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Trouble: The Skull

Heavyness gepaart mit Trauer und Hoffnung
Wertung: 10/10
Genre: Doom Metal
Spielzeit: 43:18
Release: 01.01.1985
Label: Steamhammer

Wer hat den Doom Metal salonfähig gemacht und zu Ruhm und Ehre verholfen? Auf diese Frage wird naturgemäß häufig Candlemass mit ihrem glorreichen Debüt „Epicus Doomicus Metallicus“ genannt, aber das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit. Dieser Meilenstein des Doom Metals erschien 1986. Die Band Trouble treibt ihr Unwesen seit 1979 und sorgte mit ihrem Debüt Album „Psalm 9“ für einige Aufregung in der Metal-Gemeinde. Ein wirklich starkes Album, welches aber auch seine Beachtung in good old Germany gefunden hat. Deshalb beschäftige ich mich heute mit dem Zweitling der Amerikaner, welches nicht minder gut, aber dennoch deutlich zurückhaltender aufgenommen wurde. Das mag zum einen an der Tatsache liegen, dass die Band christlich angehauchte Texte verarbeitete, woraufhin sie gerne in die White Metal-Schublade gesteckt wurden, von der sie sich aber später distanzierten.

„Pray For The Dead“ eröffnet die CD und relativ schnell wurde dem Hörer klar, dass es auf diesem Album ein wenig düsterer zugehen würde als auf dem Erstling. Der Sound war damals schon nicht wirklich gut und ist dementsprechend heute schon recht problematisch. Man kann es am besten als matschig beschreiben, was da aus den Lautsprechern dröhnt. Der Song zeigt die unbarmherzige Heavyness der Band. Man wechselt zwischen Midtempo und schleppenden Passagen, baut immer wieder tolle Melodien ein und wirkt dennoch irgendwie antreibend. Eric Wagners leicht trauernd krächzende Stimme sorgt für das gewisse unverkennbare Merkmal im Trouble-Sound.

„Fear No Evil“ ist der schnellste Song des Albums und beherbergt ein paar Riffs, die man nur als atemberaubend bezeichnen kann. Toll, was die beiden Gitarristen Chuck Robinson und Bruce Franklin da abgeliefert haben. Dazu der fast einpeitschende Refrain und die tollen Solos. Was für ein Fest für Metaller. Kein Wunder, dass auch Leute wie James Hetfield (Metallica) diese Band zu seinen Lieblingsbands zählte.

Noch besser wird es dann mit dem Überhammer „The Wish“. In fast zwölf Minuten wird hier eine epische Doom Metal-Hymne zelebriert, ohne aber minutenlang ein und das gleiche Riff herunter zu dudeln. Nein, hier wird recht häufig das Thema gewechselt und mit aller gebotenen Heavyness musiziert. Da kommen mal seichtere melodische Parts daher, bevor wieder ein tonnenschweres Riff darüber hereinbricht oder Sänger Eric Wagner das Zepter übernimmt. Besser kann man das sicher nicht mehr machen. Und irgendwie muss ich zugeben, auch wenn ich dafür geschlagen werden müsste, dass dieser matschige Sound hier für zusätzliche Freude sorgt. Glasklar produziert würde hier einiges des düster trauernden Flairs verloren gehen. Sei es drum, ein Meilenstein des Doom Metals.

„The Truth Is, What Is“ wird von der gelungenen Schlagzeugarbeit von Jeff Olson im Verbund mit den immer gegenwärtigen Gitarren eröffnet. Sehr stark und vor allem heavy. Etwas sperriger als die vorherigen Songs wird das Stück trotz aller Abwechslung natürlich auch etwas schwer verdaulicher. Da taucht dann auch mal ein Riff auf, welches mit etwas weniger Schwere in einem Southern Blues Rock-Stück Verwendung finden könnte: Sehr stark.

Mit prägnanterem Bass von Sean McAllister wird dann „Wickedness Of Man“ eröffnet. Treibend und häufig im Midtempo gehalten, wird der Song nur ab und zu von wirklich doomigen Passagen ausgebremst, wobei diese unheimliche Heavyness schon sehr viel des Sounds von Trouble ausmacht. Ähnlich wie bei Black Sabbath ist dies neben dem Gesang das tragende Markenzeichen der Band. Auch wenn Black Sabbath den Doom irgendwo mit beeinflusst haben, so sind Trouble doch schon seit ihrem Debüt eigenständig gewesen. Leider hat man sich im späteren Verlauf der Bandgeschichte nicht unbedingt immer nur positiv weiterentwickelt.

„Gideon“ ist für Bandverhältnisse der zweite Uptempo-Song des Albums. Dass dies natürlich trotzdem nie extrem schnell wird, liegt in der Tatsache, dass es sich hier um eine Doom Metal-Combo handelt. Ein starker Song, der aber nicht mit den ersten vier mithalten kann oder auch mit dem großen Ender, der dann folgen soll: „The Skull“

Wieder ein wenig epischer, wird der Titeltrack zelebriert. Und zelebriert ist hier definitiv der richtige Ausdruck. Der fulminate Gesang mit der unglaublichen Trauer und Schwerheit dieses Doom-Monsters sorgen für eine bedrückende Stimmung. Da hilft auch der etwas fröhlicher wirkende Mittelpart nicht mehr. Die Band reißt alte Wunden auf und zelebriert hier etwas wie eine kirchliche Trauerfeier mit allem, was dazu gehört.

Fazit: Nach dem schon absolut gelungenen kultigen Debüt konnte die Band noch mal einen richtigen Hammer nachlegen. Man hatte zwei Jahre Vorsprung vor den Legenden Candlemass und kämpfte quasi mit ihnen um eine Vormachtstellung. Ob es nun der Sound der ersten Alben war, die geringere Präsenz auf deutschen Konzertbühnen oder einfach das teilweise etwas sperriger wirkende Material, ich weiß nicht mehr, was das Zünglein an der Waage war. Ist aber auch egal, denn warum sollte es nicht mehrere geniale Bands geben? Inzwischen ist das Album zum zweiten Mal Re-released worden und hat einen Bonus-Song und eine DVD mit an Bord, letztere aber in recht arger Bootleg-Qualität. Ein Muss für Leute, die auf Heavy Musik stehen und die auch gerne mal langsamer das Haupthaar durchschütteln wollen.

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