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Tristania: Rubicon

Wer rettet den Gothic Metal?
Wertung: 8/10
Genre: Gothic Metal
Spielzeit: 47:12
Release: 27.08.2010
Label: Napalm Records

Es wirkt befremdlich, wenn eine neue Sängerin im ersten Interview erzählt, dass sie genau die musikalische Eigenschaft ihrer neuen Band am meisten schätzt, für die ihre Vorgängerin immer weniger stand. Vibeke Stene machte bei der Gothic-Metal-Band Tristania einen großartigen Job, aber die Power und Energie, von der Nachfolgerin Mariangela Demurtas spricht, bricht seit „Ashes“ eher selten aus. Auch „Illumination“, der letzte Output, macht da keine große Ausnahme. Wie auch? Die ehemalige Hauptstimme der Band offenbart ihre Stärken in ganz anderen Gefilden.

Mariangela Demurtas ist lauter, ihre Stimme kraftvoller – das wirkt sich natürlich auf die Musik aus, die tatsächlich sehr viel dynamischer geworden ist. Gleichzeitig sind die meisten der zehn Tracks auf „Rubicon“ erstaunlich simpel ausgefallen, von vertracktem Songwriting hat sich die Band noch einen Schritt weiter entfernt. Einer Nummer wie „Year Of The Rat“ kommt das natürlich zu Gute: Zwar ist der Song nicht besonders repräsentativ für „Rubicon“, dafür aber gerade so poppig, dass er einerseits auch für die düstere Fraktion noch schön anzuhören ist und andererseits nicht poppig genug ist, um Fans zu verschrecken. Die perfekte Wahl für die Videoauskopplung.

Tristania wurden schon immer schwer von Besetzungswechseln gebeutelt. Der Weggang von Morten Veland war schon vor zehn Jahren für einige der Anfang vom Ende der Band. Neben zahlreichen weiteren Wechseln, wurden seit 2005 alle drei Sänger ausgetauscht. Østen Bergøy, bisher zuständig für die cleanen männlichen Vocals, wurde jüngst durch Kjetil Nordhus (Trail Of Tears, Green Carnation) ausgetauscht. Tatsächlich hätte der Ersatz wohl nicht besser ausfallen können: Kjetil Nordhus ist stimmlich flexibler als sein Vorgänger, wie etwa die Songs „Illumination“ und „Megical Fix“ beweisen. Østen Bergøy taucht mit seiner ebenfalls grandiosen Stimme auf „Rubicon“ dennoch weiterhin als Session-Musiker auf.

Im Zuge der Besetzungswechsel änderte die Band auch das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Vocals. Beide Sänger kommen auf „Rubicon“ in etwa gleich oft zum Zuge, wobei Mariangela Demurtas – prädestiniert eher für energetischen als für zarten Gesang – die weniger emotionalen Parts bekommen hat. „Patriot Games“, einer der stärksten und definitiv der abwechslungsreichste Song der Scheibe (hier wird stellenweise sogar ordentlich geknüppelt), ist ein geeignetes Beispiel: Die ruhigen Strophen singt Nordhus, bevor Demurtas im Refrain lauthals loslegt und das ein oder andere mal vielleicht an Stellen, denen ein wenig mehr Dynamik gut getan hätte, zu viel Power an den Tag legt.

Ausfälle kann „Rubicon“ nicht verzeichnen. „Protection“, „The Passing“ und „Vulture“ sind gute und durchdachte Songs, die teils mehrere Durchläufe brauchen, um zu zünden. Gerade die Growls in „Protection“ erinnern dann doch an frühere Alben - allem voran die grandiose 2005er-Platte „Ashes“ -, in denen diese Gesangsart bei Tristania noch keine Seltenheit war. Das eigentliche Highlight der Platte ist allerdings „Exil“: Eine kraftvolle Ballade, in der die Band scheinbar spielerisch zwischen 3/4- und 4/4-Takt wechselt und am Ende nicht nur ein mitreißendes Finale, sondern auch noch einen genialen Instrumentalteil liefert. „Sirens“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, ist aber weniger schwer ausgefallen und beweist, wie gut sich die neuen Stimmen ergänzen.

Tristania haben sich weiterentwickelt: „Rubicon“ ist ein gut durchdachtes und abwechslungsreiches Album, düster und dennoch eingängig. Der eigentliche Zugewinn ist nicht Mariangela Demurtas, sondern ihr Kollege Kjetil Nordhus. In einem Genre, das sich selbst immer mehr zu Grunde richtet, ist „Rubicon“ ein erfreulicher Lichtblick.

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