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Tuomas Holopainen: The Life And Times Of Scrooge

Wer open-minded ist und auf Soundtracks steht, sollte dieses Album gehört haben
Wertung: 8/10
Genre: Klassik/ Soundtrack/ Folk
Spielzeit: 54:05
Release: 11.04.2014
Label: Nuclear Blast

Man kann von Tuomas Holopainen ja halten, was man will, ihn als den Buhmann hinstellen, der Tarja bei Nightwish einst mittels eines Briefes wissen ließ, dass sie nicht länger Frontfrau der finnischen Symphonic-Metal-Pioniere sei und vor anderthalb Jahren erneut die Sängerin hinauswarf – aber eines bleibt dabei unstrittig: Der Mann ist einfach ein toller Musiker mit großen Visionen und interessanten Einfällen. So handelt sein erstes Soloalbum doch tatsächlich vom Leben des reichsten und geizigsten Mannes der Welt: Onkel Dagobert. Auf die Idee, das Leben der kauzigen Disney-Ente musikalisch umzusetzen, muss man immerhin auch erst mal kommen.

Bereits seit 1999 soll dem Nightwish-Chef eben jene Idee im Kopf herumgeistern und das letzte Jahr 2013 – obwohl er mit seiner Band, nachdem Floor Jansen frisch eingestiegen war, bereits gut zu tun hatte – verbrachte er zum Großteil damit, an der nun vorliegenden Scheibe „The Life And Times Of Scrooge“ zu werkeln. Dabei war für Holopainen von Anfang an klar, dass das Ganze einen Soundtrack-Charakter haben soll, will heißen: Wer hier Metal erwartet, egal ob nun im Stile von Nightwish oder sonst wie, befindet sich komplett auf dem falschen Dampfer. Natürlich haben die orchestralen Elemente bei Tuomas’ Hauptband bekanntlich auch schon immer eine große Rolle eingenommen. Doch umgekehrt sind bei seinem Soloprojekt bis auf hier und da eine sporadische, leicht verzerrte Klampfe keinerlei Metal- oder auch nur Rockelemente vorhanden. Würde nicht der Name Tuomas Holopainen draufstehen, würde die Platte sicherlich auch bei keinem Metalmagazin besprochen werden.

Es lassen sich zwar hin und wieder ein paar melodische Wendungen ausmachen, die auch bei Nightwish Platz gefunden hätten, ansonsten klingt „The Life And Times Of Scrooge“ jedoch in der Tat sehr nach einem Filmsoundtrack – und zwar nach einem äußerst gelungenen. Meist instrumental gehalten, spiegelt die Musik in den Stücken sehr klar den jeweiligen Titel wider und ist entsprechend vielfältig: So transportiert „Into The West“ mit seinem optimistischen, marschierenden Charakter beispielsweise sehr schön Aufbruchsstimmung, „Duel & Cloudscapes“ besitzt dramatische Momente, „Dreamtime“ kommt recht hypnotisch, und das Piano-dominierte „Goodbye Papa“ hat melancholische und feierliche Elemente gleichermaßen in sich vereint.

Auch wenn das Album ganz anders ist als alles, was der Keyboarder bisher fabriziert hat, tauchen dennoch immer wieder auch die Stilelemente auf, die Holopainen schon immer liebte und die auch bei Nightwish ab und an zutage treten: Viel folkiges Zeug, repräsentiert durch Instrumente wie Banjo, Dudelsack, Whistles, Violine und Didgeridoo, sehr geschickt verwoben mit Orchester und Chor. Die wenigen Teile mit Gesang sind mit Freunden des Musikers besetzt, der bekannteste Name hierbei dürfte Sonata Arctica-Frontmann Tony Kakko sein, der „Cold Heart Of The Klondike“ einsang, außerdem haben sich unter anderem Holopainens Lebensgefährtin Johanna Kurkela und der schottische Folkmusiker Alan Reid die Ehre gegeben.

Wie erwähnt: Wer nur Metal hört, braucht diese Scheibe natürlich null, aber wer open-minded ist, auf Soundtracks steht oder einfach nur gerne mal hören möchte, was Tuomas Holopainen abseits von Nightwish so treibt, sollte sich „The Life And Times Of Scrooge“ mal gegeben haben. Auf jeden Fall beweist der Tastenmann großes kompositorisches Können – Musik für ein Orchester schreiben ist schließlich immer noch mal was anderes als für eine Rockband –, zumal die Melodien definitiv Wiedererkennungswert haben und keinesfalls nur vor sich hinplätschern: „Into The West“, „The Last Sled“ oder „A Lifetime Of Adventure“ besitzen zweifelsohne Hooklines.

Zu guter Letzt muss man unbedingt auch noch das wahrhaft geniale Cover erwähnen, bei dem Tuomas beziehungsweise Illustrator Don Rosa (eben jener, der auch das zugehörige Buch, das den Musiker zu dem Album inspirierte) sehr clever eventuellen Copyright-Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen suchen – man weiß ja, wie rigoros und dünnhäutig die Disney-Company bei solchen Geschichten reagiert. Vielleicht sogar ein kleiner Seitenhieb in Richtung des Heile-Welt-Imperiums?

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