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Tri State Corner: Historia

Starke Songs im Einzelnen, das Konzept ist aber nur bedingt erkennbar
Wertung: 7.5/10
Genre: Hard Rock / Heavy Metal
Spielzeit: 40:39
Release: 28.10.2011
Label: Fastball Music

Dreieinhalb Jahre nach ihrem Full-Length-Debüt „Ela Na This“ sind die Multikultis von Tri State Corner mit einem neuen Longplayer zurück. „Historia“ wurde das gute Stück getauft und es ist der nächste große Schritt, den die Truppe zu gehen wagt. Jedenfalls schwingt bei dem Ehrfurcht gebietenden Wort „Konzeptalbum“ doch stets eine gewisse Erwartungshaltung mit; ein solches Vorhaben zeugt von viel Ehrgeiz und einer guten Portion Selbstbewusstsein – viele Gruppen sind schließlich schon an einem solchen Projekt gescheitert, weil es für sie zu früh kam. 

Die Westfalen, deren Besonderheit, die sie von anderen Metal- und Hard-Rock-Combos unterscheidet, der Einsatz der Bouzouki (eines traditionellen griechischen Saiteninstruments) ist, haben sich dazu entschlossen, diesen Weg bereits mit der zweiten Langrille zu gehen, nachdem die EP „Changes“ und das erwähnte „Ela Na This“ bei Presse und Fans recht gut ankamen. Die Mélange aus Griechisch-Folkigem und Metalriffs dürften bis dato jedoch auch noch nicht allzu viele Bands ausprobiert haben, so dass man der Truppe durchaus einen originellen Sound bescheinigen durfte.

Musikalisch wird auf „Historia“ weiterhin diese Schiene gefahren, allerdings erfährt die Bouzouki einen noch größeren Einsatz als auf „Ela Na This“, was der Band prinzipiell schon mal gut zu Gesicht steht, denn auf der damaligen Platte waren die besseren Songs eindeutig jene, in denen das kleine, charakteristische Instrument eingesetzt wurde. Es ist schon beeindruckend, wie virtuos Ioannis Maniatopoulos über die Saiten flitzt und da die Herren allesamt zweifelsfrei gute Musiker sind, besitzen sie auch ein Gespür dafür, an welchen Stellen die Bouzouki passend eingesetzt werden muss.

Über die Umsetzung des Konzepts selbst indes lässt sich streiten. Songschreiberisch kann man dem Fünfer keinen Vorwurf machen, denn für sich gesehen sind Stücke wie der Opener und Titeltrack „Historia“, das hymnische „Human Race“, das mit supereingängigem Chorus gesegnete „Sooner Or Later“ (kein Wunder, dass der Track als Single ausgekoppelt wurde), „Nothing At All“, „Katastrophy“, „A Native Becomes A Stranger“ oder „I Swear“ definitiv bombenstark – Tri State Corner haben es fraglos drauf, mit ohrwurmigem, aber trotzdem anspruchsvollem Material aufzuwarten. Allerdings bin ich generell der Meinung, dass mit dem Wort „Konzeptalbum“ häufig ziemlich inflationär umgegangen wird; nur wenn die Songs eine Geschichte ergeben, ist das für mich nicht gleich ein Konzeptalbum, denn ein Konzeptalbum sollte auch musikalisch schlüssig sein, will heißen, es sollten beispielsweise Motive in variierter Form wiederkehren, so dass die Brücke zwischen den einzelnen Stücken nicht nur textlich erkennbar ist.

Dies ist bei „Historia“ leider überhaupt nicht der Fall, weswegen man nicht darauf kommen würde, dass es sich um eine zusammenhängende Geschichte handelt, wüsste man es nicht besser. Die Story (es geht um einen Immigranten, der seine Heimat verlässt, um in der Fremde sein Glück zu versuchen) bietet ja – so simpel der Ansatz auch ist – schon eine interessante Grundlage und passt zu der Band mit ihren multikulturellen Wurzeln, doch rein musikalisch betrachtet kommt ein Konzeptalbum wohl auch für Tri State Corner tatsächlich etwas zu früh. Man hätte das Ganze einfach noch mehr ausarbeiten können, denn das Konzept wird außerdem als eine „Geschichte von Trauer, Angst und Wut, Integration, Hoffnung und Neuanfang“ beschrieben und bei diesen starken Emotionen wird man hin und wieder das Gefühl nicht los, dass da noch weit mehr drin gewesen wäre, trotz des erkennbaren Bemühens um Dynamik und Abwechslung. Immerhin aber bringt Frontmann Lucky eine starke Gesangsleistung, die sicherlich auch als leidenschaftlich bezeichnet werden darf. Ich will hier auch gar nicht falsch verstanden werden, denn wie erwähnt besteht kein Zweifel daran, dass wir es hier trotzdem mit einem mehr als soliden Album voller guter Songs zu tun haben.

Auf ihrer nächsten Scheibe müssen sich Tri State Corner dann aber etwas Neues überlegen, denn so originell das Bouzouki-meets-Metalriffs-Unterfangen zunächst auch ist – solcherlei Effekte nutzen sich häufig schnell wieder ab und man läuft Gefahr, sich zu wiederholen. Vielleicht wäre ein erster Schritt, zum Beispiel ein paar ruhige, akustische Instrumentals einzubauen, um dem Ganzen noch mehr Dynamik und Raum zum Atmen zu geben. Aber das ist Zukunftsmusik, für „Historia“ gilt: Dem Terminus „Konzeptalbum“ will die Scheibe nur bedingt gerecht werden, aber jeder Metaller ohne Tunnelblick und mit leichtem Hang zu Exotischem kann sich das Teil dennoch ohne Bedenken zulegen.

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