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Triptykon: Melana Chasmata

Vor Warriors Klangkunst kann man einfach nicht genug Respekt haben
Wertung: 9.5/10
Genre: Doom/ Black/ Death Metal
Spielzeit: 67:25
Release: 11.04.2014
Label: Century Media

Als das Triptykon-Debüt „Eparistera Daimones“ vor vier Jahren herauskam, verwunderte die musikalische Grundausrichtung nach Tom Gabriel „Warrior“ Fischers Ankündigung, mit seiner neuen Combo das Erbe von Celtic Frost fortzuführen, wohl niemanden. Erstaunt sein durfte man allenfalls darüber, dass der sich schon so lange im Geschäft befindliche Schweizer anscheinend immer noch genügend Wut und Hass in sich hat, um diese in seiner neuen Band zu kanalisieren, so verstörend und pechschwarz wie jene Scheibe ausgefallen war; für manchen gar nihilistischer und dunkler als alles, was Warriors alte Band je veröffentlichte.

Auf dem sehnsüchtig erwarteten Nachfolger „Melana Chasmata“ (griechisch für „Tiefe, schwarze Depressionen“ oder etwas abstrakter „Tiefe, schwarze Abgründe“) wird wie nicht anders vermutet dieser musikalische Weg weiter beschritten. Schon das erneut von H.R. Giger kreierte Artwork, das in ähnlichem Stil wie das des Vorgängers (also ähnlich verstörend und bizarr) gehalten wurde, bestätigt diese Annahme. Obwohl den Hörer also erneut ein tiefschwarzer, die Seele aufwühlender und durchrüttelnder Trip erwartet, sei trotzdem gesagt, dass die Platte bei aller Düsternis nicht ganz so finster und wütend wie „Eparistera Daimones“ ausgefallen ist. Schon der Eröffnungstrack „Tree Of Suffocating Souls“ ist trotz einiger Tempowechsel leichter zu durchschauen als 2010 „Goetia“.

Außerdem sind im Vergleich etwas mehr ätherische Passagen voller trostloser Melancholie vorhanden. So beispielsweise beim zweiten Stück „Boleskine House“, in dem die wunderbare Stimme von Simone Vollenweider sehr effektiv eingesetzt und als guter Kontrast zu den harschen männlichen Vocals verwendet wurde (die Dame war ja ebenfalls schon auf dem Debüt bei einigen Stücken am Start); besonders die Stelle, wo ihre gedoppelten Gesangslinien zu einer schaurig-schönen Dissonanz zusammenlaufen, geht unter die Haut.

Ebenso stellt der letzte Track „Waiting“ (wiederum mit elegischem, weiblichem Klargesang angereichert), quasi ein Absacker nach dem über zwölf Minuten langen „Black Snow“, eine sehr ruhige Nummer dar, fast schon eine Ballade, allerdings eine so todtraurige und depressive, dass sie sich auf jeder Beerdigung gut machen würde. Und gleichsam eine, die durch einen ungewöhnlichen Aufbau gekennzeichnet ist, besonders der Pink Floyd-mäßige Clean-Gitarren-Ausflug in der Mitte überrascht doch sehr, macht sich nach etwas Eingewöhnung allerdings prächtig.

Auch sonst sind Triptykon für ein paar Überraschungsmomente gut (man denke nur an die Pianopassage in „Myopic Empire“ seinerzeit); so geht das in der Albummitte platzierte „Aurorae“ als eine Art Dark-Wave-/Gothic-Rock-Komposition durch, sehr leicht zugänglich und treibend, fast schon feierlich wie ein Trauermarsch – doch ohne etwas an Atmosphäre einzubüßen. Und Atmosphäre ist bei einem Düsterbrocken wie dieser Platte natürlich das A und O; dank der hervorragenden Produktion mit drückenden, ultratief gestimmten, äußerst verzerrten Gitarren ist sie denn auch wie beim Erstling dicht und fesselnd ausgefallen – selbstverständlich ist „Melana Chasmata“ ein Album, das am Stück gehört werden will, die vielen Emotionen, die Wucht und die Spannung lassen es gar nicht zu, zwischendurch einfach mal Pause zu drücken und etwas anderes zu tun.

Emotional geht es vor allem auch bei „In The Sleep Of Death“ zu, wo man sich streckenweise fast ein bisschen an My Dying Bride erinnert fühlt, besonders wenn die gänsehäutige Gitarrenmelodie aufheult und sich dazu verlorener Klargesang gesellt – sehr emotional und verzweifelt klingend, für manchen allerdings vielleicht auch schon zu schluchzend vorgetragen.

Wuchtig wiederum darf man insbesondere das zornige „Altar Of Deceit“ und das sich fies dahinschleppende „Demon Pact“ nennen (letzteres ist übrigens ein sehr guter Beweis dafür, wie viel ein paar ganz dezent eingesetzte Keyboardklänge ausmachen können, um die Stimmung noch greifbarer zu machen) sowie das bereits erwähnte Epos „Black Snow“ – nicht ganz so lang wie damals „The Prolonging“, aber nicht weniger eindrucksvoll und mit einem ähnlich berauschenden Finale, in dem dieselbe Textzeile in hypnotischer Manier stetig wiederholt wird. Als Auflockerung findet sich in der Tracklist des Weiteren noch das sehr flotte „Breathing“ wieder, bei dem in der Mitte plötzlich ein sehr abrupter, aber cooler Groove-Part zu hören ist, bevor man mit chaotischen Gitarrensoli wieder zum Anfangstempo zurückkehrt – dies sollte live ein echter Kracher sein!

Doch ob schnell, langsam, elegisch, wütend, verzweifelt oder melancholisch: Auf „Melana Chasmata“ finden sich einmal mehr großartig vorgetragene Düster-Kompositionen unterschiedlichster Couleur, die jedoch perfekt miteinander verknüpft wurden und eine derartige Intensität, Atmosphäre und Ausstrahlung besitzen, dass die meisten anderen Bands mit ähnlicher musikalischer Ausrichtung nur davon träumen können, so etwas zu erschaffen. Vor Warriors Klangkunst kann man einfach nicht genug Respekt haben, weswegen ich mit Freuden meinen imaginären Hut ziehe.

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