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Transatlantic: The Whirlwind

Nach sieben Jahren siebenundsiebzig Minuten besten Prog Rock
Wertung: 8.5/10
Genre: Prog Rock
Spielzeit: 77:54
Release: 23.10.2009
Label: InsideOut

Die Prog Rock-Supergroup Transatlantic meldet sich im Jahre 2009 nach gut sieben Jahren Pause zurück. Klar, dass man da erst einmal für eine neue Superlative sorgen muss und somit gibt es auf diesem Konzeptalbum laut Band nur einen einzigen Song, der es dann auf beachtliche 77:54 Minuten bringt. Damit hätte die Band, wie sie sehr stolz verkündet, das längste durchgehende Konzeptalbum erschaffen. Wer jetzt aber Angst bekommt, 77 Minuten den gleichen Song hören zu müssen, dem sei gesagt, dass eigentlich zwölf Songs auf diesem Album versteckt sind, welche ohne Pause aneinander gereiht sind und mit einem durchgängigen Sound gesegnet sind.  Deshalb gehe ich auch im folgenden Review auf die einzelnen Kapitel dieser Story ein.

„Overture / The Wirlwind“ startet den Reigen mit einiger Spannung. Man könnte teilweise fast an einen Soundtrack denken. Im Hintergrund  tauchen vereinzelt kurze Gesangspassagen auf, bevor dann nach über eineinhalb Minuten die Keyboards mit Schlagzeug und Bass langsam den Titelsong beginnen. Und nach gut drei Minuten wird dann das erste Mal ein wenig gejammt. Dass Mike Portnoy (Dream Theater), Pete Trewavas (Marillion), Roine Stolt (The Flower Kings) und Neal Morse (Ex- Spock`s Beard) natürlich Garanten für technisch hochwertige Musik sind, muss man ja nicht mehr erwähnen. Dass das Ganze eigentlich trotzdem ohne jegliche Egotrips von statten geht, schon. Hier zockt eine Band, die wirklich zu 100 % zu harmonieren scheint, da werden unheimlich viele kleine Songfragmente zusammengebastelt, ohne dass es sich erzwungen anhört. Nach gut sieben Minuten darf dann auch das ehemalige Goldkehlchen von Spock`s Beard  loslegen und der warme weiche Gesang von Neal Morse sorgt für zusätzliche Wärme im Sound. Nach fast zehn Minuten geht es dann nahtlos ins zweite Kapitel über.

„The Wind Blew Them All Away“ setzt sich schnell im Gehirn fest, das tolle Gitarrensolo verzückt den Hörer und die mehr als gelungene Gesangslinie sorgt für viel Freude beim Hörer. Die Band schafft es bei aller Komplexität, das Ganze trotzdem nicht überladen oder mathematisch klingen zu lassen. Man rockt hier absolut frei durch die Lautsprechermembranen. Irgendwie ist das ein Album, welches auch ohne Probleme als Hintergrundmusik laufen könnte. Nicht, dass es das verdient hätte, aber aufgrund der radiotauglichen Melodien und einem wirklich nicht zu hohen Härtegrad könnte das ohne Probleme funktionieren.

Noch deutlicher, dass es sich um verschiedene Einzeltracks handelt, wird dann der Übergang zu „On The Prowl“. Der Vorgängertrack wird einfach ausgeblendet und von den ersten Tönen des neuen Songs aufgefangen. Der Bass von Pete Trewavas fällt hier zu Anfang besonders positiv auf, denn er ist mehr songbildend als begleitend. Da wird dann auch mal im Quartett mit den Fingern geschnippt oder ein Sample eingestreut, dass man meinen könnte, dass es eigentlich unumgänglich gewesen wäre. 

„A Man Can Feel“ beginnt recht dominant, um dann aber in ein kurzes, kleines, etwas schräges Songfragment zurück zu fallen. Der irgendwie etwas beunruhigend wirkende Gesang sorgt für einen schönen Kontrast, bevor es deutlich melodieverliebter weitergeht. Coole Nummer mit irgendwie mehr Sperrigkeit gegenüber dem Rest, aber genau das macht ihn zu einem weiteren Highlight unter den ganzen Highlights. 

„Out Of The Night“ beginnt wie viele Rocknummern in den frühen Achtzigern, die die Charts gestürmt haben. Diese positive Stimmung, mit einem breiten Grinsen vorgetragen, findet man heute eher selten. Das „Whirlwind“-Theme wird auch mal wieder kurz aufgegriffen und verdeutlicht den gewollten Zusammenhang der Songs. So locker flockig können extrem durchdachte Songs klingen.

„Rose Colored Glass“ hat dann ein wenig mehr Schmusecharakter, ohne aber Schmalz triefend zu wirken. Der Gesang brilliert über den zollen Melodien, die teilweise eher spärlich instrumentiert wurden, was aber in diesem ausgefeilten Falle nicht negativ zu bewerten ist. Trotz aller Länge, die sich die Musiker nehmen, wird hier nichts langweilig oder im negativen Sinne betrachtet langwierig. 

„Evermore“ beginnt mit Klaviertönen, bevor man deutlich härter in die Progressivecke abdriftet. Einfach nur genial, wie man hier losjammt. Und so sorgt der Song für unheimliche Kuzweil trotz normaler vier Minuten Spielzeit, welche aber wie im Zeitraffer daherrauschen und durch die fanfarenartige Eröffnung des nächsten Songs abgelöst werden.

„Set Us Free“ ist dann mehr eine verspielte Rocknummer, die mir nicht ganz so munden will. Vielleicht wäre es gut gewesen, hier langsam mal das Tempo für einen ausgedehnten Moment anzuziehen und somit einen zusätzlichen Akzent zu setzen. 

„Lay Down Your Life“ versucht da ein wenig mehr Ausstrahlungskraft zu erzeugen. Neal versucht deutlich rauer und hardrocklastiger zu klingen, man ist gar ein wenig an Bands wie Led Zeppelin oder Whitesnake erinnert, auch wenn die hohen Tonlagen gemieden werden. Schade, denn das will meiner Meinung nach nicht so wirklich gefallen. Eigentlich hatte ich mir hier einen aufrüttelnden, bunten Akzent gewünscht, der es auch mal mehr krachen lässt, aber das hier will mir nicht munden, da hätte ich mehr erwartet.

„Piece Of Heaven“ ist dann ein reines Instrumental mit viel Kopfhörer-Bewusstsein, denn die komplette Räumlichkeit des Sounds will nur da seine volle Entfaltung offenbaren. Sehr starke Nummer mit viel Progressivität im Blut und eher hart gespielten Tönen. So macht Prog Rock Spaß. Schade, dass die Nummer schon so schnell vorbei ist.

„Is It Really Happening?“ beginnt sehr spannungserzeugend. Mehrstimmiger beschwörender Gesang zerrt den Hörer in eine andere Gefühlsebene. Das Klavier findet auch wieder seinen Weg in die Musik. Und nach und nach entwickelt sich das Ganze, wobei die gerade mal vier Zeilen Text doch ein wenig Gefahr laufen, zu häufig wiederholt zu werden, zumal auch erst nach zirka vier Minuten ein musikalischer Break kommt und die Gitarre zeigen darf, was sie kann. Nun wird auch das Tempo angezogen und man hört leise die Doublebassdrum. Coole „heading fort the end“-Nummer. Das hätte ich mir allerdings schon drei bis fünf Songs früher mal gewünscht.

„Dancing With Eternal Glory / Whirlwind (Reprise)” ist dann der große Abschluss des Albums. Deutlich verträumter mit viel Balladen-Feeling wird das Ende beschritten. Zuckersüß schmeicheln die Melodien das Trommelfell der Ohren. Da kann man die Frau, Freundin, Mann oder Freund (je nachdem, was zutrifft) schön zärtlich in den Arm nehmen und kuscheln. Um dem Konzeptalbum dann aber wieder mehr Bedeutung zu geben, wird dann noch einmal das „The Whirlwind“-Thema aufgegriffen, welches in einem stimmigen Ende für dieses Album gipfelt und schöner Weise nicht ganz so verschmust endet.

Fazit: Ein kleines Meisterwerk der Prog Rocks. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es die Anerkennung bekommen wird, die es verdient hätte. Insgesamt ist es dann vielleicht doch mit zu wenig Ecken und Kanten versetzt worden. Der Versuch, zusätzliche Publicity dadurch zu gewinnen, dass man es als das längste durchgängige Konzeptalbum bewirbt, wird wohl nicht ganz funktionieren, denn dafür sind es schon zu deutlich einzelne Songs, welche einfach zusammengefügt wurden. Trotzdem ein wirklich tolles Werk ohne große Egotrips der einzelnen Musiker, da sich hier jeder trotz der teilweise angediehenen Komplexität in den Dienst der Songs gestellt hat. 

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