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Turnover: Good Nature

Ein zahnloses Album
Wertung: 5/10
Genre: Indie Rock
Spielzeit: 41:47
Release: 25.08.2017
Label: Run For Cover Records

Wenn man eine Band mit dem Prädikat „Indie Rock“ zu hören bekommt, erwartet man im günstigsten Fall bratende Gitarren, tighte Schlagzeugparts und einen Sänger zwischen Genie und Wahnsinn, der sich auch mal die Lunge aus der Brust keifen kann. Wenn man dann aber wiederum weiß, dass das letzte Album der Band einheitlich als „Dream Pop“ bezeichnet wurde, dann wundert man sich auch bei der neuen Scheibe „Good Nature“ von Turnover über fast gar nichts mehr.

Das US-amerikanische Trio ist nicht nur sehr Melodie-affin, es wagt auch keinerlei emotionale Ausbrüche auf den knapp 40 Minuten Spielzeit. Elf Songs plätschern nahezu einstimmig am Hörer vorbei, ohne dass dieser sich gefordert fühlen müsste, ohne dass einzelne Songs herausstechen, ohne dass Sänger Austin Getz mal die Stimme erheben würde, geschweige denn dass einer seiner beiden Kollegen an Bass und Schlagzeug mal ein bisschen aus sich herausgehen würde.

Mitunter lässt einen die eine oder andere  Gitarrenspur aufhorchen – das mysteriös anmutende Geplänkel zum Ende von „Living Small“ hin beispielweise –, die meiste Zeit bewegt man sich aber in einer watteweichen Blase aus Indie-Pop-Emo, nur ohne aufrüttelndes Geschrei. Mit dem Fuß wippen kann man mal bei dynamischeren Tracks wie „Bonnie (Rhythm & Melody)“, aber viel mehr Bewegung fordern Turnover nicht; wollen sie vielleicht auch nicht. Das Album tut immerhin keinem weh, so viel können die Amis sich auf die Haben-Seite schreiben.

Dass die Spannung und das Hörvergnügen da eher auf der Strecke bleiben, überrascht dann nicht – dabei sind die Drei technisch gesehen versierte Musiker, Sänger und Gitarrist Austin lässt immer wieder interessante Gitarrenspuren aufleben, die zum größten Teil eher in den Hintergrund geraten und dem Gesang viel Platz einräumen, den dieser gar nicht bräuchte, weil er, nun ja, unspektakulär daherkommt. Ecken und Kanten sucht man auch nach mehrmaligen Durchläufen ziemlich vergeblich, als Hintergrundmusik eignet sich „Good Nature“ aber genau aus diesem Grund umso besser – obwohl auch hier irgendwann der Wunsch aufkommt, doch durch ein aufreibendes Stück aus seiner Tätigkeit gerissen zu werden.

Dabei wartet man geradezu darauf, dass die drei Herrschaften ihre Manieren mal vergessen – schon das Gitarrenintro zum Opener „Super Natural“ hätte so viel Potential, in einer Lärmorgie zu münden. Tut es aber nicht. So wird die Erwartung eher zur Frustration, wenn blumig-perlende Stücke wie „Curiosity“ oder das zumindest etwas treibendere „Breeze“ am Hörer vorbeirauschen. „Good Nature“ zeigt sich zahnlos, sicherlich eher für Menschen gemacht, die auf sehr bedächtigen Indie „Rock“ abfahren und sich nicht an lärmigen Gitarren oder einem womöglich emotionalen Sänger stören wollen.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“