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Triptykon: Requiem (Live At Roadburn 2019)

Abschluss der „Requiem“-Trilogie über 30 Jahren nach ihrem Beginn
keine Wertung
Genre: Klassik/Avantgarde
Spielzeit: 46:56
Release: 15.05.2020
Label: Century Media

Dass eine Band oder ein Komponist von einem mehrteilig geplanten Musikstück zunächst nur den ersten Part aufnimmt und veröffentlicht, bevor alles komplett ist, mag nicht so außergewöhnlich sein, dass der dritte noch vor dem zweiten fertiggestellt und herausgebracht wird, jedoch schon eher: Bereits 1987 hatten Celtic Frost mit „Rex Irae“ den ersten Teil ihrer geplanten „Requiem“-Trilogie auf ihr zweites Album „Into The Pandemonium“ gebannt, was damals ein ehrgeiziges Unterfangen darstellte, da das Arbeiten mit Orchesterelementen längst nicht so angesagt war wie heute und zudem so manchem Puristen seinerzeit sicherlich sauer aufstieß. Allerdings zeigte dies lediglich, wie visionär und ambitioniert diese Band schon damals war, was heutzutage wohl jeder unterschreiben würde.

2006 folgte auf dem Comebackalbum „Monotheist“ (gleichzeitig die letzte CF-Studioplatte) der dritte Teil „Winter“ (ein rein orchestrales Instrumentalstück), doch erst unter dem Triptykon-Banner hat Tom Gabriel Fischer es endlich geschafft, die Trilogie zu vervollständigen. Und wenn schon, denn schon: Der neu komponierte zweite Part „Grave Eternal“ währt über eine halbe Stunde und wurde von Anfang als Stück für Band und Orchester konzipiert. Das letzte Studioalbum Triptykons, „Melana Chasmata“, liegt nun mittlerweile auch schon wieder stolze sechs Jahre zurück – da kann man den lechzenden Fans gern etwas Besonderes bieten.

Durchaus sinnvoll, das Ganze direkt live und nicht erst als Studioversion aufzunehmen; die Zuschauer, die beim Roadburn Festival 2019 zugegen waren, wo die Uraufführung stattfand, kamen also in den Genuss einer absoluten Weltneuheit, zumal auch „Rex Irae“ und „Winter“ zuvor noch nie live aufgeführt wurden. Dementsprechend lauschen die Fans offenbar derart gefesselt, dass man bei den leisen Stellen eine Stecknadel fallen hören könnte, während am Ende dann aber doch frenetischer Jubel losbricht.

Vollkommen zurecht, denn die Performance ist in jeder Hinsicht beeindruckend. Sämtliche Beteiligte sind konzentriert und mit Hingabe bei der Sache und wer befürchtet, das Dutch Metropole Orkest könnte die gnadenlose Schwärze der Triptykon’schen Musik verwässern, sieht sich getäuscht. Es ist deutlich zu merken, dass „Grave Eternal“, das nahtlos in „Rex Irae“ übergeht – welches in dieser neuen Version wenig überraschend wesentlich brachialer wirkt als die damalige Studiovariante –, eben nicht ein ursprünglicher Frost- oder Triptykon-Song war, sondern extra für dieses Format geschrieben wurde, denn die Band hält sich zum Teil stark zurück und überlässt den vielfältigen Klangfarben des Orchesters das Feld.

Die Stimmung kommt dennoch typisch schwarz und böse herüber, es wird viel mit Dissonanzen gearbeitet, viel mit Schlagwerk, bedrohlich anschwellenden Blechbläsern, flirrenden Geigen sowie einem komplett weiblichen Gesangsquartett, das mit schaurig-schönen textlosen Vocals für zusätzliche Atmosphäre sorgt. Besonders in der Mitte wird es sehr finster und gleichzeitig feierlich, wenn Pauken, Röhrenglocken und Drums in einem repetitiven, hypnotischen Segment das Zepter übernehmen. Dennoch gibt es natürlich auch verzerrte Gitarren sowie Vanja Slajhs schnarrenden Bass zu hören und Leadgitarrist V. Santura darf sich mit einem exquisiten, gefühlvollen Solo hervortun. Das auf eine eigene Art sakrale Finale kommt wiederum recht melodisch und üppig daher, um dann doch noch mal mit ein paar fies ausbrechenden Klängen konterkariert zu werden.

Tom selbst agiert fast schon im Hintergrund, es ist vor allem Gastsängerin Safa Heraghi, die mit großem Charisma und ihrer angenehmen und natürlichen Stimme die Bühne beherrscht. Vanja hingegen headbangt weitestgehend in sich gekehrt und reißt die Saiten ihres Tieftöners wie eine Besessene an, wie man es von ihr kennt, und der neue Schlagzeuger Hannes Grossmann, der Norman Lonhard 2018 ablöste, beweist insbesondere an den perkussiven Stellen, wo er mit der Pauke zusammenspielen muss, Präzision und gutes Timing.

Auch die Orchestermusiker unter Leitung des finnischen Dirigenten Jukka Isakkila hatten gewiss ihre Freude an diesem für sie wohl eher ungewöhnlichen Auftritt, vereinzelt lassen sich sogar ausgefallene Techniken wie Streichen mit einem Kontrabassbogen über einen Beckenrand beobachten. Überhaupt muss auch an Schnitt und Kameraführung ein Lob gehen, da diese weniger hektisch ausfallen als bei den meisten konventionellen Metal-Live-Veröffentlichungen, sodass man den Musikern auch tatsächlich mal auf die Finger gucken kann, anstatt durch fünf Cuts in der Sekunde kirre gemacht zu werden. Der Sound ist differenziert, druck- und kraftvoll und wird dem ehrgeizigen Projekt zu jeder Zeit gerecht.

Es lohnt sich demnach, sich den insgesamt eine runde Dreiviertelstunde dauernden Auftritt auf Blu-ray zu kaufen – haben muss jeder Fan von Celtic Frost und Triptykon „Requiem (Live At Roadburn 2019)“ ohnehin in jedem Fall. Zweifellos auch für Tom selbst ein Traum, der nun endlich in Erfüllung gegangen ist. Das hier hat nicht wirklich etwas mit dem mittlerweile recht ausgelutschten Metal-meets-Orchester-Konzept zu tun, sondern ist ganz und gar einzigartig und weitaus avantgardistischer. Zu beneiden ist, wer live dabei war, alle anderen können sich wenigstens mit dieser tollen Nachlese trösten.

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