Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Turisas: Turisas2013

Anders, ungewohnt, aber nicht schlecht
Wertung: 7,5/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 41:48
Release: 23.08.2013
Label: Century Media

Der Albumtitel ist unmissverständlich: Turisas versuchen mit der aktuellen Scheibe eine deutliche Abgrenzung zu den vorangegangenen Veröffentlichungen zu signalisieren. Der Hintergrund dieser Geschichte dürfte in erster Linie in den Line-Up-Wechseln der vergangenen zwei Jahre zu suchen sein. Nach Akkordeonspielerin Netta Skog, die schon 2011 ihren Hut nahm, haben auch Langzeit-Drummer Tude Lehtonen und Hannu Horma ihr Engagement bei Turisas aufgegeben.

Mit neuen Männern am Start und mit Keyboard anstatt von Akkordeon ging es nun an die Produktion des neuen Albums. Dass man diese schwerwiegenden Veränderungen auch am Sound und am Songwriting merkt war abzusehen. Bereits das Cover der Platte lässt vermuten, dass die Finnen einen großen Schritt nach vorne gewagt haben. Es wirkt progressiver und rockiger als je zuvor. Allerdings kann es auch eine gewisse laienhafte Ausstrahlung nicht verbergen.

Die Musik auf „Turisas2013“ zeigt deutlich, dass die Band eine Grunderneuerung erfahren hat. Die Songs sind viel rockiger, progressiver und asymmetrischer als je zuvor. Damit sind wir beim größten Plus und gleichzeitig Minus der Platte. Für viele alteingesessene Fans war das vorangegangene Album „Stand Up And Fight“ bereits ein Dorn im Auge, weil sich die Musik immer weiter vom „Battle Metal“ entfernt hat. Nun wird dieser Weg konsequent fortgesetzt. „Turisas2013“ ist kein Konzeptalbum, sondern beschäftigt sich mit vielerlei Themen, die Bandkopf Mathias Nygård plagen. So unterschiedlich, wie diese Thematiken sind, so unterschiedlich fallen auch die Songs aus.

Der Opener kommt noch relativ vertraut aus den Boxen und auch „Ten More Miles“ klingt ganz klar nach den Finnen. Allerdings weist der Titel schon deutliche Längen auf und der schleppende Gesang erinnert mehr an ein Hörbuch als an ein Musikstück. Ohne den Refrain, der extrem weit klingt, würde man tatsächlich an ein Erzählstück denken können. Dieser Anschein wird auch vom nachfolgenden Stück noch gehalten und erst mit „Into The Free“ gelingt den Finnen der Befreiungsschlag. Hier zeigen Turisas zum ersten Mal, dass die progressive Seite der Band kein dauernder Rückschritt, sondern auch ein Weg in neue Welten mit genauso kraftvollen Songs wie früher sein kann.

Dazu addiert sich der Effekt, dass die Songs pro Hördurchgang eingängiger werden. Eine große Portion Komik muss man der Platte ebenfalls attestieren. Viele Texte sind (selbst)ironisch oder karikaturistisch und beleuchten das Leben aus einem schrägen Winkel. Bestes Beispiel sind die Songs „Run Bhang-Eater, Run!“ und „No Good Story Ever Starts With Drinking Tea“. 

Turisas sind im Jahr 2013 tatsächlich reifer, vielschichtiger und variabler denn je. Das wird der Band Fans kosten. Allerdings könnten auch viele neue Anhänger auf den Zug der Truppe aufspringen, denn die aktuelle Scheibe hat mehr Potenzial als man ihr zuerst zutraut. Wie so oft zeigen sich die versteckten Juwelen der Scheibe erst nach einigen Hördurchgängen. Es bleibt als spannend mit den Finnen. Ein einige Jahre beständiges Line Up wäre jetzt wichtig, um sich wieder neu zu festigen.

comments powered by Disqus