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Tumblin Dice: Freeride

Für alle Gitarren- und Bassfreaks
Wertung: 8/10
Genre: Rock'n'Roll
Spielzeit: 43:14
Release: 27.06.2007
Label: ESP Records

Ein ”We rock your socks off!” springt mir förmlich entgegen. Aha, wer zeigt da so großes Interesse an meiner Fußbekleidung? Britney Spears kann es nicht sein, ihre singende und seit kurzem wieder auf freiem Fuß gesetzte Erzfeindin Paris Hilton auch nicht- beiden Damen fehlt es Fotos und Gerüchten zufolge immer an der Unterwäsche.

Nein, die Sockensammler heißen Tumblin Dice, stammen aus Schweden und haben musikalisch und äußerlich wenig Ähnlichkeit mit ebengenannten dünnen Popstimmchen.

Die Band blickt auf eine siebenjährige Bandgeschichte zurück: Seit 2000 touren die vier durch halb Europa, verkauften ihre erste CD “Decision” in Eigenregie und brachten so immerhin fast 1000 Silberlinge unters Volk.

Dass sie es mit der Musik wirklich ernst meinen, hört man bereits an den ersten Tönen von “Freeride”. Es handelt sich hier weder um wieder in die Mode gekommenen Emosound, noch versucht man sich an betont punkigem Klang oder orientiert sich am Gothicrepertoire. Tumblin Dice machen handgemachten Rock: Charismatisch-aggressiver Sängerin inklusive.

Wer jetzt eintönige oder platte Songs mit überdrehter Gitarre erwartet, hat falsch gewettet: Mal frech, mal nachdenklich präsentierten sich Tumblin Dice von ihrer besten Seite. Nur eines sind sie nicht: Glatt.

Opener “The Man” zeigt gleich, was Sache ist. Zu iivel’s bedacht quietschender Gitarre dominiert neben dem markanten Drums natürlich Deux individuelle Stimme. Mal tief und bedrohlich, mal sanft singt die Sängerin, die auch für die Texte zuständig ist. Ein bisschen Philosophie à la “lebe wie Du willst” bringt sie in “Wanna Have Fun” zum Ausdruck, indem das Intro einfach unübertroffen von Beat Hüppin am Bass gestaltet wird. Deux selbst behauptet sich als Hauptcharakter in den Strophen sehr gut neben der Gitarre, klingt niemals dünn und variiert so zwischen den Tönen, dass es einfach mitreißt.

Doch Tumblin Dice können mehr als “bloß” rocken: “hide” oder “fallin’” zeigt vor allem durch die nachdenklichen Texte die verletzliche Seite der Band. Was sich natürlich nicht auf die Musik auswirkt: “Fallin’” verfügt über ein ganz wunderbares Drumsolo von Pietro Angeloni, “hide” hingegen über eine extrem gute Gitarrenmelodie und natürlich gehen beide Songs durch den unverwechselbaren Gesang sofort ins Ohr.

Ein ganz anderes Thema sind die Coverversionen, hier vertreten mit “Rose Garden”, indem die Sängerin anfänglich erstaunlich sanft klingt, aber schnell wieder zum leidenschaftlich lautem Gesang zurückkehrt, wobei man nicht sicher sagen kann, ob hier Verzweiflung oder Wut durchklingt. Eines ist aber schon wegen der effektiv eingesetzten und kreischenden Gitarrenparts gelungen: die gelungene Coverversion.

Nach so viel Gefühl wird’s noch mal richtig rockig: “Fear The Dark”, die freche Hymne “I Like Rock” oder das abschließende “Take some more” sparen nicht an Härte, Tempo oder Aussagekraft. Eine stimmliche Herausforderung liegt mit “I.O.U” vor, die Deux hörbar gemeistert hat. Klingt sie anfangs noch sehr tief, fast im Manson-artigen Stil zwischen Erotik und Verachtung, wird ihre Stimme im Refrain fast ein zweites (Klang)Instrument neben der Gitarre und spielt mühelos mit den Tönen.

Fazit: Eigentlich sollte sich jeder einmal Tumblin Dice zu Ohre führen, obwohl ich selbst kein großer Fan von Frauengesang im Rock bin, hat mich das Album wirklich von der Kreativität und dem Können der Band überzeugt. “Freeride” ist für alle, die Gitarren und hörbare Bassläufe mögen und trotzdem nicht auf anspruchsvolle Songs verzichten möchten. Durchschlagskraft: Greendays “Boulevard Of Broken Dreams” ohne gecastete Engländer, mit röhrenderer Stimme und 20% mehr Rock.

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