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Turmion Kätilöt: Pirun Nyrkki

Ein fester Garant für geballtes Headbangen
Wertung: 8.5/10
Genre: Industrial Metal
Spielzeit: 35:13
Release: 23.06.2006
Label: Spinefarm Records

Also wenn mich der wirklich exzessive Hörgenuss von “Pirun Nyrkki“ (= The Devil´s Fist) etwas gelehrt hat, dann ist es die Tatsache, dass aus dem beschaulichen Landstrich namens Finnland auch heute noch so richtig explosive, innovative und aggressive Musik kommen kann!

Denn auf gerade einmal 35 Minuten Spielzeit tummelt sich hier ein derber und brodelnder Industrial Metal Sound der Extraklasse, welchen man vermutlich (einmal eingelegt) nicht mehr so schnell wieder aus seinem CD-Player entfernen wird. Denn hier werden wirklich noch (sprichwörtlich) „Nägel mit Köpfen“ gemacht, die nicht nur brutalst schmerzen, sondern auch nahezu hypnotisch seine Hörerschaft in kongeniale (schwermetalisch-düstere) Klangwelten der tiefsten, finnischen Wälder entführt...

Gegründet wurde das Duo um MC Raaka Pee und DJ Vastapallo seinerzeit im Jahre 1999 und bereits die erste Single “Teurastaja“ (= The Butcher) schlug in der hiesigen Szene ein wie eine Bombe. Dies führte selbstredend dazu, dass man verheißungsvoll dem ersten Fulltime-Werk “Hoitovirhe“ (= Malpractice) entgegen fieberte.

Welches sich insbesondere durch den dort enthaltenen Vorboten "Verta ja Lihaa“ (= Blood and Flesh) einen Namen machen konnte. Grund war hierbei nicht nur der dargebotenen, knallende Sound, sondern vielmehr auch der dazugehörige (explizite) Videoclip; welcher eine Art Manifest aus Alien-Fragmenten, sowie Russ Meyer (“Supervixens“ u.a.) Exploitation- und Filmästhetik bot.

Aber auch live vermochte das Duo (welches dann allerdings zum Sextett anwuchs) zu unterhalten und (vor allen Dingen) zu schocken: So bestehen ihr „geschmackvollen Gigs“ zumeist aus Darbietungen von Artisten und Künstlern, die bevorzugt mit Utensilien wie Glasscherben, Feuer und Flüssiglatex hantieren und insgesamt betrachtet mehr einer obsessiven Freakshow gleichen, denn eines „reinen“ Metal-Konzertes.

Entsprechend groß waren nunmehr die Erwartungshaltungen an den legitimen Nachfolger “Pirum Nyrkki“ - der bereits anno 2001 in Finnland seinen Siegeszug antrat - aber nun auch in diesem Sommer seinen Weg zu uns nach Deutschland finden wird... Und was soll ich sagen: Vorliegender “Pirum Nyrkki“ ist kurz umfassend gesagt eine dynamische und göttlich-brachiale Mischung aus Nine Inch Nails und Die Krupps, versehen mit einem richtig deftigen Konzentrat an Versatzstücken à la Sepultura. Hinzu gesellt sich der komplett in finnischer Sprache gehaltene Growl- und Krakeelgesang, welcher wirklich vollauf punkten und atmosphärisch mitreißen kann.

Schon bereits der Opener “Mista Veri Pakenee“ legt die (sehr hohe) Messlatte und Marschrichtung für das komplette Gesamtwerk fest: Bedrohliche Elektro-Industrial-Klangchöre gehen mit schmetternden Bassgitarren einen markerschütternden Totentanz ein, der selbst in der Hölle nicht heißer sein könnte! Gleichnamiger Titeltrack “Pirun Nyrkki“ ist ein ebenbürtiger Kotzbrocken aus der finnischen Folterkammer der Knüppelmusiker. Gepaart mit seinem infernalen (vermeintlich melodischen) Refrain, der relativ clean gesungenen Sorte.

Hingegen bieten die beiden Tracks “Messu“ und “Illuusio Musiikista“ lediglich nur jeweils wenige Sekunden lange (rein instrumentale) Klang- und Samplesequenzen. Somit also reine Fülltitel, die man sich wirklich auch hätte sparen können. Wettgemacht werden jene beiden „Lückenbüßer“ aber wieder durch das von EBM Elementen dominierende “MTV/DNA“, sowie dem mit Gastsängerin Jessi Frey versehenen Highlight “Irstauden Ilosanoma“, das erstklassig unter Beweis stellt, dass selbst selektive Artefakte des Pop-Sounds im Industrial-Metal Genre durchaus ihre (wenn auch leicht bizarr anmutende) Berechtigung haben.

Schade ist hingegen wirklich die Tatsache, dass man als Nichtfinne keinerlei Bezug und Ahnung davon hat, wovon die Songs des Albums überhaupt handeln (es gibt nicht einmal englische Übersetzungen im Booklet des Albums). Aber auch die wirklich knapp bemessene Spielzeit des aktuellen Klangwerkes kann einen zuerst etwas missmutig stimmen (vor allem wenn man sich mal vor Augen hält, was heutzutage eine CD im Handel kostet).

Dennoch sollte man aber gerade nicht diese beiden Punkte fälschlicherweise überbewerten oder als „Minuspunkte“ darstellen. Nein, dafür ist das neuste Werk der Finnen von Turmion Kätilöt einfach ZU gelungen und mit Sicherheit ein fester Garant für geballtes Headbangen in den ansässigen Metal- und Industrial Clubs! Als kleinen Bonus enthält das Album übrigens auch noch einen rasanten (sowie sehr empfehlenswerten) Remix der damaligen Hit-Single “Verta ja Lihaa“ (Proteus Mental Remix). Mein persönlicher Geheimtipp des Monats!

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