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Transatlantic: The Absolute Universe

„Feuchter Traum eines jeden Prog-Fans“
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 154:28 (64:12/90:16)
Release: 05.02.2021
Label: InsideOut

Sieben Jahre hat das Prog-Rock-Quartett Transatlantic seine Fans zappeln lassen, bis sie endlich mit einer neuen Platte an den Start gegangen sind, aber bei den zahlreichen Verpflichtungen der einzelnen Musiker ist diese lange Wartezeit natürlich nicht unverständlich. Immerhin hat die Band sich dafür etwas ganz Besonderes ausgedacht und präsentiert diesmal gleich zwei Versionen ihres fünften Studiowerkes „The Absolute Universe“ – eine „gekürzte“ („The Breath Of Life“), die auf einer CD enthalten ist, und eine „erweiterte“ („Forevermore“) auf zwei Silberlingen.

Dies bedeutet jedoch mitnichten, dass auf der Einzel-CD verglichen mit dem Doppeldecker einfach nur ein paar Stücke weggelassen wurden; auf der kürzeren Variante finden sich Songs wieder, die auf der längeren nicht in derselben Form enthalten sind und umgekehrt bzw. wurden Songs mit anderen Titeln und Lyrics versehen, außerdem unterscheiden sich zum Teil auch Tracks, die auf beiden Versionen stehen, in puncto Struktur, Arrangements und Länge voneinander. Wie? „Fan-Verarsche!“, „Abzocke!“ heißt es da wieder mal aus den hinteren Reihen der Dauerquerulanten? Weit gefehlt; dass derartige Behauptungen Unsinn sind, wird jeder erfassen, der genau hinhört.

Erstens ergab sich die Idee dieser ungewöhnlichen und wohl tatsächlich völlig neuen Vorgehensweise erst während der Aufnahmen, als man merkte, dass zu viel starkes Material für eine CD vorhanden war, zwei Viertel der Band aber meinten, das Ganze sollte nicht zu lang werden. Allerdings war der Prozess bereits zu weit fortgeschritten, um noch einmal alles umzustellen, weshalb schließlich die Idee aufkam, zwei Versionen herauszubringen.

Zweitens sollte man respektieren, wie viel Arbeit in diesem Mammutprojekt steckt, weil man eben nicht ganz bequem einfach nur eine 90- und eine 60-Minuten-Edition produziert hat, die sich lediglich in ihrer Länge unterscheiden – gerade als Prog-Fan ist es doch eine wunderbare Herausforderung, sich die verschiedenen Varianten anzuhören und zu vergleichen. Zugegeben, rein musikalisch bietet der Vierer nichts Revolutionäres, das aber war auch nicht ernsthaft zu erwarten. Im Gegensatz zum hauptsächlich aus zwei Mega-Longtracks bestehenden „Kaleidoscope“ setzt man wieder auf mehrere, etwas kürzere Songs, was sicher auch ein Grund ist, weswegen das Album am ehesten mit „The Whirlwind“ vergleichbar ist.

So oder so stehen erneut die unermesslichen Weiten des Siebziger-Prog Pate und bei druckvollem und frischem Sound sind der Band wiederum einige wundervolle Ohrwürmer und melodische Wohlfühl-Hooks geglückt. Zwar haben sich auch ein paar etwas schwächere Füllertracks wie „Bully“, „Belong“ oder „Lonesome Rebel“ in die Tracklist(s) geschlichen, ansonsten hat die Erfahrenheit der Protagonisten zum Glück jedoch nicht zu unterkühlter Routine geführt.

„Heart Like A Whirlwind“ (allein vom Titel her ja eine Anspielung auf das 2009er Werk) bildet gleich nach der Ouvertüre (die in den beiden Varianten bereits deutlich unterschiedlich ausfällt) eine mitreißende Hymne voller positiver Energie, das sonnige „Higher Than The Morning“ besticht durch herrlichen mehrstimmigen Gesang, das marschierende „The Darkness In The Light“ besitzt in der Strophe einen melancholischen Anstrich, um im Refrain aufzublühen, „The Sun Comes Up Today“ sprüht vor Spielfreude über, in „Rainbow Sky“ wird sich sehr offensichtlich, aber gelungen vor den Beatles verneigt, im vielfältigen „The World We Used To Know“ werden alle Prog-Register gezogen, während „Love Made A Way“ ein packendes, episches Finale darstellt, in welchem die vorigen Themen clever wieder aufgegriffen und verknüpft werden.

Selbstverständlich dauert es ein wenig, sämtliche Unterschiede zwischen den Versionen herauszuhören. So ist „Higher Than The Morning“ in der „Forevermore“-Variante um eine von Pete Trewavas gesungene Strophe reicher, bildet „Take Now, My Soul“ das mit verändertem Text gestaltete Pendant zu „Swing High, Swing Low“, ebenso wie „Reaching For The Sky“ das Gegenüber zu „Heart Like A Whirlwind“ einnimmt. Mal sind es aber auch nur Nuancen, wie der modifizierte Rhythmus zu Beginn der beiden „Looking For The Light“-Fassungen, eine leicht variierte Instrumentierung in „The Darkness In The Light“ oder dass Bandmitglieder in den gleichen Songs unterschiedliche Strophen singen. Überhaupt sind die Lead Vocals unter den vier Mitgliedern diesmal nahezu gleichwertig aufgeteilt, was angesichts der gesanglichen Mängel von Stolt und Trewavas sicher nicht jedem schmecken wird.

Dass es sich bei „The Absolute Universe“ zudem um ein Konzeptalbum handelt, dürfte wohl niemanden überraschen – wiederkehrende Themen plötzlich an anderer Stelle des Albums zu hören und die logische Zusammensetzung der Stücke nach und nach zu erfassen, sind für jeden Progger sicherlich stets genauso ein Schmankerl wie die Unterschiede zwischen den Versionen herauszufinden. Ein gewagtes, mutiges Unterfangen, an das sich Transatlantic da gewagt haben, das aber natürlich dadurch einen hohen Langzeitwert hat – „I am sure ,The Absolute Universe‘ as a whole will be any prog fan’s wet dream“, so Mike Portnoy, auch wenn er hinzugefügt, dass das Ganze in gewisser Weise auch ganz schön „bekloppt“ wäre. Da ist viel Wahres dran. Fans können sowohl die Vollbedienung „The Ultimate Editon“ mit beiden Varianten als auch die Albumeditionen einzeln abgreifen.

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