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Tribulation: Where The Gloom Becomes Sound

Jonathan Hulténs Vermächtnis
Wertung: 9/10
Genre: Gothic Rock/Metal, Progressive Black/Death
Spielzeit: 48:20
Release: 29.01.2021
Label: Century Media

Das fünfte Tribulation-Album „Where The Gloom Becomes Sound“ – wieder einmal mit einem zu der Band bestens passenden Titel ausgestattet, zu dem man sich von der Darkwave-Band Sopor Aeternus & The Ensemble Of Shadows inspirieren ließ – markiert eine Zäsur in der Geschichte der schwedischen Düsterheimer. Vielleicht weniger im musikalischen Sinne, sondern mehr aus dem Grund, dass noch vor Release der Platte bekanntgegeben wurde, dass Gitarrist Jonathan Hultén die Combo nach 16 Jahren Mitgliedschaft verlassen würde.

Seine exaltierte Bühnenperformance wird wohl kein Fan, der die Band je live gesehen hat, vergessen und wie als eine Art Abschiedsgeschenk hat der Saitenhexer auch noch den Löwenanteil des Materials auf der neuesten Scheibe komponiert. Sein Ausstieg ist schade, vorrangig jedoch gilt es, statt Trübsal zu blasen (pun intended) das Vermächtnis des Musikers zu genießen, denn was Tribulation auf ihrem neuesten Streich zu bieten haben, ist erneut auf einem verdammt hohen Niveau. Oberflächlich betrachtet wartet die Gruppe gar nicht mit allzu vielen Neuerungen auf, hat dafür nach den beiden bockstarken Vorgängern „The Children Of The Night“ und „Down Below“ erneut an den Details gefeilt und kann mit einer Reihe herausragender Songs glänzen.

Wie eh und je spielt dabei Atmosphäre natürlich eine immense Rolle – die Stichworte lauten „Mythos und Magie“, auf die man laut eigener Aussage einen noch größeren Fokus gelegt als zuvor. Hörbar ist dies unmittelbar mit Beginn des eröffnenden „In Remembrance“, das geradezu sakral mit einem tiefen, orgelartigen Ton startet, zu dem sich nach und nach dezente Glockenspiel-Keyboards und vereinzelte Gitarrentöne gesellen, bevor der eigentliche Song mit stürmischem Riffing in Szene gesetzt wird.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass die Schweden es wie kaum eine andere zeitgenössische Combo in diesem Bereich verstehen, Stücke zu schreiben und zu arrangieren, die einerseits äußerst eingängig sind und dabei trotzdem sehr viel Wert auf eine anspruchsvolle, ausgeklügelte Gitarrenarbeit legen – was den Songs logischerweise eine höhere Langlebigkeit verleiht. So scheinen beispielsweise „Elementals“ oder „Inanna“ anfänglich zwar gut, aber eher unspektakulär zu sein – bis sich eben nach und nach die Details offenbaren und die Stücke wesentlich interessanter wirken lassen.

Das absolute Gourmet-Material markiert in erster Linie jedoch wohl das als zweite Single ausgekoppelte „Hour Of The Wolf“, das wie eine melancholische Hymne daherkommt und von seinen Megahooks und einem tollen Flow getragen wird, oder das wie eine My Dying Bride-Komposition beginnende „Dirge Of A Dying Soul“, das ebenfalls mit grandiosen, melodischen Klampfen versehen ist und dem ein marschierender Charakter innewohnt, wobei man trotzdem sehr dynamisch agiert. Auch das episch-majestätische „The Wilderness“, das mit vielen Wendungen recht progressiv ausfällt, ist erste Sahne und setzt einen beeindruckenden Schlusspunkt.

Wild wird es bei „Daughter Of The Dijnn“ und „Funeral Pyre“, wo das Gaspedal auch mal deutlicher durchgedrückt wird – während ersteres (nicht nur aufgrund des Titels leicht exotisch) mit seinen Breaks ebenfalls zunächst etwas sperrig anmutet und erst später sein Potential entfaltet, hat letzteres unglaublich viel Feuer im Arsch und dürfte bei den Fans sofort oben auf der Liste der Anspieltipps landen. Clever auch, wie schon bei „Down Below“ ein kurzes Instrumental zum Runterkommen einzustreuen: Die Klaviernummer „Lethe“ erscheint anfangs zwar wie eine Etüde, rundet das Bild aber im Endeffekt doch sehr gut ab.   

Dass die Band diesen konstanten Spagat zwischen Eingängigkeit und Progressivität derart mühelos meistert und trotz ihres längst klar eigenständigen Sounds, der stimmungsmäßig zwischen Gothic Rock und Black Metal pendelt und eine enorme atmosphärische Tiefe besitzt (auch Johannes Anderssons Gesang ist wiederum sehr stark und textverständlich), so vielfältig und dynamisch agieren kann, verdankt sie ihren überragenden musikalischen Fähigkeiten, weswegen an dieser Stelle noch einmal der Abgang von Jonathan Hultén bedauert sei. Tribulation haben zwar mit Joseph Toll bereits Ersatz gefunden, dennoch ein herber Verlust und auf zukünftigen Konzerten (wann immer die sein werden) wird man Jonathan schon wegen seiner exzentrischen Persönlichkeit garantiert vermissen.

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