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Turbostaat: Nachtbrot

Turbostaat beschenken sich und Fans mit erstem Livealbum
keine Wertung
Genre: Punk / Alternative
Spielzeit: 82:00
Release: 11.01.2019
Label: 18null9

Man mag es kaum glauben, aber tatsächlich begehen Turbostaat dieses Jahr schon ihr 20. Bandjubiläum. Aus diesem Anlass macht die Band sich und ihren Fans ein ganz besonderes Geschenk: Das erste Live-Album in der Bandgeschichte! Was bei so einem langen Zeitraum schon recht erstaunlich ist, zumal die Flensburger besonders durch ihre intensiven Konzerte für Pluspunkte bei ihrer Anhängerschaft sorgen.

Nun wurde also endlich dieser weiße Fleck in der Diskografie getilgt und als CD oder Doppel-LP mit Fotobuch zur Verfügung gestellt. Besonders die zweite Variante möchte man Fans des Fünfers ans Herz legen, hat doch dieses Fotobuch mit den eingearbeiteten Taschen für die beiden LPs einen echten „Wow“-Effekt. Vielleicht ist es zum dauerhaften Gebrauch der Vinylscheiben etwas sperrig, aber die Aufmachung und die Fotos von Andreas Hornoff, welche fantastisch die Stimmung bei Konzerten einfangen, sind wirklich kaum noch zu toppen.

Aufgenommen wurde das Album auf drei Konzerten im Leipziger Conne Island und von Moses Schneider abgemischt. Unvermeidlich erscheint hierbei die Frage, warum es die Nordlichter für solch eine Aufnahme nach Sachsen zieht. Turbostaat beantworten dies selbst mit einem: „Weil es hier immer so geil ist“. Und aus eigener Erfahrung kann man diesen Worten nur beipflichten, der Leipziger Klub ist wirklich für eine phänomenale Stimmung bekannt und die Musik erhebt sich immer zum Mittelpunkt des Geschehens. Genau dies spürt man auch auf „Nachtbrot“, schon zu Beginn macht sich ein Knistern breit, welches bis in die Fingerspitzen zu spüren ist und schließlich im Jubel und den sofort einsetzenden Gesängen zu „Rupperts Grün“ aufgeht. Ungewohnt zeigt sich dafür der Sound, bei dem man zwar den Eindruck erhält, dass man direkt im Klub steht, dafür aber stellenweise auf ein sauberes Klangbild verzichten muss. Am markantesten hörbar ist dies beim Gesang von Frontmann Jan, der doch hin und wieder untergeht. Nun kann man zwar aus dem Flensburger Haus hören, dass es sich im Punk um ein Genre handelt, welches auf Augenhöhe mit den Fans agiert und deshalb Publikum und Band gleichsam zur Geltung kommen sollen, doch trotz dieses löblichen Gedankens wünscht man sich in den heimischen vier Wänden einen etwas differenzierteren Sound.

Wer aber das absolute Live-Feeling auch daheim oder unterwegs haben will, liegt hiermit genau richtig, zumal Turbostaat all ihre Erfahrung einbringen und das Album zu einem Erlebnis machen. Geboten werden Songs aus ihrem kompletten Schaffen, wobei ältere Titel eher in der zweiten Hälfte des Albums zu Gehör gebracht werden. So findet selbst „18:09 h, Mist, verlaufen“ von ihrem ersten Demo-Tape seinen Platz und kann locker mit altbekannten Titeln mithalten. Ohne Zweifel räumen allerdings Klassiker wie „Sohnemann Heinz“ oder „Drei Ecken – Ein Elvers“ am stärksten ab und zeigen sich als absolute Selbstläufer, bei denen jede Textzeile lauthals mitgebrüllt wird. Auch vom aktuellen Album „Abalonia“ sind vier Tracks eingestreut und diese zeigen deutlich die Weiterentwicklung der Band im Laufe der Jahrzehnte, so glänzt vor allem „Wolter“ mit seiner intensiven Umsetzung, die auch den Instrumenten ausreichend Freiraum bietet und so zum echten Highlight der Scheibe avanciert. Wobei man in puncto musikalisches Handwerk eh nichts aussetzen mag.

Bei alldem bisher benannten muss natürlich auch ein großes Lob gen Zuschauer geschickt werden, die einen so großen Anteil an diesem Live-Erlebnis haben. Nicht nur, dass sie sich ungemein sangesfreudig zeigen – und hier fragt man sich ernsthaft, wie oft man die Platten von Turbostaat eigentlich hören muss, um die nicht immer eingängigen Texte mit einer dermaßen großen Sicherheit darzubieten-, auch hat man ein sehr gutes Gespür für ruhige Töne, denen einfach genug Platz gegeben wird und nicht durch etwaige Zwischenrufe unterbrochen werden.

Sieht man also vom (gewollt) nicht ganz sauberen Klangbild ab, gibt es an „Nachtbrot“ wirklich nichts auszusetzen. Die Setlist dürfte wohl jeden Anhänger zufrieden stellen, die Stimmung passt bestens und damit kann man Turbostaat nur zu einer extrem gut gelungenen ersten Live-Platte gratulieren.

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