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Turnover: Altogether

Noch saft- und kraftloser als der Vorgänger
Wertung: 4/10
Genre: Dream Pop, Indie Poprock
Spielzeit: 34:36
Release: 01.11.2019
Label: Run For Cover Records

Etwas über zwei Jahre ist die Veröffenlichung der letzten Turnover-Scheibe „Good Nature“ her, und der Name war Programm: keine Ecken, keine Kanten, keine kleinen oder großen Ausraster. „Dream Pop“, hatte die Band mal selbst als Prädikat heraufbeschworen, und es passte einfach. Mit „Altogether“ steht seit Herbst die aktuelle Platte in den Regalen; wir sind gespannt, ob einer der zehn Songs das Potential hat, aus der Masse herauszustechen oder ob die Scheibe ähnlich „zahnlos“ daherkommt wie der Vorgänger.

Eines vorneweg: Auch „Altogether“ fällt wieder sehr blumig aus, da werden dann auch schon mal Jazz-Elemente eingewoben („Valley Of The Moon“), die aber selbst so zaghaft und schüchtern vorgetragen werden, dass sie den Song kaum aufmischen können. Kurz nach dem Aufstehen sollte man die Platte keinesfalls anhören, überkommt einen die gerade abgeschüttelte Müdigkeit doch nur allzu schnell wieder. Der immer gleiche, einschmeichelnde Gesang von Fronter Austin trägt nicht unbedingt dazu, den Hörer wachzuhalten.

Da staut sich die nicht ausgelebte Aggression auch schon mal auf: „No Reply“ wirkt ein bisschen flotter als der Rest der Platte, entpuppt sich aber doch auch nur wieder als unsagbar kitschiger Song; nie war das Prädikat „Dream Pop“ besser platziert als hier. Und als scheinen die Jungs von Turnover Angst vor ihrer eigenen Courage auf „Good Nature“ gehabt zu haben, scheinen auf „Altogether“ auch die winzigsten Anzeichen von Rebellion ausgemerzt worden zu sein. Keine Schreddergitarren, wie man sie noch auf „Super Natural“ zumindest erahnen konnte, keine gesanglichen Ausreißer; auf richtige Ausraster zu hoffen hat man ja schon länger aufgegeben, aber eine andere Emotion in den Vocals zu hören als dieses immer gleiche, sonnige Besoffensein, wäre eine wahre Wohltat für die Ohren.

„Plant Sugar“ traut sich dann endlich (ENDLICH!) zu, ein bisschen mehr Fahrt aufzunehmen, zumindest was die Instrumentals angeht. Der Song kommt regelrecht tanzbar daher und weiß vor allem mit den treibenden Gitarrenarrangements zu überzeugen. Es kommt selten vor, dass ich das sage, aber als Instrumentalstück wäre der Track vielleicht sogar noch ein bisschen überzeugender gewesen. Auch so hebt das Stück sich aber wohltuend von dem Rest der Tracklist ab.

„Temporary Love“ beschließt das Album dann genauso, wie der Titel befürchten lässt: Man wähnt sich in den Neunzigern, in denen die unsäglichen R‘n‘B-Videos noch auf VIVA und MTV liefen und man sich beim Anschauen immer ein bisschen fremdgeschämt hat. Will sagen: Instrumental könnte das finale Stück gut und gerne bei einem Softporno laufen.

Mit „Altogether“ haben sich Turnover sicherlich keinen Gefallen getan, wenn man nach Indie Rock oder zumindest Poprock sucht. Bei allen, die das Genre „Dream Pop“ feiern, dürfte die Platte aber sicherlich ganz gut ankommen – einen dritten oder gar vierten Durchlauf bekommt das Teil hier aber aus Selbsterhaltungsgründen nicht.

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