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Tricot: 3

Eine Platte, die zu gezwungen klingt
Wertung: 4,5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 46:05
Release: 19.05.2017
Label: Big Scary Monsters

Ich geb’s zu: Ich habe mich lange versucht vor der Rezension zum neuen Tricot-Album “3” zu drücken, vereint es doch all das, was ich in meiner Freizeit ungern höre: japanische Musik, Frauen am Mikro, Math Rock. Gut, mit Sängerinnen kann man sich zur Not noch anfreunden, umwerfende Beispiele gibt es selbst für Skeptiker wie mich mittlerweile zuhauf. Bleiben immer noch zwei Kriterien, die eigentlich jegliches Anhören verbieten.

Jeder Musiksüchtling wird wissen: So richtig sicher kann man sich nie sein, dass sich nicht doch irgendwo auf einem ängstlich beäugten Album gute Musik versteckt; hören muss man es also, sonst liegt man nachher nächtelang wach in der Angst, etwas verpasst zu haben. Selbst, wenn die Texte auf Japanisch gehalten sind und man sowieso kein Wort versteht – es könnte doch immer eine kleine Perle dabei sein, die zu finden schon das halbe Abenteuer des Musik hörens ausmacht.

„3“ gestaltet sich für den ungeübten Hörer recht anstrengend, was sicherlich nicht nur an der Sprachbarriere liegt, sondern auch an dem fröhlich gemischten Cocktail aus Jazz, Alternative und Math Rock, versehen mit Mehrfachgesang. Da kann einem schon mal schwindlig werden, zumal Sängerin Ikkyu zum Teil mit einer nicht ganz verständlichen Inbrunst agiert, dass man sich doch fragt, was hier eigentlich besungen wird. Man muss allerdings zur Verteidigung der Mädels sagen: Das Album läuft zu Beginn gar nicht mal schlecht an: „Tokyo Vampire Hotel“ gestaltet sich nämlich als fast schon punkige Nummer mit teils recht schrillem Gesang, wobei doch noch einige Melodien durchbrechen, bevor der Refrain trotz sprachlichem Unverständnis recht schnell zum Ohrwurm mutiert.

Aber auch hier zeichnet sich schon ab, was auf der ganzen Albumlänge schnell störend wird: Tricot versehen alles mit ein bisschen zu viel Puderzucker, klingen größtenteils nach richtiger „Girl“-Band, walzen alles eine Spur zu poppig aus, selbst deftige, alternative Gitarren wie bei „Namu“ geraten dabei zu sehr in den Hintergrund, zumal das Teil sehr schnell zu einer an ein Kinderlied erinnernden Rutschpartie wird. Immer wieder werden scheinbar stimmige und harmonische Passagen durchbrochen von jazzigen Einlagen, die aber mit der Zeit eher klingen, als müsste das Trio ihr Können beweisen, statt dass der Einsatz irgendeinen Sinn zu ergeben scheint. Schade, denn so werden vielerlei Tracks einfach gnadenlos niedergetrampelt. Und obwohl die Frontfrau über eine durchaus warme und angenehme Stimmfarbe verfügt, wird diese leider zu oft von puppengleichem Kleinmädchengesang verzerrt („Echo“).

Dass wirklich Ärgerliche bei Tricot ist, dass ausreichend Potential vorhanden ist, um eine möglicherweise sogar sehr gute Rock- (oder auch Pop-)Scheibe zu fabrizieren, die Truppe sich es aber zur Angewohnheit macht, alles zu überzuckern. Die Stimme von Ikkyu Nakajima wirkt hier größtenteils fast vergeudet, lediglich kurze Lichtmomente sind erblickbar durch den Vorhang aus Jazzigkeit und erzwungen wirkender Verschrobenheit. Hier klingt alles zu konstruiert, zu gewollt, zu gezwungen – definitiv schade.

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