s Way” haben die neu mit eingebrachten Ideen sehr gut getan. Wuchtige, mit Schwertern voller Blut triefende Schlachtfetzen sucht man hier vergeblich, vielmehr wurde weitaus mehr Wert gelegt auf das Traditionelle, was sich dadurch äußert, dass sehr viel traditionelle russische Instrumente Verwendung finden. Trotzdem muss der Hörer bei weitem nicht auf moderne Elemente wie hartes Riffing und Growls verzichten. Es ist die Kombination all dieser Faktoren, die das gewisse Etwas dieses Albums ausmachen, denn von diesem Werk geht eine ganz besondere Magie aus. Die Songs wirken gleichzeitig traditionell, aber auch modern. Tverd haben diesen Spagat eindrucksvoll vollzogen. 

Ganz ruhig findet man mit dem ersten Stück „Wolf And Gyrfalcon“ Zugang zu dem Album, denn Svetlanas Stimme wird zunächst äußerst harmonisch begleitet von ruhigen Instrumenten, bevor die Russen ihr ganzes Spektrum auffahren, sprich: Die Instrumente einer typischen Metal-Band werden mit den traditionellen Instrumenten zusammen zum Klingen gebracht und schaffen es so, den Begeisterungspegel zum ersten Mal auf Höchststand zu schrauben. 
Bestens zum Mittanzen, -Schunkeln, -Bangen oder was immer, jedenfalls für alles andere als nur Rumstehen oder Stillsitzen eignen sich die energievollen Stücke „The Spring“ und „Wide Maslenitsa“.

Ein herausragendes Bespiel dafür, wie genial Elemente der traditionellen russischen Folklore mit modernem Riffing samt Doublebass präsentiert werden, findet man in dem grandiosen „The Motherland's Heart“, welches hierdurch fast schon monumentalen Charakter einnimmt. 
Eine Akustikgitarre begleitet in dem Instrumental “...Under The Sun's Magic Arrows” eine Flöte, im Hintergrund hört man Vögel zwitschern. Ähnliches hat man in der Vergangenheit auch schon einmal bei Tverd´s Landsmännern von Arkona zu hören bekommen. Dieses Stück von Tverd allerdings lässt nicht wie bei dem von Arkona Fragezeichen über dem Kopf erscheinen, sondern es besticht durch seine ästhetische Schönheit, die mit einem kleinen Fünkchen Melancholie dargeboten wird. Nahtlos schließt sich „When The Steel Is Being Broken…” an dieses ästhetische Instrumental an und man findet sich in der Situation wieder, dass man völlig fasziniert ist von den Kompositionen. Man denkt sich : "Zu dumm nur für diejenigen - zu denen ich mich hinzuzähle - welche der russischen Sprache nicht mächtig sind", denn Mitsingen ist so leider nahezu unmöglich. Aber auch so besticht auch dieses Stück wieder durch einfach nur wunderschöne Melodiebögen, die sogar ein Gitarrensolo beinhalten und einfach nur begeistern. Der Klargesang von Alexander und Svetlana überzeugt und fügt sich wunderbar in den Kontext ein.  

Deftiger zur Sache geht es mit „A Falcon Is Over Rus“, wo man wieder einmal Doublebass-Drums und gar Growls um die Ohren bekommt, die man eigentümlicherweise zwar im Moment ihres Auftretens sehr begrüßt, aber seltsamer Weise so gar nicht großartig vermisst hat, als sie nicht da waren, so sehr wird man gefangen genommen von der Magie der Musik von Tverd. Genial klingen die Parts, in denen der Klargesang zusammen mit den Growls präsentiert wird.  

Sehr gelungen, betrachtet man die Songabfolge, ist auch, dass mit „To The Foreign Land...“ wieder ein getrageneres Stück zum Besten gegeben wird, in dem Svetlana solo singt; gefolgt von dem wieder heftigeren, kraftvolleren und melodischeren „The Bogatyr´s Gates“, das in seinem weiteren Verlauf einen kleinen Humppa-Effekt nicht von der Hand weisen kann, dem auf dem Fuße ein Part folgt, der die hellste und fröhlichste Stimmung auf der gesamten Scheibe verbreitet. 

Die Art und Weise, wie Svetlanas Stimme im letzten Stück erklingt, ist der gesungenen Melodie im Opener des Albums nicht ganz unähnlich. Was man mit „Russian Land´s Sorrow“ eigentlich als harmonischen, musikalisch wunderschönen, wenn auch melancholisch wirkenden Ausklang des Albums betrachtet, bei dem es sogar noch mal ein schönes Midtempo-Black Metal-Riff zu hören gibt, wartet zum Ende hin mit einer ziemlichen Überraschung auf. Dem ein oder anderen werden allerdings die Synthieklänge sicherlich nicht so ganz munden, da diese oberflächlich betrachtet auch so gar nicht zu den sonstigen Kompositionen des Albums passen wollen. Doch um dazu etwas Positives dazu anzumerken: Auch, wenn dieses Ende des Albums mehr als überraschend über einen hereinbricht, so haben die Russen mit diesem Stück hieb- und stichfest bewiesen, dass sie den Bogen zu spannen wissen zwischen der Tradition und der Moderne.  

Fazit: Was Tverd auf „Follow The Sun´s Way“ abliefern, könnte man auch als moderne russische Folklore beschreiben. Das Material hat eine grundehrliche Ausstrahlung und kommt überhaupt nicht überkandidelt rüber, was böse Zungen von klassischem Gesang behaupten könnten. Eine wunderschöne Scheibe, die man nicht so einfach wieder aus dem CD-Player entfernt.
Tverd überzeugen mit „Follow The Sun´s Way“ auf ganzer Linie. 


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