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Tribulation: Down Below

Kann das hohe Niveau der Vorgänger halten
Wertung: 9/10
Genre: Gothic Rock / Progressive Death Metal / Psychedelic
Spielzeit: 46:38
Release: 26.01.2018
Label: Century Media

Mit Klischees spielen sie definitiv gerne, die vier Jungs von Tribulation – das suggeriert schon der Bandname selbst („Trübsal“), genauso wie Albumtitel der Marke „The Formulas Of Death“ oder „Children Of The Night“. Und Corpsepaint und schwarze Klamotten gehören natürlich ebenso dazu. Schön, dass die Mucke selbst längst nicht derart klischeebehaftet tönt, sondern im Gegenteil ziemlich originell, eigenständig und frei von Kitsch. War das Debüt „The Horror“ noch eine reine Death-Metal-Angelegenheit, hat man seit „The Formulas Of Death“ mittlerweile eine ganz eigene Mixtur aus Gothic Rock mit schon wegen des Gesangs leichter Black-Metal-Schlagseite, Prog-Death-Elementen und psychedelisch-gruseliger Atmosphäre kreiert.

Die letzten beiden Alben waren zweifellos spannend und glänzten mit verschachtelten und doch nachvollziehbaren Arrangements, die auch die spielerische Klasse der Finstertruppe untermauern, sodass man gespannt sein durfte, was die exzentrischen Schweden als nächstes aus ihren Gruften hervorkramen würden. Tatsächlich haben sie mit dem vorab vorgestellten Midtempo-Opener „The Lament“ gleich mal ihren bis dato wohl griffigsten Hit am Start – das markante, melodische Gitarrenriff im Refrain und der tanzbare Groove lassen die Nummer zu einem echten Ohrwurm werden, der an Achtziger-Goth-Rock à la Sisters Of Mercy erinnert und in jeder Schwarzen Disco für Euphorie sorgen dürfte.

Beeindruckend präsentiert sich auch das folgende, schaurig-schöne „Nightbound“, das ebenfalls mit einer eleganten und verdammt eingängigen Hauptmelodie in der Gitarre daherkommt und sich als verspielt und bei aller Dunkelheit locker-flockig und geschmeidig erweist. Ganz große Düsterkunst! Allgemein ist eine Stärke dieser Band die fantastische, höchst kreative Gitarrenarbeit, die mit vielen kleinen Details glänzt, ohne jemals überladen zu wirken und so für eine angenehme Leichtigkeit und unaufdringliche Progressivität sorgt – bei allen Achtziger-Referenzen kommt niemals die Gefahr auf, dass irgendetwas angestaubt oder hüftsteif erscheinen würde.

Befände sich das gesamte Material der Scheibe auf dem Niveau der beiden ersten Tracks, hätten wir hier ohne Wenn und Aber eine Zehn-Punkte-Platte vorliegen; zwar ist dies leider nicht der Fall, dennoch ist Tribulation erneut ein interessantes und abwechslungsreiches Album gelungen: „Lady Death“ ist deutlich simpler gestrickt als das Eröffnungs-Double, besitzt auffällige Ghost-Anleihen und hat gleichermaßen seine Stärken im Gitarrenbereich, „Lacrimosa“ nimmt mit seiner dank dynamischer Wendungen und Mellotron-Einsprengseln progressiven Ausrichtung den Gegenpol dazu ein, während das finale „Here Be Dragons“ (mit siebeneinhalb Minuten längstes Stück der Scheibe) mit ebenso brachialer wie eindrucksvoller Gewalt einen zunächst schleppenden Schlussakkord markiert, bei dem am Ende allerdings dann doch noch mal kräftig aufs Gaspedal gedrückt wird.

Mit „Cries From The Underworld“ liegt außerdem eine weitere sehr eingängige Nummer vor, die in puncto Hitpotential ganz nahe an den beiden Überfliegern zu Beginn der Scheibe dran ist, auch bei „The World“ stechen die perlenden, flirrenden Gitarren hervor und machen einen kleinen Hit aus der kompakten Nummer, die ein weiteres Mal an Gothic Rock der Achtziger bzw. frühen Neunziger erinnert. „Purgatorio“ hingegen stellt ein kurzes, ruhiges Instrumental dar, das stark vom verstörenden Hauptthema des Polanski-Klassikers „Rosemary’s Baby“ inspiriert wurde und zusätzlich Farbe in die Tracklist bringt.

Klar, dass Horrorfilme bei Tribulation ebenfalls eine wichtige Rolle spielen; die Atmosphäre bei dieser Band ist ein elementarer Bestandteil ihres Sounds und beschwört von ganz allein düster-mysteriöse, gespenstische Bilder herauf. Dazu tragen auch die durchschlagskräftige, dennoch organische Produktion und der makellose Gesang von Johannes Andersson, der sich völlig souverän und gut textverständlich durch die Lyrics krächzt, bei.

Viel zu meckern gibt es an „Down Below“ also nicht, allenfalls „Subterranea“ braucht etwas mehr Anlaufzeit, entfaltet sich letztlich aber genau wie der Rest. Zwar hat man im Vergleich zu den Vorgängern nicht wahnsinnig viel an der Grundausrichtung verändert, doch da sie ihre eigene Nische im Düstersektor eh längst gefunden haben, schrauben die Skandinavier eher an den Details. So wurde ein bisschen mehr gestrafft, weswegen die Platte diesmal etwas kürzer geraten ist – das hohe Niveau kann der Vierer jedenfalls halten und die Erwartungen somit erfüllen.

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